Zollikon

Wortwellen und Wortwelten

An einer offenen Lesung des Vereins «Pro Lyrica» zeigten Dichtende, was sie in der stillen Stube zu Papier bringen.

Lyrik – das klingt ein bisschen verstaubt, altmodisch. Das klingt nach Deutschunterricht, in dem Gedichte erst auswendig gelernt und dann auch noch seitenlang interpretiert werden mussten. Aber Lyrik kann auch anders sein. Sie kann mit wenigen Worten Momente einfangen, Stimmungen schaffen und Erinnerungen berühren. Rund ein Dutzend Lyrikliebhaber fanden sich im Haus Brunnenhof im Zollikerberg ein, um Gedichte zu rezitieren, zu hören, zu erleben.

Traditionell findet im Anschluss an die Vorstandssitzungen des ­Vereins «Pro Lyrica» eine offene ­Lesung für Hobby-Dichter und -Dichterinnen statt – dieses Jahr im Zollikerberg. Eigene Gedichte vorzutragen – vielleicht sogar zum allerersten Mal – erfordert Mut, gibt man doch einen Blick auf die Seele frei. Doch in der wohlwollenden, warmen Atmosphäre des Nachmittags war schnell klar, dass hier niemand etwas zu fürchten hatte. Mit gegenseitigem Respekt und der gemeinsamen Liebe zur Lyrik wurde die Lesung fast zelebriert. «Schreiben und Dichten ist ein einsames Handwerk. Oft weiss der Dichter nicht, wo er steht. Daher braucht es dringend den Austausch untereinander», unterstrich Oliver Füglister. Er ist Co-Präsident des Vereins, Lektor – und Dichter. Mit kraftvoller Stimme stellte er neue Werke von sich vor. Das Ohr konnte gar nicht so schnell hören oder gar verstehen, so prasselten die Wörter nieder. Mit Wortwellen und Wortwelten erfüllte er den Raum.

Statt Tagebuch

Ganz anders dagegen Ursula Sommer. Mit zwei Leseblöcken rahmte sie den Nachmittag ein. Die Lyrikerin vom Zollikerberg gab zu, dass sie lieber Gedichte statt Tagebuch schreibe, weil es einfach schneller gehe. Der Zuhörer merkte schnell, was sie meinte. Mit Aphorismen und kurzen Gedankenspielen beschreibt sie besondere Momente. Besonders die Natur kommt da immer wieder des Weges. Mit ruhiger Stimme brachte sie ihre kurzen und sehr dichten Verse zu Gehör. Besonderen Applaus bekam sie aber für ihren «Poetryslam». Dabei räumte sie ein: «Ich kann aber nicht so schnell sprechen wie nötig. Selbst nicht, wenn ich aufgeregt bin.» Doch die Begeisterung wird ihr gezeigt haben, dass sie damit auf dem richtigen Lyrik-Weg ist.

Traum und Dichtung

Eine besondere Spannung lag in der Luft, als Ute Karin Höllrigl langsam nach vorne schritt. Die fast 80-Jährige war Analytikerin am C.G. Jung Institut, arbeitete lange als analytische Psychologin und war unter anderem Jugendanwältin in Schaffhausen. Eben hat sie das Buch «Im Zeitlosen verwurzelt» herausgegeben, in dem sie sich mit Sinnbildern aus Natur, Traum und Dichtung befasst. Sie hatte das Buch auch in der Hand, doch entschied sie sich spontan gegen eine Lesung daraus, sondern rezitierte ältere Gedichte. Mit kräftiger Stimme, einer lebendigen Mimik und der nötigen Langsamkeit liess sie Szenen lebendig werden, sorgte für Schmunzeln und demonstrierte eindrücklich: Lyrik ist alles andere als Literatur von vorgestern. (bms)

Weitere Infos: www.prolyrica.ch

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