Zollikon

Nach 37 Tagen auf staubigen Pisten endlich am Ziel

Im Juli haben wir über ein abenteuerlustiges Paar aus Zollikon berichtet. Vorgestern sind Olga und Mike Nauser an der «Mongol Rally» im Südosten Sibiriens über die Ziel­linie gefahren.

Die Aufregung war gross, als Olga und Mike Nauser am 19. Juli ihre Zolliker Heimat verliessen. Vier Tage später starteten die beiden als eines von 289 Teams von Prag aus die «Mongol Rally». Die Teilnahmebedingung, ein möglichst schrottreifes Gefährt zu benützen, hatten sie mit ihrem knallgelben, elf Jahre alten Fiat Panda erfüllt. An diesem Mittwoch, 37 Tage und rund 18’000 Kilometer später, fuhr die «Pandüle» in der südrussischen Stadt Ulan-Ude über die Ziellinie. Über ihre Erlebnisse unterwegs berichteten die beiden Zolliker regelmässig auf ihrem Reiseblog.

Zum Beispiel, wie sie am zweiten Tag die Grenze nach Bulgarien passierten und wegen des Zeitzonenwechsels, von dem sie nichts wussten, beinahe keinen Znacht mehr bekommen hätten. Oder wie sie sich am vierten Tag in Istanbul verfuhren und ihr Navi zu sprechen begann: «Findet selber wieder aus dieser Stadt heraus, ich melde mich ab.» Oder wie sie am elften Tag in einem Imbiss-Restaurant im Iran via Übersetzungs-App zwei Hamburger bestellten. Der Kellner ging in die Küche und brach in Gelächter aus. Als sie den Satz ins Deutsche zurückübersetzten, sahen sie, was sie dem Kellner mitgeteilt hatten: «Wir lieben Hamburger.»

Spurensuche in Kasachstan

Unzählige Schlaglöcher, Pannen und Begegnungen mit Einheimischen und Rallye-Kommilitonen später näherte sich das Paar dem Land, in dem Olga Nauser bis zu ihrem elften Lebensjahr gelebt hatte: Kasachstan. Weil sie das Dorf ihrer Kindheit seit 30 Jahren nicht mehr betreten hatte, stieg Olga Nausers Puls mit jedem Kilometer, den ihr pannenanfälliges Gefährt auf der staubigen Strasse zurücklegte. Das kasachische Dorf ­Nurkent liegt nahe der chinesischen Grenze und soll im Rahmen eines Besiedlungsprojekts bis zum Jahr 2035 100’000 Einwohner haben. Doch davon ist das Nest noch weit entfernt: Im Jahr 2017 waren in Nurkent nur rund 1200 Einwohner registriert. Umso besser für Olga Nauser, denn so ist die Hoffnung grösser, dass sie die Strassen und Plätze nach knapp 30 Jahren noch wiedererkennt.

Als das Dorf immer näher rückte, wurde Olga Nauser von ihren ­Gefühlen überwältigt, sodass ihr Mann Mike das Steuer übernehmen musste. Der herzliche Empfang durch den Onkel und dessen Nichte sorgte für eine gelöste Stimmung. Die Quad-Fahrt durchs Dorf mit dem Onkel war eine Reise in die Vergangenheit. In den Häusern, in der Olga Nauser mit ihren Eltern gewohnt hatte, wurde dem Paar gerne die Tür geöffnet. Auch das Haus der Grosseltern durfte es besuchen. Für Olga Nauser waren die zwei Tage in ­Nurkent eine Zeit gefüllt mit wertvollen Stunden, bevor es wieder zurück auf die holprige Schotterpiste ging.

Absurditäten am Zoll

Noch gute zwei Wochen Fahrt trennten Olga und Mike Nauser vom Ziel. Nach weiteren Erlebnissen in Kasachstan überquerten sie an Tag 26 die Grenze zu Russland. Überwältigt vom Anblick der endlosen Korn- und Sonnenblumen­felder fragte sich Mike Nauser, ob die Ernte überhaupt im selben Jahr eingefahren werden kann. Seine Schlussfolgerung: «Schichtbetrieb 24/7.»

Nach drei Tagen Russland, das den beiden wie eine andere Welt vorkam, erreichten sie die mongolische Grenze. Als nach stundenlangem Warten am Zoll endlich sie an der Reihe waren, schloss der Beamte unverhofft das Fenster seines Häuschens, zog seine Jacke an und spazierte davon. «Fuat iss er!», kommentierte ein österreichischer Rallye-Mitstreiter die absurde Situation und lockerte die Stimmung auf. Glücklicherweise übernahm nach kurzer Zeit eine Kollegin den Posten des verschwundenen Beamten, sodass die Fahrt weitergehen konnte. 

Nun war das Ziel nicht mehr weit entfernt. Doch weil einem im Leben nichts geschenkt wird, gab es nochmals eine Panne und eine bitterkalte Nacht im Zelt, bevor das Zolliker Paar – die fahruntaugliche Rostbeule eines befreundeten Teams im Schlepptau – vorgestern endlich über die Ziellinie in Ulan Ude fuhr. Ob die Rückfahrt in die Schweiz genauso aufregend werden wird, lässt sich weiterhin auf ihrem Blog nachlesen.

mongolrally2019.ch/live-tracking

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