Zollikon

«Endlich wird der Sennhof erschlossen»

Die Buslinie 910 soll via Binz bis nach Ebmatingen verlängert werden. Die Gemeinden Zollikon und Maur wollten zusammen mit den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) wissen, wie diese Idee bei der Bevölkerung ankommt.


Jasmin Wiederkehr, Gebietsmanagerin der VBZ, unterstrich es gleich zu Beginn des Abends und hielt es auch während der gut einstündigen Veranstaltung im Gerensaal mehrmals fest: Bei der geplanten Verlängerung der Buslinie 910 vom Tiefenbrunnen via Binz nach Ebmatingen handelt es sich vorerst um eine Konzeptidee. «Zurzeit arbeiten wir noch voll an dieser», klärte sie das zahlreich erschienene Publikum auf, das an diesem Abend die Möglichkeit erhalten sollte, Rückmeldungen zur vorgesehenen Stärkung der Verkehrsverbindung Zollikerberg-Binz zu geben. Auch die beiden zuständigen Gemeinderäte Martin Hirs von Zollikon und Felix Senn von Maur hielten fest, dass die frühzeitige Information dazu dienen soll, Rückmeldungen und Anregungen aus der Bevölkerung zu erhalten, um diese für die weitere Planung aufzunehmen und allenfalls zu berücksichtigen.Drei Gründe sind gemäss Jasmin Wiederkehr ausschlaggebend für das Projekt, das die VBZ bereits beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) im Rahmen des Fahrplanverfahrens 2020/21 eingegeben haben. So komme es bei der Linie 910, der heutigen Verbindung vom Bahnhof Tiefenbrunnen in den Zollikerberg zu Kapazitätsengpässen wie auch zu Anschlussbrüchen und das Angebot zu Randzeiten sei ungenügend. «Die 910-Busse sind extrem knapp unterwegs», hielt die Gebietsmanagerin fest, «sie haben im Zollikerberg keine freie Wendezeit.» So könnten Verspätungen – und die Linie 910 ist häufig verspätet unterwegs – kaum mehr aufgeholt und die Anschlüsse an die Forchbahn und den Zug im Bahnhof Tiefenbrunnen nicht immer garantiert werden.

Verschiedene Szenarien seien geprüft worden, um die Linie 910 schneller zu machen. Schliesslich habe man sich für die Perimeter-Erweiterung entschieden. So ist vorgesehen, ab Dezember 2019 die Linie 910 mit zwei zusätzlichen Fahrzeugen von der Station Zollikerberg via Binz nach Ebmatingen Looren zu verlängern. Im Zollikerberg soll dabei die bisherige Linie 917 durch die Linie 910 ersetzt werden. Die Schüler, von denen der Bus 917 hauptsächlich genutzt wird, würden durch die grösseren Standardbusse mehr Platz erhalten, müssten aber in Kauf nehmen, dass das Gebiet Sennhof neu an der Binzstrasse erschlossen wird, die Haltestelle Oberhueb würde aufgehoben (wir berichteten in der Ausgabe vom 15. Juni). Vorgesehen ist ein 15-Minuten-Takt von Montag bis Freitag zu den Hauptverkehrszeiten, während der restlichen Betriebszeit würden die Busse im 30-Minuten-Takt verkehren, dies jeweils bis abends um 20 Uhr.

«Salamitaktik» als Vorgehen

Diese beiden Umstände führten zu ersten Wortmeldungen aus dem Publikum. Warum die Busse nicht länger am Abend und auch am Wochenende fahren könnten, wollten gleich mehrere wissen und taten ihren Unmut darüber kund. Jasmin Wiederkehr erklärte, dass der ZVV 630 000 Franken pro Jahr in Aussicht gestellt habe – eben gerade so viel, wie der Kurs unter der Woche bis abends um 20 Uhr koste. Verkehrten die Busse auch am Wochenende, würde dies nochmals mit rund 200 000 Franken zu Buche schlagen. «Das ist mal ein Anfang», gelang es ihr die etwas aufgebrachten Gemüter zu beruhigen, «rentiert der Bus, stehen wir sofortwieder auf der Matte des ZVV und fordern mehr.» «Salamitaktik» nannte sie das gewählte Vorgehen – immer wieder ein Scheibchen mehr.

Einige der anwesenden Sennhof-Bewohner zeigten sich besorgt, dass der 15-Minuten-Takt für Schüler keine optimalen Verbindungen zuliessen, in Ebmatingen Wohnhafte übten Kritik am Umstand, dass je nach Kurs der Linie 701 zwischen Maur und Zürich Klusplatz neuerdings ein Umsteigen in Kauf genommen werden müsste, da der heutige Verdichtungskurs von der Looren bis zum Zürcher Klusplatz nur noch zwischen Binz und Klus­platz verkehren soll.

Drei statt zwei Tarifzonen nötig

An der von Jasmin Wiederkehr genannten «Schattenseite» des Konzepts, nämlich dass Reisende von Ebmatingen/Binz via Zollikon nach Zürich neu drei Tarifzonen und nicht wie bis anhin via Witikon zwei zu bezahlen hätten, störte sich vorerst niemand. Die Diskussion verlief teilweise in Detailfragen wie dem Ausbau der Haltestellen, der Schaltung des Lichtsignals bei der Forchstrasse oder der Verschiebung des Tempowechsels auf der Binzstrasse. Fragen, die zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht beantwortet werden konnten, wie die drei Verantwortlichen immer wieder festhielten. Mehrere Zollikerbergler zeigten sich aber auch dankbar und zufrieden mit dem präsentierten Konzept. «Endlich wird unser Sennhof-Quartier erschlossen», freute sich jemand, «die Vorteile überwiegen massiv», befand er und erntete für seine Einschätzung spontanen Applaus. Auch Quartiervereinspräsident Fritz Wolf erinnerte daran, dass sich der Quartierverein Zollikerberg seit Jahren für die Erschliessung des Sennhofs einsetze. Das heutige Konzept mit dem kleinen Bus 917 sei kein optimales, handle es sich hierbei hauptsächlich um einen Schulbus. Mit der vorgesehenen Verlängerung der Linie 910 zeigte er sich zufrieden und sprach dem zuständigen Gemeinderat Marin Hirs seinen Dank aus – der Sennhof erhalte so die Anbindung an den öffentlichen Verkehr, die ihm zustehe.

Öffentliche Auflage im Frühling

Zusammen mit den beiden Gemeinderäten, bei denen sich die Bevölkerung mit Rückmeldungen auch weiterhin noch melden könne, versprach die VBZ-Verantwortliche Jasmin Wiederkehr, das erhaltene Feedback aufzunehmen und zu beurteilen. Das Konzept werde weiter ausgearbeitet, bevor es dann Ende Jahr definitiv eingegeben und anschliessend im nächsten Frühling öffentlich aufgelegt werde. Fällt der Entscheid des Verkehrsrates im Anschluss positiv aus, dürften die ersten Busse der neuen Linie 910 im Dezember 2019 auf der Binzstrasse verkehren. Aufgrund der Baumassnahmen für den Veloweg und der Strassensanierung, die vom Regierungsrat bereits beschlossen wurden, könnte es aber durchaus zu Verzögerungen kommen. (mmw)

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