Zollikon Zumikon

Umzug um Umzug

«Mister Spring» entdeckte früh das Zeichnen, dann die Ölmalerei, schliesslich das Schweissen von Alteisen-Skulpturen für sich. Im Herbst nimmt der bisherige Autodidakt das Studium an der Zürcher Hochschule der Künste auf.

Er spricht sehr ruhig und bedächtig. Doch der Blick von Mister Spring alias Philip Spring wandert die ganze Zeit umher. Er registriert jede Bewegung. Der 24-Jährige ist ein Suchender. «Auch von der Malerei muss man gesucht werden», sagt er leise, «das kann man nicht lernen.» Er schränkt es ein bisschen ein. Dazulernen könne man natürlich immer.

Die Malerei – das ist für ihn mehr als ein Hobby, noch mehr als ein Beruf. «Es ist eine Sucht», kommentiert er. Wenn er längere Zeit nicht malen könne, werde er richtig nervös. In seinem jungen Leben ist er 19 Mal umgezogen, vielleicht auch dies ein Grund für die ewige Suche, das Ruhelose. Begonnen hat alles im deutschen Münster, wo er als Sohn einer deutschen Mutter und eines Schweizers geboren wurde. Die ersten zwei Jahre hat er in Zürich gelebt. Von dort ging es bald Richtung Asien: In Singapur und Hongkong wurde er eingeschult. Der nächste Umzug folgte in der dritten Klasse. Die Familie verschlug es nach Küsnacht. Philip wechselte also wieder die Schule und hatte weiter so seine Schwierigkeiten. «Ich war ein problematischer Schüler», räumt er unumwunden ein. Da hatte die Kunst aber schon Einzug in sein Leben gehalten. «So wie viele kleine Kinder anfangen zu kritzeln, habe ich das auch getan. Nur: Ich konnte gar nicht mehr aufhören», erinnert er sich. Er malte und zeichnete ununterbrochen. Mit 15 oder 16 Jahren habe er die Ölmalerei für sich entdeckt – eigentlich eher ungewöhnlich für das Alter. Die wenigsten Jugendlichen widmen sich in der Freizeit der Staffelei und den Tuben.

Auf der Suche nach Schrott

Schulisch ging es in einer Kleinklasse in Zürich weiter. Danach folgte eine Gärtnerlehre in Rapperswil. Dort lernte er unter anderem zu schweissen. Und so stellte er schnell auch Skulpturen aus Schrott her. «Den Schrott auf Bauernhöfen oder Schrottplätzen aufzutreiben, ist dabei das Zeitaufwendigste. Der Rest geht schnell.» Auch deswegen, weil er vorher genau wisse, wie das Werk hinterher aussehen soll – so ist es auch bei seinen abstrakten Ölbildern. Doch natürlich sei dann das Endergebnis nie wirklich so wie das Bild im Kopf. «Wenn das mal identisch sein sollte, höre ich auf. Dann wird es langweilig.»

Nach seiner Lehre bereiste er die Welt: Südamerika, Australien, Asien. Das klingt teuer, war es aber nicht. «Innerhalb von Südamerika bin ich immer nur mit dem Bus gefahren, habe in Hostels oder bei Freunden geschlafen.» Besonders gut hat es ihm in Brasilien und Paraguay gefallen. Er hat in kleinen Fischer­dörfern gelebt. «Das Leben da ist so einfach, so entspannt.» Nach der Rückkehr war klar: Er wollte sich ganz der Kunst widmen, erzählt der junge Mann, der gerade bei seinem Vater in Zollikon wohnt. Vorübergehend – wie fast immer in seinem Leben. Im Herbst wird er nach Zürich ziehen, wo er das Studium an der Hochschule der Künste aufnimmt. Ohne Schulabschluss, ohne Vorkurs hatte er sich dort mit seinem Portfolio beworben – und wurde angenommen.

Konkretes im Abstrakten

Die Aussagen seiner Bilder sind enorm. Sie sind abstrakt, aber nicht wirr. Immer finden sich Skizzen oder Andeutungen darin. Oft Gesichter, die böse, schüchtern oder auch lüstern gucken. Mal ist es der harte Kontrast der Farben, der fasziniert. Körperlich wirken auch seine Metall-Skulpturen. Inspiration dafür kann alles sein: der Moment, ein Mensch, die Natur. Letztere liegt ihm besonders am Herzen. Nicht ohne Grund sammelt er Schrott, um ihn weiter zu verwerten. Das ist auch ein Statement gegen Abfallberge und für Recycling. Und so möchte er sich auch gerne mal dem Thema Plastik nähern.

Wie wir mit unserer Welt umgehen, wird ihm immer besonders klar, wenn er von einem Besuch bei seiner Mutter zurückkommt. Sie lebt seit über drei Jahren in Tansania, einem der ärmsten Länder der Welt, und leitet eine Hotelfachschule. Jedes Jahr werden 35 Mädchen aus ärmsten Verhältnissen in einem einjährigen Programm auf eine Anstellung in einem Hotel vorbereitet.

Wer so oft unterwegs ist, unterwegs war, hat der ein Zuhause? «Gleich zwei», lacht er. Zuhause sei da, wo seine Freunde und seine Familie seien. Aber es gibt auch einen speziellen Ort: ein Chalet, das sein Grossvater im Berner Oberland gebaut hat. «Dort bin ich wirklich gerne. Das ist Heimat.» Jetzt geht es erst nochmals für zwei Monate nach Afrika. Im Herbst fängt dann das Studium und damit ein neues Leben an. In den vergangenen Jahren hat Mr. Spring auf dem Bau gejobbt und war so oft wie möglich in seinem Atelier an der Militärstrasse anzutreffen. Er war gerne unterwegs – es muss nicht immer die Fernreise sein. Jetzt steht eine neue Phase an. Beginnend wahrscheinlich mit einem erneuten Umzug. (bms)

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