Zumikon

Burger für Bürger

Bei der Jungbürgerfeier in Zumikon rief Gemeindepräsident Jürg Eberhard zum Engagement auf und lebte es gleich vor.


Sie wurden empfangen als Ehrengäste: Die 38 Jungbürger und -bürgerinnen, die am vergangenen Freitag ins Gemeinschaftszentrum geladen worden waren, wurden begrüsst mit einem feinen Apéro, anschliessend ging es kulinarisch mit einem vielfältigen Vorspeisenbuffet weiter, ehe die Hauptspeise – Burger – aufgetragen wurden und sich zum Abschluss die Tische unter den süssen Desserts bogen. Dazu flossen viele Getränke die Kehlen herab. Die hervorragende Bewirtung hat einen guten Grund. «Sie können nun darüber mitentscheiden, was in Zumikon geschieht», brachte es Gemeindepräsident Jürg Eberhard in seiner kurzweiligen Ansprache auf den Punkt. Alle zwei Jahre lädt der Gemeinderat die Jungbürger ein. Dass nur 38 junge Erwachsene von hundert eingeladenen kamen – und das auch erst nach zweimaliger Aufforderung – mag enttäuschend scheinen, entspricht aber der Stimmbeteiligung an den Abstimmungssonntagen. Viele Bürger möchten sich nicht einbringen, Verantwortung übernehmen, mitbestimmen. «Dabei dürfen Sie nun nicht nur selber wählen, Sie können auch gewählt werden und in Ihrem Sinne mitgestalten», unterstrich der Gemeindepräsident. Dabei komme es wirklich auf jede Stimme an. Wenn jeder denke, dass seine Stimme alleine ja doch nichts bewirken könne, entstehe die schweigende Mehrheit, über die eine Minderheit bestimme.

Eine Unterschrift reicht

Jürg Eberhard machte das mit ­einem aktuellen Beispiel klar. «Wenn Sie am Freitagabend von ­Zürich nach London fliegen, können Sie das schlechte Klima-Gewissen damit beruhigen, dass das Flugzeug ja eh fliege. Mit oder ohne Sie. Doch es gab nicht schon immer ­einen Freitagabendflug Zürich–London. Der ist erst durch Nachfrage entstanden.»
Und er machte noch mehr Appetit auf Mitbestimmung. Wer schweizweit eine Initiative lancieren wolle, brauche 100 000 Unterschriften. In Zumikon reiche eine einzige. «Wenn Sie also eine stehende Welle unten am Juch-Bach möchten, engagieren Sie sich.» Dass Engagement auch Applaus bringen kann, demonstrierte er im Anschluss: Er musste sich verabschieden, weil er im aktuellen Theaterstück «Die Schweizermacher» selber auf der Bühne steht. Somit überreichte im Anschluss sein Stellvertreter Marc Bohnenblust den Jungbürgerinnen und Jungbürgern die Geschenke der Gemeinde – eine Tasche und ein Badetuch. Wer wollte, durfte auch ein Buch über die politische Schweiz mitnehmen. Und das wollten viele. «Ich hätte nicht erwartet, dass ein so grosses Interesse an dieser Lektüre besteht. Aber das freut mich natürlich», staunte Marc Bohnenblust im Anschluss. Doch er sollte noch mehr staunen, und zwar über Pat Perry.

Ein verbogener Franken

Der gebürtige Zumiker bereicherte den Abend mit Tisch- und Bühnenzauberei. Und liess stets verblüffte Gesichter zurück. Da baumelte der Ring von Gemeinderat Christian Dietsche plötzlich am Schlüsselbund des Zauberers. Liegenschaften-­Vorsteher Thomas Epprecht erhielt eine Karte, auf der in Feuerschrift sein Vorname erschien und Marc Bohnenblust ging mit einem völlig verbogenen Franken im Portemonnaie nach Hause. Allein durch Magie hatte sich die Münze gekrümmt. Auch bei den jungen Zumikerinnen und Zumikern kam der Zauberer hervorragend an. Sie liessen sich auf die magischen Momente ein, machten aktiv mit. Überhaupt zeigten sie sich aktiv und machen sich schon ihre Gedanken über ihre Heimatgemeinde. Was ihnen auf dem Herzen liegt? Der öffentliche Verkehr. Auf die Frage, was sie wirklich vermissten, kam fast unisono die Antwort: bessere Busverbindungen auch Richtung Fällanden und Dübendorf, eine schnellere Taktung der Forchbahn und bessere Anbindung in Richtung Küsnacht. «Gut wäre auch ein Kaffee-­Automat am Maiacher», fand eine der jungen Bürgerinnen. Dann müsste sie ­morgens auf dem Weg nach Zürich nicht immer gegen den Schlaf ankämpfen. (bms)

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