Zollikon Zumikon

Ewige Liebe

Der Zolliker Paul Junker ist stolz auf seinen Wagen. Er ist einer der wenig überlebenden DKW mit dem 900-cm3-Motor und sicher der schönste in der Schweiz, was zahlreiche Auszeichnungen belegen, die er erhalten hat.

Paul Junker ist kein Mann der blumigen Worte. Der langjährige Ex-Bausekretär von Zollikon zieht es vor, sich knapp und sehr exakt auszudrücken. Er beugt sich über den Plan von Zollikon und sinniert darüber, wie er in den 60er-Jahren zusammen mit der Gemeindebehörde Strategien ausheckte, um der sich ausbreitenden Landspekulation mit eigenen Landankäufen ein Gegengewicht entgegenzusetzen. Blumig und ins Schwärmen gerät er aber, wenn es um seine Familie und auch um seine Autoliebe, seinen DKW, geht. Das Fahrzeug ist schon seit Jahrzehnten selbstverständliches Familienmitglied. In seiner Zolliker Wohnung hängen als Zeugnis davon Kinderzeichnungen an der Wand – unverkennbar sein DKW! Er hat gefällige Formen, ein wenig barock, fast wie eine Badewanne, und ein Armaturenbrett, wie es traumhafter nicht gezeichnet hätte sein können; typisch 50-er Jahre. Danach wurde es kantig, grantig und eckig.

Durch einen Zufall konnte Junker dieses Fahrzeug von einem Polizisten aus Stäfa im Jahr 1971 erwerben. Danach erfolgte eine gründliche Restauration, was viele Fotos von damals bezeugen. Heute ist das Fahrzeug im Concours-Zustand und springt für eine kleine Spritzfahrt für den Fototermin auch sofort an. Was reizt Paul Junker an diesem Fahrzeug, das mit 40 PS ja nicht gerade übermotorisiert? «Ich komme mit meinem Dampf-Kraft-Wagen im heutigen Verkehr sehr flott mit. Mich reizt aber besonders die äusserst robuste und einfache Mechanik mit bloss sieben beweglichen Teilen, einem Getriebe mit zuschaltbarem Freilauf und ein gutes Drehmoment», antwortet er. Mit seinen 86 Jahren kriecht Junker immer noch gerne unter das Fahrzeug und unternimmt grössere Ausfahrten und die hauptsächlichen Unterhaltsarbeiten führt er auch selber aus.

In seiner Zolliker Tiefgarage hat Paul Junker eine kleine Werkstatt eingerichtet und führt im Kofferraum des Fahrzeuges auch gleich die wichtigsten Ersatzteile mit. «Doch in all den Jahren ist der Wagen eigentlich nie liegen geblieben», relativiert er sogleich seine Vorsichtsmassnahmen. Das Know-how für die Unterhalts- und Restaurierungsarbeiten hat er sich selber beigebracht. In seiner damaligen Militärzeit in einem Motorfahrerzug konnte er sich dafür das nötige Basiswissen aneignen. Zum grossen Erstaunen des Schreibenden nimmt er den Kühlergrill des DKWs, welcher auf der Motorrauminnenseite nur mit zwei einfachen Klapphebeln und einem zusätzlichen Seilzug montiert ist, weg und zeigt die ganze Pracht des kleinen Motors. Bei einem solchen Zugang zum Motor sind die Unterhaltsarbeiten natürlich weniger Pein als pure Freude. Auf der kurzen Ausfahrt ist das typische «Tok-Tok» des Zweitakt-­Motors zu vernehmen und ein bisschen blauer Dunst des verbrannten Öles, welches dem Benzintank beigemischt werden muss. Nach dem Fototermin müsste Paul Junker eigentlich wieder nach Hause. Doch er grinst, die Herbstsonne strahlt, also gibt es in diesem Moment nichts Schöneres, als mit dem DKW eine kurze Runde zu drehen – ewige Liebe eben! (chl)

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