Zollikon Zumikon

Erhitzte Gemüter in eisiger Kirche

Dreieinhalb Stunden lang wurde am Montagabend in der Kirche St. Michael diskutiert. (Bild: mmw)

Die Spannungen in der katholischen Kirchgemeinde Zollikon-Zollikerberg-Zumikon haben sich nicht beruhigt. Im Gegenteil. Am Montagabend gingen die Wogen anlässlich der Kirchgemeindeversammlung hoch.

Sie wussten, dass es ein langer und für eine Kirchgemeindeversammlung wohl auch ein Abend mit aussergewöhnlich hoher Beteiligung werden würde. Aus diesem Grund führte die katholische Kirchen­pflege die Gemeindeversammlung vom Montagabend für einmal in der Kirche St. Michael durch, in der es zwar ziemlich kalt war, die aber genügend Platz bietet. Gut gefüllt waren die Kirchenbänke mit anfänglich 134 Stimmberechtigten und zusätzlich einigen Zuschauern denn auch. Eine Zahl aber, die im Verlauf des Abends zusehends schrumpfte. Zu lang wurde der Abend für einige der Anwesenden oder aber zu heftig die Streitig­keiten. Der Streit der erhitzten Gemüter vermochte die Atmosphäre nicht zu erwärmen. Was war passiert? Seit einigen Monaten hängt der Haussegen in der katholischen Kirchgemeinde Zolli­kon-Zumikon schief. Wegen Differenzen im zwischenmenschlichen Bereich, wie es damals hiess, wurde die langjährige Religionslehrerin Christine Unterberger von ihrem Amt freigestellt. Bei vielen war der Aufschrei gross, insbesondere bei den Eltern ihrer Schülerschaft. Zusammen lancierten sie aus Solidarität mit der Lehrerin eine Webseite und reichten eine Petition gegen die drohende Kündigung ein, für die innert weniger Wochen mehr als 300 Unterschriften zusammengekommen waren (wir berichteten). Zufriedenstellende Antworten auf ihre Fragen erhofften sie sich aber nicht nur von Bischof ­Vitus Huonder und Generalvikar Josef Annen, sondern auch von der Kirchgemeindeversammlung, an der endlich Transparenz gefordert wurde. Eingereicht hatte die Gruppe besorgter Eltern neun schriftliche Anfragen mit insgesamt 51 teils sich wiederholenden Fragen. 51 Fragen, die es an diesem Abend alle zu beantworten galt und zu denen die Fragestellenden Stellung nehmen durften. So will es das Gesetz.

Duales System

Was folgte, war aus Sicht der Kirchenpflege wohl ein Spiessrutenlauf. Einen, den sie zu Beginn mit dem Verlesen des Antwortschreibens des Zürcher Generalvikars ­Josef Annen, an den die Eltern gelangt waren, abzufedern versuchte. In seinem Schreiben zeigt der Generalvikar zwar seine Besorgnis um die schwierige und konfliktbelastete Situation im Seelsorgeraum vor Ort. Doch hielt er ebenso fest, dass ab dem Moment der Anstellung nicht mehr er als Generalvikar massgebend sei, sondern die Kirchenpflege als Anstellungsbehörde und der Pfarrer als Linienvorgesetzter in eigener Verantwortung handeln würden, auch in sämtlichen Fragen des Personalwesens und der Personalführung. Für die Seelsorge zeichne gleichzeitig der ordentlich von der Kirchgemeinde gewählte Pfarrer verantwortlich. «Als General­vikar respektiere ich die Autonomie der Kirchgemeinde und kann weder der Kirchenpflege noch dem Pfarrer dreinreden», macht er in seinem Antwortschreiben klar und verweist auf das duale System der katholischen Kirche. Dies bedeutet, dass im Gegensatz zur reformierten Kirchenpflege, die bedeutende Aufgaben im innerkirchlichen Bereich erfüllt, die katholische lediglich Seelsorger und Mitarbeitende sowie die Zusammenarbeit mit Pfarreirat und entsprechenden Gremien unterstützt. Josef Annen wies in seinem Schreiben aber ebenso auf die Vorgaben des Persönlichkeitsschutzes hin, «die Anstellungs­behörde hat sich als Arbeitgeberin, wie jeder weltliche Betrieb, an diese Vorgaben zu halten.» Ebenso unterstehe sie der Schweigepflicht sowie dem Amtsgeheimnis.

Zweifel an Gesprächsbereitschaft

Persönlichkeitsschutz, Schweigepflicht, Amtsgeheimnis. Es waren diese drei Worte, welche die Kirchenpflege auf die Mehrheit der Fragen als Antwort liefern konnte. Die drei Worte, welche den Unmut der Eltern je länger, desto grösser werden liessen. Einige der Fragen drehten sich um die Anzahl der Gespräche, die sowohl mit Pfarrer Heinz Meier als auch mit Religionslehrerin Christine Unterberger und dem Seelsorgeteam geführt wurden, also um die Anstrengungen, die seitens der Kirchenpflege unternommen wurden, um die Differenzen im Seelsorgeteam abzubauen. Für die Kirchenpflege waren es «zahlreiche», wobei über Einzelheiten keine Auskunft gegeben werden dürfe und über die Anzahl nicht gesprochen werden wolle. Die Antragsteller, unter ihnen der ehemalige Kirchenpfleger Antonio Cozzio, widersprachen ­vehement, es seien keine bis zwei Gespräche gewesen. Ihnen selber seien die Gespräche grösstenteils verwehrt worden, ihre Anfragen unbeantwortet geblieben. Er sehe wenig Bereitschaft von der Kirchenpflege, eine gemeinsame Lösung zu finden, er sei schlicht enttäuscht, so Antonio Cozzio und fuhr fort: «Lieber kein Pfarrer als so einer.»

