Zollikon Zumikon

Luftkampf über dem Zolliker Kleindorf

In den letzten Monaten sind über den Dächern Zollikons vermehrt Milane gesehen worden. Auch Revierkämpfe zwischen Milanen und Raben­vögeln kamen in letzter Zeit häufig vor. Grund genug, bei den Experten der Vogelwarte Sempach nachzufragen und mehr über die imposanten Tiere in Erfahrung zu bringen.

Manchmal hundert Meter hoch über dem Kirchturm, dann aber auch in unmittelbarer Nähe zu Haus und Strasse ziehen dieser Tage Milane ihre erhabenen Runden durch Zol­likons Lüfte. Verbände von drei bis vier der habichtartigen Greifvögel markieren auf elegante Weise ihre Luftpräsenz. Sehr oft über dem Kleindorf und rund um den Kirchturm können die Vögel mit einer Flügelspannweite von rund eineinhalb Metern dieser Tage bestaunt werden. Die rostrot gefärbten Rotmilane sind gut an ihrem Gabelschwanz und einer hellen Färbung an der äusseren Flügelunterseite zu erkennen. Beim dunkelbraun gefiederten Schwarzmilan verläuft der Schwanz geradliniger und eine entsprechende Färbung fehlt. Nicht zu überhören sind die Laute des Rotmilans, der sich mit einem lang gezogenen «Wiiiieeh» einmal lang, dann mehrere Male kurz, deutlich bemerkbar macht. Die Vögel scheinen mit dem Dorfzentrum und dem Kleindorf ein zufriedenstellendendes Revier gefunden zu haben. Andere Vogelarten in der Umgebung nehmen die Milane jedoch als Gefahr wahr.

Raben beschützen ihre Jungen

Die majestätischen Milane mit ihren Luftparaden versetzen Krähen und Elstern in Alarmbereitschaft. Kurzerhand gehen Rabenvögel zum Angriff über, attackieren ­einen der Milane und machen ihm so seine Lufthoheit streitig. Die ­Rabenvögel möchten ihren frisch geschlüpften Nachwuchs nicht in den spähenden Augen der Milane spiegeln sehen. In der Kampfsituation wehrt der attackierte Milan minutenlang einen Angriff nach dem anderen ab. Dieses Verhalten bestätigt Biologe Livio Rey von der Vogelwarte Sempach: «Die Krähen und Elstern haben zurzeit Junge und beschützen diese. Krähen und Elstern sind sehr gute Eltern und vertreiben alle, die für ihre Jungen gefährlich werden könnten.» Einige Stunden später sind die Rotmilane wieder am Himmel zu sehen. Das Revier über dem Kleindorf scheint für sie etwas zu sein, für das es sich zu kämpfen lohnt.

Auf den für diesen Artikel entstanden Fotografien ist bei einem fotografierten Schwarzmilan am rechten Fuss ein Ring sichtbar. Nach der Herkunft des Greifvogels gefragt, erklärt Vogelexperte Livio Rey, dass in der Vogelwarte Jungvögel frühestens nach zwei Wochen beringt und so gekennzeichnet werden. Dies hilft bei einem späteren Fund, mehr über das ­Leben und das Zugverhalten eines Vogels zu erfahren. Denn der Vogel kann durch den Ring eindeutig identifiziert werden. Leider kann Biologe Livio Rey zur Herkunft «unseres» beringten Milans nur Vermutungen äussern: «Genaue Aussagen zur Herkunft dieses Vogels lassen sich nicht machen, da die Ringnummer nicht ablesbar ist. In der Westschweiz werden zwar auch Milane beringt und die Strecke nach Zürich ist für diese Vogelart einfach zurückzulegen. Genauso gut könnte der Vogel aber auch aus Deutschland, Frankreich oder sonst woher kommen.» Auf den gemachten Fotografien ist nur bei ­einem Schwarzmilan ein Ring sichtbar.

Ein Milan im Wohnzimmer

Auch in Zumikon sind Milane gesichtet worden. Hinter dem Mos­acher unterhalb des Rütiwegs finden die Tiere mit dem freien Ackerland ein ideales Jagdrevier. Dabei scheinen die Tiere immer näher ins Siedlungsgebiet vorzudringen. Susi Born hatte sogar einmal unliebsamen Besuch von einem der Vögel: «Ein Rotmilan flog durch unser Fenster ins Wohnzimmer. Als ich reinkam, sah ich den Vogel flatternd nach einem Ausgang suchen. Zum Glück war der Esstisch zwischen mir und dem Tier und ich konnte es irgendwie wieder in Richtung Fenster drängen.» Die Zumikerin geht davon aus, dass in der umliegenden Nachbarschaft Rotmilane von Bewohnern gefüttert werden und sich dadurch immer näher an Menschen trauen. Die Ornithologen der Vogelwarte Sempach haben hierfür extra ein Merkblatt veröffentlicht: «Grundsätzlich müssen Greifvögel vom Menschen nicht gefüttert werden, sie finden selber genug Nahrung. Es ist aber auch nicht verboten. Man sollte sich jedoch beim kantonalen Veterinärdienst erkundigen, ob man eine Bewilligung benötigt. Die Fütterung ist sehr aufwendig und kaum mit der Fütterung von Kleinvögeln zu vergleichen. Sie ist daher nur durch erfahrene Vogelkenner vorzunehmen und sollte nicht in den Siedlungen erfolgen, da dies Anlass zu Reklamationen der Nachbarn sein kann.»

Auch wenn unsere Milane im ersten Augenblick furchteinflössend wirken können, stellen sie für den Menschen keine Gefahr dar. Sicher ist aber, dass die Fütterung der Milane in unmittelbarem Siedlungsgebiet dazu führt, dass jene auch öfters dort anzutreffen sind.

Die Population der Milane in der Schweiz ist gemäss Experten ansteigend, da sich das Nahrungsangebot verbessert hat: In den letzten Jahren  wurde eine Bestandszunahme beobachtet. Mittlerweile brüten rund zehn Prozent des Weltbestands des Rotmilans in der Schweiz. Den Anstieg der Population fördert, dass viele Milane für die Überwinterung nicht mehr in wärmere Gebiete fliegen, sondern hier überwintern. Die majestätischen Milane werden also auch in Zukunft ihre Reviere in Zollikon und Zumikon abfliegen und Krähenangriffe abwehren müssen. (lvm)

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