Zollikon

Busverbindung braucht Zeit

Mit dem Neubau des Wohn- und Pflegezentrums Blumenrain an der Grenze zu Zürich versprach die Gemeinde Zollikon auch eine Busverbindung ins Dorfzentrum. Wie ist der Stand heute?

Die Freude im Frühling vor zweieinhalb Jahren war gross, als das neue Wohn- und Pflegezentrum Blumenrain offiziell eingeweiht wurde. Einen «Meilenstein des Zolliker Alterskonzepts» nannten die Verantwortlichen den 52-Millionen-Franken-Bau. Immer wieder mal zu reden gab jedoch die dezentrale Lage an der Ecke von Blumenrain und Bleulerstrasse. Die Gemeinde sprach gerne von den Vorteilen, die diese mit sich bringe, so etwa vom grossflächigen Grundstück, das einen Demenzgarten möglich machte und auch allen übrigen Bewohnenden ausserhalb des Gebäudes Gelegenheit für Rundgänge im Grünen bietet. Auch ein Kinderspielplatz gleich neben dem Restaurant konnte realisiert werden. Ein weiterer Pluspunkt seien die nun möglichen Synergien mit dem «Gesundheitscluster Lengg», wo die Psychiatrische Universitätsklinik, die Kliniken Balgrist, Schult­hess, Hirslanden, Lengg und die Schweizerische Epilepsie-Stiftung zuhause sind und wo seit März dieses Jahres das neue Kinderspital gebaut wird. Mit dem Quartier Lengg könne im Heizverbund sowie in der Verkehrsplanung kooperiert werden, die Gemeinde versprach denn auch eine direkte Busverbindung vom neuen Wohn- und Pflegezentrum ins Dorf.

Mit ÖV kompliziert

Genau diese immer noch fehlende Busverbindung ist es aber, die bei einigen die Freude über den Neubau etwas trübt. So etwa bei der 88-jährigen Zollikerin Anita Anderegg. Sie selber wohnt noch immer mitten im Dorfzentrum, ist fit im Kopf, aber körperlich eingeschränkt, wie sie erzählt. «Das macht es schwierig für mich, meine Nachbarinnen zu besuchen, die nun im Blumenrain zuhause sind.» Sie ärgert sich: «Beim neuen WPZ war immer die Rede vom Platz der Begegnungen», heute seien diese aber kaum mehr möglich. Wer wie sie nicht mit dem eigenen Auto vorfahren könne, habe es schwer, Besuche im Blumenrain zu tätigen. «Ich würde gerne öfters vorbeigehen», sagt die Zolliker Rentnerin und da sie auch von anderen Zollikern oft auf den Standort des Blumen­rains angesprochen worden sei, habe sie sie sich auch schon an die Gemeinde gewandt. «Dort riet man mir, ein Taxi zu nehmen», erzählt sie und gibt der Gemeinde insofern recht, dass man mit einem solchen viel schneller und unkomplizierter ans Ziel komme als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Mit diesen braucht es den Weg über den Tiefenbrunnen und den Hegibachplatz, um anschliessend mit der Buslinie 77 zum Wohn- und Pflegezentrum zu gelangen. «Hin und wieder leiste ich mir auch ein Taxi», sagt Anita Anderegg, doch finde sie, dass sich auch die Gemeinde bemühen müsse, ihr Versprechen einzuhalten.

Neue Buslinie 99

Dass sie dies tue, sagt Bauvorstand Martin Hirs. Auf die noch fehlende Busverbindung angesprochen, erklärt er, dass diese zwar in Planung sei, aber Zeit brauche – sowohl für die Planung als auch für die Abstimmung zwischen den verschiedenen Akteuren wie den Verkehrsbetrieben Zürich VBZ und dem Zürcher Verkehrsverbund ZVV. «Wir sind aber zuversichtlich, dass uns der Verkehrsrat die Kombination der Buslinie 77/99 bewilligt», sagt der zuständige Gemeinderat. Die neue Buslinie, welche die Gemeinde Zollikon in Absprache mit der Stadt Zürich, der VBZ und dem ZVV vorsieht, ist eine Verlängerung der Linie 77. Diese soll ab Balgrist als neue Linie 99 über das neue Kinderspital, die Epi-Klinik und das WPZ über die Rotfluh-, Berg- und Bahnhofstrasse zum Bahnhof Zollikon führen. Bei diesem ist eine Wendeschlaufe nötig, für welche der Gemeinderat gemäss Martin Hirs im Juli einen Kredit von 85 000 Franken gesprochen hat. «Wir gehen davon aus, dass wir die Wendeschlaufe anfangs Jahr rekursfähig ausschreiben und im nächsten Sommer oder Herbst an die Gemeindeversammlung bringen können.» Zurzeit sei die Gemeinde an der Planung der behindertentauglichen Haltestelle mit Wendeschleife und zwei Fahrbahnhaltestellen sowie den zusätzlichen neuen ­Haltestellen, die für die neue Busverbindung, die im 15- respektive 30-Minuten-Takt vorgesehen ist, nötig sind. Vorgesehen ist, dass der Bus der neuen 99-Linie ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2021 fahrplanmässig verkehrt.

Mehr Initiative gefordert

«Eine lange Zeit», findet Anita Ander­egg, sie hätte sich mehr Initiative der Gemeinde gewünscht. «Dass eine neue Busverbindung Zeit braucht, dafür habe ich Verständnis», sagt sie, weniger erfreulich sei aber, dass keine anderen Lösungen gesucht würden. Zwar wisse sie, dass auch der Verein Senioren für Senioren (SfS) bei einer Mitgliedschaft günstige Fahrten ins Wohn- und Pflegezentrum anbiete, ihr helfe dieses Angebot aber wenig. «Ich bin gerne spontan», sagt sie und fügt schmunzelnd an, «auch in meinem hohen Alter noch.» Ihre Besuche möchte sie nicht bereits Tage im Voraus planen, sondern spontan dann, wenn sie Zeit hat – bei den organisierten Fahrten des Vereins sei dies nicht machbar. Verbindungen vom Blumenrain ins Zentrum hat die Gemeinde zusammen mit dem Verein Senioren für Senioren bereits umgesetzt. Wöchentlich am Samstag können die Bewohnenden des WPZ den Fahrdienst des Vereins nutzen, um den Markt auf dem Dorfplatz zu besuchen. Gemäss SfS-Präsident Dieter Grauer werde auf nächstes Jahr hin überprüft, ob der Dienst noch ausgebaut werde, findet der Wochenmarkt seit Frühling dieses Jahres doch zusätzlich auch am Dienstag statt.

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