Vorwürfe an den Pfarrer

Für die betroffenen Eltern ist die «Causa Unterberger» längst zur «Causa Meier» geworden. Mit dem Pfarrer gingen sie hart ins Gericht, sprachen von Intrigen und Mobbing, von Verleumdungen, von einem ­Klima der Angst, das herrsche. Seine Arbeitsmoral sei stetig weiter sinkend, er nehme an keinen Lager­besuchen mehr teil, lasse sich an Familiengottesdiensten vertreten, bleibe dem Sommerfest fern und halte keine Organisations- und Strategiemeetings mit seinem Seelsorgeteam mehr ab. Kurzum: Er trete nicht mehr in Erscheinung und die Kirchenpflege nehme ihre Fürsorgepflicht nicht wahr. Von langer Hand geplant gewesen sei hingegen die Freistellung Christine Unterbergers. Beweisen würde dies auch ein E-Mail, welches einem der Antragsteller anonym zugestellt worden sei. André Brändli hatte sich in dieser Zeitung nach dem Sommerfest positiv über die Jugendarbeit des Teams um Christine Unterberger ­geäussert und von Pfarrer Heinz Meier, der in zwei Jahren pensioniert werden wird, gefordert, diese weiter zu fördern und als sein bleibendes Vermächtnis für die katholischen Pfarrgemeinden zu erhalten. «Doch bereits zu diesem Zeitpunkt stand die Kündigung von Frau Unterberger fest und die Kirchenpflege war darüber im Bild», zeigte sich der Zolliker fassungslos und verteilte Kopien des Mails, in dem der Wortlaut des Kündigungsschreibens thematisiert und die Kommunikation über den Nachfolger – für die Eltern wurde auch dieser bereits vor langer Zeit eingeführt als weiteres Indiz der von langer Hand vorbereiteten Kündigungsabsicht – zur Diskussion gestellt wird. Auch zitierten sie aus einem E-Mail-Verkehr zwischen Pfarrer Heinz Meier und der Kirchenpflege, in dem Heinz Meier die ihm unterstellte als «Gesindel von Wien» betitelt haben soll.

Mehrmals bat Aktuar Daniel Metzger um Ruhe in der Kirche, um ­Unterlassung von Beifallsbekundungen während der Ausführungen, um gegenseitigen Anstand und Respekt. Es kam anders, für die Ausführungen der Antragssteller gab es oftmals viel Applaus.

Grosse Unruhe in der Kirche

Ruhig und emotional wurde es, als sich die Religionslehrerin Christine Unterberger, die wie Pfarrer Heinz Meier der Versammlung beiwohnte, selbst und sichtlich bewegt zu Wort meldete. Mit der Personalkommission habe es zwei Gespräche gegeben, bei denen sie gesagt habe, dass sie hier gerne arbeite und alles in ihrer Macht Stehende tue, um die Differenzen zu bereinigen, und dass sie mit allen Beteiligten würde weiterarbeiten wollen. «Zwölf Jahre lang habe ich den Unti­kindern erklärt, wie man mit Problemen umgeht», sagte sie, «wenn wir das nicht hier in der Kirche leben können, wo dann?» Probleme sollten beim Namen genannt und Hände zum Frieden gereicht werden. Sie sei nach wie vor bereit dazu. Was folgte, war eine Standing Ovation der Anwesenden. Hektisch hingegen wurde es, als sich der ehemalige Kirchenpflegepräsident Erich Schneider zu Wort meldete, der als einziger öffentlich an diesem Abend die Freistellung nicht kritisch beurteilte, sondern diese begrüsste. Angesichts der ­vielen Beifallsäusserungen der Eltern und teilweise ehemaligen Schülern Christine Unterbergers bezweifle er deren guten Unterricht, sagte er und weiter, dass es kein Geheimnis sei, dass es immer wieder Unstimmigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich mit der Religionslehrerin gegeben habe, bereits vor Amtsantritt von Pfarrer Heinz Meier. «Christine ist kein Schäfchen, sie hat ein zweites Gesicht.» Im Gegensatz zu den heutigen Verantwortlichen habe aber damals niemand diese Führungsstärke bewiesen und das Arbeitsverhältnis aufgelöst. Immer wieder hätten sie zurückbuchstabiert. Danach schien der Geduldsfaden zu später Stunde gerissen zu sein. Einige verliessen den Kirchensaal bereits während der Ausführungen und Kirchenpflegepräsident Urs Häfliger erklärte die Diskussionen abrupt für beendet. Pfarrer Heinz Meier war ebenfalls vor Ort. Er verfolgte die Geschehnisse wortlos. (mmw)

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