Eine gastronomische Reise durch die Schweiz

Richard Leuenberger stammt eigentlich nicht aus einer Gastro-Familie. Seine Leidenschaft für das Gastgewerbe übertrug sich aber auch auf seinen Bruder und auf seine Frau. Gemeinsam mit ihr führt er seit August die Cafeteria Sonnengarten in Zollikerberg.

Als Sohn eines Lokomotivführers ist Richard Leuenberger als zweitältestes von vier Kindern im Berner Oberland aufgewachsen. Für ihn war früh klar, dass er das Kochhandwerk lernen wollte.

Für ihn war früh klar, dass er das Kochhandwerk lernen wollte. Weil Französischkenntnisse damals für eine Stelle in der Küche zwingend waren, zog es ihn nach der Schule ins Welschland. In Lausanne arbeitete er gegen Kost, Logis und ein Taschengeld in einer Bäckerei als Ausläufer. Nach diesem Welschlandjahr begann er seine Lehre als Koch in einem  traditionsreichen Mittelklassehotel in Grindelwald.  Auch in diesem Familienbetrieb waren Unterkunft und Essen Lohnbestandteil. Im ersten Lehrjahr erhielt er daneben gerade mal 40 Franken Lohn. «Das war hart, weil ich jede Woche einen Tag nach Interlaken in die Berufsschule musste. Den Transport und die Verpflegung musste ich mit diesen 40 Franken finanzieren. Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass so etwas geht», sagt Richard Leuenberger. Noch vor der Abschlussprüfung erhielt der ambitionierte Jungkoch ein Stellenangebot aus Chur, wo ein Küchenchef für ein Restaurant mit gutbürgerlicher Küche gesucht wurde. Eine Verantwortung, die der junge Berner Oberländer gerne annahm.

Küchendienst wider Willen

In den drei Jahren in Chur stand für ihn auch die Rekrutenschule an. Bei der Rekrutierung  erwähnte Richard Leuenberger seinen Beruf nicht, weil er sonst automatisch im Küchendienst eingeteilt worden wäre. Der Dienst an sich wäre kein Problem gewesen. «Ich habe ja gerne in der Küche gearbeitet. Aber wer im Küchendienst war, musste früher automatisch „weitermachen“ und damit länger im Militärdienst bleiben. Das wollte ich auf keinen Fall. Im Gegenteil. Die RS konnte für mich nicht schnell genug vorüber sein.» Doch die Rekruten aller Truppengattungen mussten mindestens eine Woche lang in der Küche aushelfen. Der Spiezer erinnert sich an eine lustige Situation mit dem zuständigen Küchenchef. Dieser sei Metzger gewesen und habe ihm erklärt, wie man eine Zwiebel richtig schneide. Natürlich war er schneller und präziser in der Ausführung als der Metzger. Erstaunt darüber, wie gut er Zwiebeln schneide, fragte dieser ihn nach seinem Beruf. «Ich sagte einfach, ich sei Automechaniker», erinnert sich Richard Leuenberger lachend.

Da sein Vertrag in Chur auslief, musste er sich rasch um eine neue Stelle bemühen. Diese fand er in Emmenbrücke. In einem Kongresszentrum wurde er die Rechte Hand des obersten Chefs und zudem «Chef de Service». «Ich hatte doch vom Service keine Ahnung. Irgendwie habe ich mich aber durchgemogelt. Spannend war auch, dass ich damals vom Gemeinderat Emmenbrücke in diese Position gewählt werden musste, da das Kongresszentrum der Gemeinde gehörte», erzählt der heute Sechzigjährige. Irgendwie war es ihm aber nie recht wohl in dieser Position. «Im Anzug im Service unterwegs zu sein, das war nicht meine Welt. Ich wollte zurück zum Ursprung, in die Küche.» In Kreuzlingen bekam er die Möglichkeit, als Geschäftsführer ein Restaurant zu übernehmen. Für diese Position benötigte er das Wirtepatent. Und so wurde er mit seinen erst 22 Jahren der jüngste Wirt im Kanton Thurgau. Die weitere Station war eine Cafeteria in Zürich. Zuerst arbeitete er in der Küche, wurde dann Geschäftsführer und als das Haus verkauft wurde, führte er die Cafeteria auf eigene Kosten weiter.

Mehr Zeit für die Kinder

Die Zürcher Jahre waren für Richard Leuenberger alles andere als einfach. Seine erste Frau, die er in den 80-er Jahren heiratete und mit der zwei heute erwachsene Söhne, Remo und Tino, hat, war schwer krank und musste teilweise über Monate im Krankenhaus bleiben. Aus diesem Grund bildete er sich der Koch zum Betriebsleiter für Gemeinschaftsgastronomie weiter. So hatte er die Möglichkeit, sich nach einer Stelle umzusehen, die ihm mehr Zeit für seine Kinder und die Pflege seiner Frau liess. 1998 kam die Trennung von seiner Frau, die Kinder wurden  ihm zugesprochen. «Sie war noch immer nicht ganz gesund und war aus diesem Grund leider nicht in der Lage, sich so um die Kinder zu kümmern, wie sie das gerne getan hätte. Sie war immer eine sehr gute Mutter,  ich konnte zu dieser Zeit einfach besser zu den Kindern schauen als sie. Als es ihr dann besser ging, vermischte sich das wieder mehr.»

Mit seiner heutigen Frau Lucy, die er im Ausgang in Zürich kennenlernte,  übernahm Richard Leuenberger im Jahr 2006 den Seeclub Zürich als Hauswart und Clubwirt. Per Zufall sah er zu Beginn dieses Jahres ein Stelleninserat für die Leitung der Cafeteria Sonnengarten. Da die Arbeit im Seeclub körperlich immer anstrengender geworden ist, passte das perfekt. Und so leitet er seit August mit Lucy die Cafeteria Sonnengarten. Eine Stelle, die ihn glücklich macht. Endlich habe er etwas mehr Freizeit. Neben seiner jährlichen Reise nach Brasilien, dem Heimatland seiner Frau, möchte er die neu gewonnene Zeit nutzen, um sich mehr um seine beiden Enkelkinder zu kümmern und seinem Hobby, dem Basteln, vermehrt nachkommen zu können. (fh)

Das ausführliche Persönlich finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Zolliker Boten vom 12. September 2014.

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