Zollikon

Ein Liebhaber hundertjähriger Autos

Der Zolliker Zumiker Bote stellt neu in einer lockeren Folge Persönlichkeiten und ihre Autos vor. Den Anfang der Reihe macht jemand, der schon aus beruflichen Gründen, nämlich als Zollikons Tiefbauvorsteher, dem Auto nicht allzu fern steht: Gemeinderat Martin Hirs.

«Ich mag mich noch gut an Vaters alten Benz von 1936 erinnern», beginnt Martin Hirs von seiner Leidenschaft «Auto» zu erzählen. Dieses spezielle Fahrzeug hat ihn früh «infiziert». «Der Mercedes war so sehr Familienmitglied, dass es auf den Namen Kunigunde getauft wurde» leuchten seine ­Augen. Viele Erinnerungen von Familienausflügen lodern auf. Seine Lernfahrten hat er ebenso mit «Kunigunde» und nicht mit moderner Hausmannskost absolviert. Kurzum: Die Begegnung mit «Kunigunde» war für Martin Hirs prägend. Normalerweise materialisieren sich bei Männern gegen 50 die unerreichten Träume ihrer Jugend. Bei Martin Hirs war’s halt dieser Benz und die Fahrzeuge aus der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg. «Das archaische Fahrverhalten, der Geruch von Öl und Benzin und die einfache Mechanik», resümiert er und ist sich bewusst, dass er mit seiner Liebe zu hundertjährigen Fahrzeugen ein Exot in der Szene ist. Fahrzeuge aus dieser Epoche sind derzeit wenig gefragt auf dem Markt und der Zollikerbergler hütet aus diesem Grund auch nicht sogenanntes «Garagengold».

«Kunigunde» gehört heute immer noch zur Familie Hirs und wird von seinem Bruder gelenkt. Nach einigen Jahren in Südafrika hat sich Martin Hirs dort dann in einen Talbot CBX mit einem 2,4-Liter-Vierzylinder-Motor verguckt. Er kramt in Unterlagen, welche er akribisch gesammelt hat – alles Belege eines wundersamen Lebens seit 1913: dem Jahr, in welchem der Talbot produziert wurde. Zollikons Tiefbauvorstand zeigt uns den «Factory Letter» und die Auslieferungsdokumente kurz vor dem Ersten Weltkrieg an den Erstbesitzer in Port Elizabeth. In seinen Südafrika-Jahren war Martin Hirs Mitglied des dortigen «Crankhandle-Clubs», was so viel wie der «Ankurbler-Club» heisst, also die Liebhaber der mindestens Hundertjährigen vereinigt. Das Fahrzeug war bis auf die Räder komplett original und er schiffte es in einem Container in die Schweiz, wo es heute in seiner Garage neben einem Fiat Balilla steht.

Die Reise ist das Ziel

«Der Wagen geht gut», strahlt er – aufgrund der Bauweise mit nur einer Hinterradbremse darf er allerdings nur auf 30 km/h beschleunigen. Macht nichts – er liebt diese Entschleunigung und das Reisen. Eine Fahrt beispielsweise zu den Wurzeln seiner Frau nach Stein am Rhein benötigt ein Vorausplanen, wie es eben auch vor hundert Jahren bereits der Fall war. Die Reise ist das Ziel und nicht umgekehrt. Martin Hirs ist davon fasziniert und malt lebhafte Bilder vom damaligen Reisen, was ihn deutlich von den meisten seiner Oldtimer-Freunde unterscheidet. Er ist am kulturellen Hintergrund interessiert und besuchte so in London auch schon die Adresse, wo damals die Talbots entstanden. Am Zündschlüssel drehen und nach 300 Kilometern Fahrt entspannt ankommen, kann schliesslich jeder. Nach 50 Kilometern in seinem Talbot ist Martin Hirs jeweils komplett erledigt – «schön erledigt», wie er sofort festhält.

Wir schieben den Talbot gemeinsam von der Fotoposition wieder auf seinen Platz neben den Fiat Ballila ohne Motor. «Heute habe ich ein Telefon bekommen, wonach der revidierte Motor einbaubereit sein soll», strahlt der Gemeinderat. Einbauen wird er diesen selbst – das gehört für ihn zum erwähnten Gesamterlebnis. (chl)

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