Zollikon

Baugesuch gibt zu reden

Es dauerte Jahre, bis der neue Hof der Familie Weber stand. Nun liegt ein neues Baugesuch vor, das bereits wieder für Unmut sorgt.

Seit einem Jahr stehen an der Binzstrasse die beiden Remisen des Landwirtschaftsbetriebs Weber mit Lagerraum und Werkstatt. Das landwirtschaftliche Betriebsgebäude war ein jahrelanger Zankapfel mit der Zolliker und der kantonalen Baubehörde, den Nachbarn sowie dem Landwirt und ehemaligen SVP-Gemeinderat Daniel Weber als Beteiligten.

Vor acht Jahren war es, als dieser seinen Hof in der Unterhueb abriss und auf dem Land Mietwohnungen erstellte. Möglich war dies, weil der Hof schon längere Zeit in der Bauzone lag. Geplant hatte der Landwirt, unmittelbar daneben sein Betriebsgebäude zu erstellen, was ihm der Kanton jedoch nicht gestattete. Was folgte, war ein jahrelanger Kampf um einen neuen Standort. Denn Daniel Weber wollte daraufhin auf ein Grundstück der Gemeinde unweit der Tennisplätze ausweichen, wozu es jedoch eine Umzonung gebraucht hätte, welcher aber die Gemeindeversammlung nicht zustimmte.

Land getauscht

Als Nächstes war der Hof im Gebiet Ifang im Zollikerberg geplant, doch atte die kommunale Baubehörde bei der Erteilung der Baubewilligung geltendes Recht verletzt, wie aufsichtsrechtliche Abklärungen ergaben. Gegen den Hof wehrten sich auch zwei Anwohner, die vom Baurekursgericht Recht bekamen. Sie bemängelten, der Bau sei nicht zonenkonform.

Das umstrittene Vorhaben konnte schliesslich doch noch umgesetzt werden, weil der Zolliker Gemeinderat im September 2015 einem Landtausch in der Landwirtschaftszone zustimmte. Er tauschte im Zollikerberg mehrere Parzellen gegen solche des Landwirts im Umfang von total 21 000 Quadratmetern. Der Vorschlag zum Tausch kam von Daniel Weber, damit er auf eigenem Land sein Vorhaben der neuen landwirtschaftlichen Betriebsgebäude realisieren konnte – ein Ersatzstandort, wie er ihm aufgrund der landwirtschaftlichen Gesetzgebung zustand, wie er stets betonte. Wie die Gemeinde damals mitteilte, bringe ihr der Tausch mehrere ­Vorteile und auch das geplante Betriebsgebäude könne so mit einer geringeren Beeinträchtigung des Landschaftsbilds erstellt werden. Gemäss des Vorschlags des kantonalen Amts für Landwirtschaft wurden die Parzellen, die wertmässig praktisch identisch sind, darauf ohne Ausgleichszahlungen getauscht. Im November 2015 fand die Eigentumsübertragung statt, im Sommer 2017 stand das lang geplante Betriebsgebäude.

Bio als Ziel

Ein Jahr später liegt ein neues Baugesuch von Fabian Weber vor, der den Hof seines Vaters vor anderthalb Jahren im Eigentum übernommen hat. Im Breitmoos, gleich neben den beiden Remisen, möchte der 26-Jährige ein Einfamilienhaus und einen Milchziegenstall erstellen. Der Neubau stösst wiederum auf Widerstand, bereits trafen erste Leserbriefe ein. «Das mit dem Ziegenstall gekoppelte Projekt dürfte kaum ­einer plötzlich entflammen Liebe zu Geissen entspringen», wird kritisiert sowie die Vermutung laut, dass «die Ziegen reines Alibi sind, um in der Landwirtschaftszone ein Wohnhaus zu erstellen». Der junge Landwirt kontert: Die Landwirtschaftspolitik zwinge ihn als Betriebsleiter dazu, nach Nischen zu suchen. «Die Region Pfannenstiel ist ein Milchwirtschaftsgebiet», sagt er, «für einen reinen Ackerbaubetrieb eigentlich ungeeignet.» Seine Strategie gehe klar in Richtung biologischer Landwirtschaftsbetrieb, weil dieser die Zukunft sei. «Die Haltung von Milchziegen würde in den biologischen Kreislauf passen», die Ziegenmilchproduktion erlaubte es ihm, am Stadtrand von Zürich in eine boomende Nische einzusteigen. Es sei sein Ziel, eine Eigenvermarktung aufzubauen und gleichzeitig zusammen mit grossen Milchabnehmern eine Milchmenge zu produzieren, die kostendeckende Erlöse bringe.

«Zu grosse Distanz»

Langfristig rechnet Fabian Weber mit einer Ziegenherde von zirka 300 Tieren, der nun geplante Stall beinhaltet Raum für ungefähr 90 Ziegen. Die Stallerweiterung sei für das vierte Produktionsjahr zu erwarten. «Die Knacknuss am Projekt wird das Einfamilienhaus sein», sagt Vater Daniel Weber. Für die Überwachung und Pflege der Tiere sei ein nahes Wohnen bei diesen wichtig, hält er fest. Vor diesem Hintergrund rechnet er damit, dass das geplante zweistöckige Wohnhaus mit angrenzendem Stall in die gesetzlichen Raumplanungsbestimmungen passt. «Gemäss landwirtschaftlichem Bodenrecht gehört zu jedem Bauernhof ein Wohnhaus mit angebautem Stöckli», sagt er. Dieses Wohnhaus steht im Moment in der Unterhueb in der Landwirtschaftszone. Ob die Distanz zum drei Kilometer entfernten Betriebsgebäude und dem geplanten Stall tatsächlich als zu gross beurteilt wird und ein Wohnhaus gebaut werden darf, wird nun im Rahmen des Bewilligungsverfahrens abgeklärt. Über das Bauvorhaben befinden wird die kantonale Baudirektion, da das Gebiet Breitmoos in der kantonalen Landwirtschaftszone liegt. Der Zolliker Bauvorstand Martin Hirs zeigt sich erstaunt über das Baugesuch. Die Gemeinde habe von den Plänen nichts gewusst. Es werde sich erst noch zeigen müssen, ob das Wohnhaus bewilligungsfähig sei oder nicht. (mmw)

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