Zollikon Zumikon

Welche Erwartungen hat die Bevölkerung an den Wald?

Es sind ganz unterschiedliche: Die einen geniessen den Wald wegen der Ruhe und möchten hier Energie tanken, sich vom Stress des Alltags erholen. Andere Menschen nutzen den Wald regelrecht als Sportplatz. Das führt natürlich immer wieder zu Konflikten. Dann gibt es immer öfter Spielgruppen und Waldkindergärten, die ihren Schützlingen unsere Natur näher bringen möchten. Dazu gesellt sich die Forstwirtschaft, die den Wald pflegt und Bäume fällt, um den schönen Rohstoff, der eben auch vor der eigenen Tür wächst, nutzen zu können.

Mit welchen Herausforderungen werden Sie täglich konfrontiert?

Die genannten Erwartungen und Ansprüche an den Wald unter einen Hut zu bringen. Oft komme ich mir vor wie ein Manager oder Mediator. Denn es gibt viele Momente, in denen ich zwischen Bikern, Joggern und «Hündelern» schlichten muss. Immer besser verstanden wird unsere forstwirtschaftliche Arbeit. Mein Ziel ist die gegenseitige ­Akzeptanz aller, die sich im Wald bewegen.

Welche Arbeiten halten Sie zurzeit besonders auf Trab?

Der Borkenkäfer beschäftigt uns intensiv, auch wenn wir mehr Glück hatten als andere Regionen. Die Medien haben darüber bereits ausführlich berichtet: Infolge des trockenen und warmen Wetters konnte sich der sogenannte Buchdrucker, die hiesige Borkenkäfer-Art, stark vermehren. Viele Fichten (Rottannen) – die Leibspeise der Käfer – sind aufgrund der Trockenheit geschwächt und können nicht mehr genügend Harz bilden, um sich gegen Schädlinge zu schützen. Die befallenen Bäume müssen wir so rasch als möglich fällen und aus dem Wald transportieren, damit sich der Käfer nicht weiter ausbreiten kann. Normalerweise fällen wir die Bäume im Winter während der sogenannten Saftruhe, in der sie nicht wachsen.

Wie viele Bäume sind im Vergleich zur üblichen Fallmenge dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen?

In unserem 435 Hektar grossen Forstrevier, das vom Wehrenbach an der Stadtgrenze über den Burghölzli­wald bis zum Forchdenkmal und zur Grenze von Maur reicht, nutzen wir in «normalen» Jahren ohne Sturmschäden rund 3500 Kubik­meter Holz. Der Borkenkäfer hat bis jetzt zwischen 200 und 300 Kubikmeter befallen und somit knapp zehn Prozent der üblichen Nutzmenge zu Fall gebracht. Und wenn das Wetter weiterhin trocken und warm bleibt, kann sich die Schadholzmenge rasch vergrössern.

Was wird aus dem Fallholz?

Drei Viertel des Baumstammes – von unten nach oben Richtung Krone betrachtet – sind Bauholz. Dieses verarbeiten die Sägewerke zu Balken und Brettern. Der Rest eines Baumes dient als Industrie- oder Energieholz und wird beispielsweise zu Hackschnitzeln für das Schwimmbad Fohrbach, das damit heizt.

Aus welchen Gründen ist das Forstrevier Zollikon-Zumikon weniger von Borkenkäfern betroffen als andere Reviere?

Der Borkenkäfer frisst sich am liebsten durch die Rinde der Fichten. Unser Revier ist jedoch grösstenteils Mischwald ohne ausgedehnte Fichtenbestände. Das heisst, der Borkenkäfer findet hier sein Leibgericht weniger oft und kann auch weniger gut von Fichte zu Fichte fliegen. Zudem kontrollierten wir den Wald ab Mai intensiv und konnten bei beginnendem Borkenkäferbefall sofort eingreifen. Dies ist dank ausreichendem und kompetentem Personal, das der Forstbetrieb der Holzkorporation Zollikon zusammen mit der Infrastruktur bereitstellt, möglich.

Weshalb ist Zumikon und Zollikon kein Fichtengebiet?

Aufgrund von Boden und Klima und ohne Beeinflussung durch den Menschen bestünde der Wald im Forstrevier zum Grossteil aus Laubmischwald. Früher wurden Fichten auch hier intensiv gepflanzt, weil das Holz sich ideal für die Holzindustrie eignet, welche es hauptsächlich zu Bau- aber auch Papierholz weiterverarbeitet. Auch bei der Landwirtschaft findet das Fichtenholz für den Bau von Scheunen Verwendung. Zudem liefert die Fichte nutzbare Holzsortimente wie Weidepfähle oder Zaunlatten. Wir sind seit rund 50 Jahren von dieser sogenannten künstlichen Verjüngung des Waldes mit Fichten abgekommen. Anstelle eines dunklen Tannenwalds haben wir ein liebliches Erholungsgebiet mit viel Mischwald und schaffen zugleich Biodiversität.

