Der Weg ist das Ziel

Jeder Mensch ist auf der Suche nach dem vollkommenen Glück. Dieses zu finden, so glaubt Martin Wolf aus Zollikerberg, sei nicht möglich. Der Mensch möchte immer mehr. Wenn ein Ziel also erreicht sei, setzt er sich ein neues. Glücklichsein setze aber auch nicht das komplette Glück voraus. Wichtig ist der Weg, auf dem man geht.

Der in Zürich aufgewachsene Martin Wolf ist gelernter Elektriker. Nach einer Weiterbildung, er hat die Meisterprüfung abgelegt,  arbeitet er heute als Teamleiter in einer Firma für Elektroplanungen. Nach Zollikon kam er durch Zufall vor nunmehr 25 Jahren. In Zollikerberg fühlt er sich seither heimisch. So verwundert es nicht, dass der Vater von drei Kindern im Alter von dreizehn, acht und zwei Jahren sich auch aktiv in der Gemeinde engagiert. Nach einer früheren Tätigkeit in der Baukommission der Gemeinde ist er seit den vergangenen Wahlen im Mai Mitglied der Kirchenpflege der katholischen Kirche Zollikon-Zollikerberg.

Zu seinem Engagement motiviert wird der Familienvater durch das Wissen, mit seinem Einsatz christliche Werte weiterleben zu lassen. Gerade in der heutigen, stark von materialistischen Dingen geprägten Zeit findet er es wichtig, dass man gewisse Grundwerte, die einem die Religion mitgibt, beibehalten kann. «Ich bin aber kein konservativer Christ, sondern sehr liberal. Und ich glaube auch, dass jede Religion, sei es das Christentum oder zum Beispiel der Buddhismus, eine gewisse Grundhaltung der Menschen beeinflusst, die die Gesellschaft funktionieren lässt. Mit meinem Engagement möchte ich dazu beitragen, dass diese Grundhaltung beibehalten wird.» Martin Wolf geht nicht jeden Sonntag in die Kirche und würde sich auch nicht als besonders fromm bezeichnen. Aber von Zeit zu Zeit, vor allem in Kinder- und  Familiengottesdienste, geht Familie Wolf gerne. Ihre jüngste Tochter Anica ist erst zwei Jahre alt und kann noch nicht lange stillsitzen. Sohn Janik ist seit seiner Geburt mehrfachbehindert. Er hat eine Bewegungsstörung, die auf eine Hirnschädigung aufgrund von Sauerstoffmangel vor, während oder nach der Geburt zurückzuführen ist. In der Fachsprache spricht man von Cerebralparese. Deshalb ist auch für den Dreizehnjährigen längeres Stillsitzen eine Herausforderung. 

Sport als Ausgleich zum vollen Alltag

Janiks Behinderung  hat die Familie stark geprägt. Als nach einem Notkaiserschnitt, fünf Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin, festgestellt wurde, dass ihr Kind nicht gesund war, war das schwierig. Janik wurde sofort ins Kinderspital verlegt. Täglich nach der Arbeit besuchte Martin Wolf ihn. «Wirklich verstanden, was alles auf uns zukommen wird, haben wir aber nicht. Im Nachhinein fasziniert es mich, wie es der Mensch schafft, in solch schwierigen Situationen einfach in den Automatikmodus zu wechseln. Es war, als liefe ein Film an uns vorbei. Wir haben nur noch funktioniert und bewältigt.» Auch heute bestimmt die Behinderung in gewisser Weise das Familienleben. Allerdings nicht negativ, im Gegenteil. Janiks fröhliche aufgeweckte Art  steckt auch seine Schwestern, Familie und Freunde regelmässig an. Klar, Wanderferien in den Bergen seien nicht möglich. Aber grundsätzlich machen die Wolfs, was jede andere Familie auch tut. Sie gehen in die Ferien, machen Ausflüge oder sind in der Natur. Der beste Ausgleich für Martin Wolf ist der Sport. Mit einem Spezial-Tandem kann auch Janik auf Velotouren mit.

Von Janiks offener und authentischen Art kann die ganze Familie lernen. «Der natürliche Umgang mit Menschen, der Liv durch die Behinderung ihres Bruders automatisch gelernt und mitgegeben bekommen hat, fasziniert mich immer wieder.» Berührungsängste gebe es bei ihnen nicht. Es sei wie mit dem Glück. «Wenn man den Weg, auf dem man geht, nimmt, wie er ist, die glücklichen Momente geniesst und sich bewusst ist, dass es so etwas wie das vollkommene Glück nicht gibt, und man aus jeder Situation das Beste macht, ohne nach dem Unerreichbaren zu streben, dann ist man in der Lage, ein glückliches Leben zu führen.  Und das tue ich, so gut ich kann.» (fh)

Lesen Sie das ganze Persönlich in der aktuellen Ausgabe des Zolliker Boten vom 31.10.2014.

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