Zollikon

Am Puls der Zeit

Die reformierte Kirche möchte im Zollikerberg ein Café als Drehscheibe für moderne Nachbarschaftshilfe schaffen.

Auf der einen Seite verfügt die reformierte Kirche Zollikon im Berg über ein Gemeindehaus, das nur noch bedingt benutzt werden kann. «Eigentlich finden im grossen Saal 300 Personen Platz. Aus feuerpolizeilichen Gründen dürfen wir aber nur 100 hineinlassen», erklärt Kirchenpflegepräsidentin Hanni Rüegg. Die Kritik der Feuerpolizei geht noch weiter: Die Fluchtwege seien im Foyer durch Tische und Stühle versperrt, die Türen seien zu klein, zudem fehlten Brandschutztüren. «Ausserdem ist hier extrem viel Holz verbaut worden», führt sie weiter aus. Auch die Küche ist in die Jahre gekommen – was man ihr ansieht.

Für Hochbetagte

Auf der anderen Seite hat die Kirche ein Alterskonzept erhalten, das sie extern in Auftrag gegeben hatte. «Wir sind die Gemeinde mit der ­ältesten Bevölkerung schweizweit und dem müssen wir Rechnung tragen», sagt Hanni Rüegg. Das Konzept besagt, dass es mehr Angebote für Menschen im dritten und vierten Lebensabschnitt, für Hochbetagte geben müsse. «Es reicht einfach nicht mehr, am Sonntag einen Gottesdienst anzubieten», unterstreicht die Präsidentin der Kirchenpflege.

Und diese beiden Fakten werden jetzt zu einem Projekt addiert: Im Zollikerberg soll mit dem «Café am Puls» ein generationenübergreifender Raum geschaffen werden. «Wir möchten ein ganz lebendiges Café mit vielen Angeboten. Kein übliches Kirchencafé.» Nach dem Motto «gemeinsam statt einsam» entsteht damit ein Netz für Beratung, Betreuung, Unterstützung und Hilfestellung. Durch einige bauliche Veränderungen wie das Ziehen einer neuen Wand, neuen Fensterfronten und einer neuen Küche soll ein heller, fröhlicher Raum für Alt und Jung, für Singles und Ehepaare, für Alleinerziehende und Familien mit Kindern entstehen. «Hier können zum Beispiel Beratungsstunden für Senioren stattfinden. Mütter treffen sich mit ihren Kindern. Tanzkurse gehen über die Bühne. Das Café soll zu einer impulsgebenden Drehscheibe werden», freut sich Hanni Rüegg bereits heute. Dabei möchte sie auch die Altersfachstelle der Gemeinde, Pro Senectute, die Alzheimer-Vereinigung, die Rheumaliga und den Verein Senioren für Senioren involvieren. Parallel sollen die Räume aber auch an heimische Vereine und das Gewerbe für Anlässe vermietet werden können.

Einnahmen durch Fundraising

Noch fehlen zwei Zustimmungen: die der Gemeinde, bei der der Bauantrag schon vorliegt. Und die der Kirchgemeinde, die im Dezember über die Finanzierung abstimmen wird. Insgesamt sollen 625’000 Franken anfallen, den Löwenanteil dabei machen aber die ohnehin nötigen baulichen Massnahmen aus. Für das «Café am Puls» werden 250’000 Franken veranschlagt. Diese möchte die Kirche über Fund­raising wieder einholen. Parallel könnte ein Förderverein gegründet werden. «Wir haben bei der Planung natürlich auf die Kosten geschaut. Somit gibt es keine Luxusküche für das Café, sondern eine solide Ausstattung, die die nächsten Jahrzehnte hält.» Entsprechend den technischen Auflagen wird auch die Belüftung erneuert. Insgesamt soll es im Café 28 Sitzplätze geben. Auf dem Kirchplatz wäre unter einer Pergola noch Raum für 32 Plätze. Für die Kinder könnte es draussen einen Spielplatz und drinnen eine Kiste mit Spielzeug geben.

Läuft alles nach Plan, dann werden im Café und Bistro ab Herbst 2020 morgens die Gäste mit Kaffee und Gipfeli begrüsst, am Mittag gibt es selbst gemachte Suppen und frisch zubereitete ­Gerichte und am Nachmittag ­locken Snacks Sportler, Spaziergänger, Mütter und Väter in den neuen Quartiertreff. Dabei werde niemand zum Konsum gedrängt. Neben der Lebendigkeit soll das Café samt Vorplatz aber auch ein Ort der Ruhe und Entspannung sein.

Ehrenamtliche gefragt

Wenn die Finanzierung gesichert ist, soll ein hauptberuflicher Betriebsleiter für das Café gesucht werden, der auch sozialdiakonisches Verständnis mitbringt. Das Konzept sieht vor, dass er mit ehrenamtlichen Helfern arbeitet. «Wir können schon jetzt viele Angebote nur durch die Freiwilligenarbeit leisten. Wir haben aber sehr zuverlässige und erfahrene Helfer und Helferinnen», erklärt Hanni Rüegg. Natürlich weiss sie auch, dass die «Dörfler» das Angebot gerne bei sich hätten. «Aber hier haben wir die Möglichkeiten, das zu realisieren, und immerhin bilden Zollikon und der Zollikerberg eine Gemeinde.» Insgesamt sieht sie das Konzept als Form der modernen Nachbarschaftshilfe. Die Gäste – natürlich nicht nur Mitglieder der reformierten Kirche – sollen aus ihren Wohnungen, aus ihrer Isolation in die Gemeinschaft geführt werden. In einer Art «sorgender Gemeinschaft» («caring community») wird das solidarische Handeln in den Mittelpunkt gestellt.

An einem Informationsabend werden nun unter anderem Hans ­Heinrich Knüsli als Projektleiter, Sozialdiakonin Silvia Nigg und Architektin Sabine Hubacher das Café mit dem Konzept vorstellen und alle Fragen dazu beantworten. Sabine Hubacher hat dabei eine ganz besondere Beziehung zu dem Kirchgemeindehaus, waren es doch ihre Eltern, die es einst bauten. (bms)

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