Was sind typische Erkennungszeichen für befallene Bäume?

Es gibt zwei Arten von Borken­käferbefall: zunächst jenen im Frühsommer, im Juni und Juli. Zu diesem Zeitpunkt werden die Äste der befallenen Fichten zuerst rötlich; dann beginnt die Rinde abzufallen. Den Herbstbefall, der bereits im Spätsommer einsetzt, erkennt man an den grossflächig abfallenden Rindenstücken. Hören wir dann auch noch den Specht intensiv klopfen, ist das ein weiteres Zeichen. Zudem lassen die befallenen Bäume ihre Nadeln fallen. Das können wir jedoch nur bei Bäumen, die an Strassen stehen, sehen. Zum Glück werden die Tage und Nächte nun kühler und es fällt ab und zu Regen. Dies verhindert den Käferflug und somit die Vermehrung massiv.

Gibt es nebst dem Borkenkäfer weitere Auswirkungen des trockenen, warmen Wetters?

Ja, die Fichte hat auch Mühe mit der Trockenheit. Denn wegen ihrer flachen Wurzeln ist es ihr nicht möglich, Wasser aus der Tiefe zu holen. Sie wird daher langsam, aber sicher aus unserer Region verschwinden. Anders die Neophyten, also nicht einheimische Pflanzenarten wie die Schlingpflanze aus Asien namens Henry’s Geissblatt, der Essigbaum oder der Blauglockenbaum. Diese Exoten mögen die neue Wärme und breiten sich daher rascher aus als früher. Die diesjährige Hitze hat zudem bewirkt, dass sich die Laubbäume früh verfärbt haben und viele im Frühling gepflanzte Bäume vertrocknet sind – beispielsweise die grossen neuen Bäume auf dem Golfplatz in Zumikon.

Die klimatischen Veränderungen werden uns weiterhin beschäftigen. Welche Massnahmen müssen Sie deswegen treffen?

Wir werden weiterhin daran arbeiten, einen möglichst vielseitigen Wald zu erhalten, respektive zu fördern. Eine umsichtige Waldpflege, welche die natürlichen Begebenheiten berücksichtigt, ist ebenso zentral wie die nachhaltige Holzernte. Im Zollikerwald befassen wir uns zudem mit der Nachzucht von Nussbäumen, da diese Wärme mögen. Dank ihrer Pfahlwurzeln können sie an heissen Monaten Wasser tief aus der Erde beziehen. Und: Nussbäume haben ein wertvolles Holz, weshalb es sich gut für die Holzproduktion eignet.

Welches sind Ihre Ziele als Förster?

Ich wünsche dem Wald, dass er allen Ansprüchen seitens der Menschen sowie der Tier- und Pflanzenwelt gerecht werden und sich trotzdem möglichst natürlich entwickeln kann. Hier sind die Waldbewirtschafter ebenso gefordert wie alle Waldbesucher. Dazu bedarf es einer gewissen Zusammenarbeit.

(Interview: mpe)

 

Zur Person - Arthur Bodmer und «sein» Forstrevier
Seit über 30 Jahren ist Arthur Bodmer für die Waldungen der Holzkorporation Zollikon und für das Forstrevier Zollikon-Zumikon als Revierförster im Einsatz. Die 1330 gegründete Korporation ist nicht nur die älteste in der Schweiz, sondern mit 186 Hektaren auch die grösste Waldbesitzerin innerhalb des Forstreviers. Zur Pflege und Bewirtschaftung stellt sie ein sechsköpfiges Team, das sich aus einem Forstwart-Vorarbeiter, zwei Forstwarten, zwei Lehrlingen und Förster Bodmer zusammensetzt. Dieses Team kümmert sich um die Waldungen der Holzkorporation Zollikon sowie im Auftrag auch um den Wald des Bürgerverbandes Alt-Zolli­kon, den 16 Hektar grossen Gemeindewald in Zollikon, den 12 Hektar grossen Gemeindewald in Zumikon und einen Grossteil der Wälder in Privatbesitz. Der 60-jährige Arthur Bodmer hatte nie einen anderen Berufswunsch als Förster. Nach der dreijährigen Ausbildung zum Forstwart im Forst der Gemeinde Horgen arbeitete er während sechs Jahren im Staatswald linkes Seeufer und in den Waldungen der Gemeinde Richterswil als Forstwart. 1983 absolvierte er die interkantonale Försterschule in Lyss. Arthur Bodmer, Vater dreier erwachsener Kinder, lebt mit seiner Frau und sechs Hunden in Hütten, der südlichsten Gemeinde des Kantons Zürich.

 

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