Zollikon Zumikon

Mit Geduld Natur erleben

Unter den Fittichen des Seesportfischvereins Zürich und Zollikon geht es in dieser Folge unserer Sommerserie früh­morgens auf den Zürichsee. Hinter der Sportfischerei steht dabei viel mehr als nur das Fangen von Fisch. Zwei erfahrene Fischer schwärmen von ihrem liebsten Zeitvertrieb.

Sie ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst – die Fischerei. Seit jeher verbrachte der Mensch Zeit mit dem Fangen von Fisch. Mit Netzen, Speeren, Ködern oder anderen Fangvorrichtungen. Der Fischfang dient vielen Menschen bis heute als Lebensgrundlage, als Existenzsicherung. In der Sport­fischerei aber geht es nicht um die zwingende wirtschaftliche Notwendigkeit, mit dem Fischfang einen Umsatz zu erzielen, sondern vielmehr um eine ganze Philosophie hinter dem Fischfang.

Die Sportfischerei ist eine Welt für sich. Tausende verschiedener Köder, Ruten, Silche, aber auch Meinungen über die besten Fangaussichten stehen zur Auswahl. Der Fachhandel verkauft etagenhoch Zubehör und schwört auf die neusten Köder aus Silikon. Die Variationen und Kombinationen des verschiedenen Angelzubehörs sind dabei unendlich. Den Fisch damit fangen muss aber jeder Angler für sich.

In einer Gemeinde mit Seeanschluss ist der Seesportfischverein Zürich und Zollikon fester Bestandteil des örtlichen Vereinslebens. Eben erst organisierte er im Vereinslokal zwischen Kibag und Bootspark das allseits beliebte Fischessen. Dies auch um den Verein bei den Menschen wieder mehr ins Gespräch zu bringen. Jetzt ist es ist Freitagmorgen um sieben Uhr und die Sportfischer Roger Ramelet und Max Tobler erwarten mich mit Kaffee und Gipfeli für einen morgendlichen Streifgang in die Welt der Sportfischerei. Obwohl der Verein in fünf Jahren auf sein hundertjähriges Bestehen zusteuert, denken die beiden auch an seine Zukunft: «Wir würden es sehr begrüssen, wenn wieder mehr Junge den Verein aufleben lassen würden», sagt Roger Ramelet. Wir sprechen über Fangmengen und Anglerausrüstung, Leidenschaft und Hobby. Für einen Fischer ist es die Ruhe und Naturverbundenheit, die ihn das Angeln so lieben lässt. Egal ob Lachsangeln an Irlands Flüssen oder auf einem Boot auf hoher See. Um mit den Fischen sowie der Umwelt, in der sie und wir gemeinsam leben, so schonend wie möglich umzugehen, sind dabei gewisse Grundregeln einzuhalten.

Kurs in Fischkunde

Für die Fischerei in der Schweiz ist ein entsprechender Sachkundenachweis nötig. Kontrollen durch dazu befugte Personen kommen gar nicht so selten vor. In einem Kursus zur Erlangung dieses Sachkundeausweises lernt der werdende Fischer das Rüstzeug für eine verantwortungsvolle Sportfischerei. Die Kursteilnehmer erfahren dabei beispielsweise, wie mit dem gefangenen Fisch umzugehen ist. So muss der Kiemenschnitt sitzen: Er stellt sicher, dass ein Fisch nicht unnötig leiden muss. Weiter ist bei der Herausnahme des Fisches aus dem ­Wasser zwingend ein sogenannter Feumer zu verwenden, ein Netz, um den gefangenen Fisch schonend aus dem Wasser zu hieven. Sportfischer mit entsprechendem Ausweis sind aufgefordert, sämtliche Fänge zu vermessen und in einer Tabelle einzutragen. Erreichen gefangene Fische ein Mindestmass nicht, so sind sie wieder im See auszusetzen. Hält man sich aber nur an einige einfache Regeln, so steht der Sportfischerei nichts mehr im Wege. Die Kosten für die erste Fischereiausrüstung sind mit ca. 150 Franken überschaubar. Der Fachhandel rechnet natürlich damit, dass sich entwickelnde Fischer später noch mehr Köder kaufen werden. Der erfahrene Angler hingegen hat schliesslich in seinem Leben schon durchschnittlich für über tausend Franken Fischereizubehör gekauft.

Hobby in den Randstunden

Die Morgen- und Abendstunden sind ideal für den Fischfang. An diesem Morgen wollen wir unser Glück versuchen und begeben uns auf Max Toblers Fischerboot, das mit der notwendigen Ausrüstung ausgestattet ist. Vom Echolot-Gerät zur Darstellung von Fischschwärmen bis zu einer beachtlichen Auswahl an Angeln und Ködern verlassen wir den Hafen Tiefenbrunnen und steuern Richtung Zürihorn. Auch einige Rudersportboote sind schon auf dem Zürichsee unterwegs. «Vor allem wenn vom Boot aus gefischt wird, ist der gegenseitige Respekt zwischen den Seebenutzern besonders wichtig.» Zur Kennzeichnung der Fischerbootsfahrt wird eine weisse Kugel zuoberst auf dem Boot montiert. Dann lässt Max Tobler hundert Meter vom Ufer entfernt mehrere Köder von einer grossen Silchspule in Richtung Seegrund hinab. Mit geringer Geschwindigkeit durchfahren wir ein Gebiet und schleppen die Silikonköder hinter uns her. In der Fischerei entscheidet oft das Bauchgefühl des Fischers, wo sich die Fische wohl am ehesten aufhalten. In Kombination mit jahrelanger Erfahrung zeigen sich dann Seeabschnitte und Uhrzeiten, in welchen gute Fänge erzielt werden können. Doch auch die ganze Erfahrung der Welt bringt nichts, wenn eine wichtige Eigenschaft fehlt: Geduld. Es gibt in der Sportfischerei keine Garantie für einen Fang. Auch die besten Angler mit der besten Ausrüstung erleben Tage, an denen sie mit leeren Händen zurückkommen. So wie heute: Auch weiter den See abwärts zeigen sich die Fische an diesem Morgen nicht bissfreudig.

Entspannung pur

Wer die Verbundenheit zur Natur liebt und auch mal einige Stunden ohne Fangerfolg ausharren kann, wird den Angelsport mögen. Damit einher geht das Wissen über den Aufbau eines Gewässers sowie das natürliche Verhalten von Fischen und anderen Seebewohnern. Fachgeschäfte in Zürich bieten neben dem für den Fischersport notwendigen Material auch allerlei Tipps und Tricks. Ausgenommen für das Fischen nur mit Korken und natürlichem Köder besteht auf allen Schweizer Gewässern eine Patentpflicht. In den Ferien  beispielsweise können in den nahegelegenen Gemeinden oftmals Patente für ein entsprechendes Gewässer gekauft werden. Die Preise dafür halten sich in Grenzen. Wer erst einmal mit dem Angelvirus angesteckt ist, wird sich sehr bald viele Gedanken über neue Köder, spezielle Haken sowie unerforschte Gewässer machen. Und die Sportfischer am Zürichsee sind sich einig, dass es nichts Beruhigenderes gibt, als mit einem guten Freund an einem schönen Ort dem Angelsport nachzugehen. (lvm)

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