26/2015 Der Vollblutpolitiker

Von adminZoZuBo ‒ 26. Juni 2015

Der Vollblutpolitiker

Kurt Sintzel, 85, zog 1962 nach Zollikon und hat von Beginn an kaum eine Gemeindeversammlung verpasst. Immer schon hat es ihn interessiert, wie Konflikte zum Nutzen aller Parteien aus dem Weg geräumt werden und ein gutes Zusammenleben zustande kommt.

Bereits als Kind zur Zeit des Zweiten Weltkrieges war er ein interessierter Zeitungsleser und Radiohörer. «Ich wollte aus erster Hand wissen, was los war», erzählt er, «und habe auch stets versucht, die Kurzwellensender der Deutschen und Alliierten abzufangen!» Politik war ihm damals schon wichtig. Aufgewachsen ist er in Wollishofen in einer Familie, die durch ihre Verbundenheit mit der katholischen Kirche und ihrem Schicksal – seine Eltern, beide Schweizer, hatten sich bei der Arbeit in Rom kennengelernt – stets eng mit Italien verbunden war. Auch in der Schweiz arbeitete sein Vater für eine italienische Textilfirma, italienischsprechende Freunde gingen bei Sintzels ein und aus und auch die Ferien verbrachte die Familie regelmässig im italienischen Sprachbereich. Kurt Sintzel blieb davon nicht unberührt. Ganz selbstverständlich lernte er im Gymnasium Lateinisch und Griechisch und im Freifach Italienisch dazu, sodass er später als Anwalt oft italienischsprechende Kundschaft vertrat. «Mein Studium wählte ich im Ausschlussverfahren», sagt er und schmunzelt, «vieles schloss ich gleich aus, liebäugelte kurz mit dem Architekturstudium, und schon blieb nur noch die Juristerei übrig.» Das aber war eine gute Wahl. Hier fühlte er sich schnell heimisch, nicht nur in den Vorlesungen, auch in der Studentenvereinigung der Welfen.

Familienmensch und Lebemann

Dann, er war gerade 22, starb seine Mutter. Sein Vater hatte Multiple Sklerose, es galt, sich gegenseitig in der reduzierten Familie beizustehen. Ein paar Jahre lang fuhr Kurt Sintzel nun jeden Morgen erst Vater und Schwester ins Geschäft, bevor er selbst in der Uni auftauchte. Jeden Abend holte er den Vater wieder ab. «Wir hatten einen extrem starken Familienzusammenhalt», sagt er, «wir hatten es sehr gemütlich zusammen und halfen uns gegenseitig, wann immer wir konnten.»

Erst mit dreissig habe er sich deshalb ernsthaft nach einer Frau umgesehen, erzählt er, vorher sei er voll mit der Familie, dem Studium und der Studentenvereinigung beschäftigt gewesen. Das war wohl genau das Richtige für ihn. Denn mit dreissig, an der Hochzeit eines Freundes, funkte es zwischen seiner zukünftigen Frau Mirjam Arbenz und ihm so zünftig, dass die beiden selbst kaum zu warten vermochten. Schon bald läuteten dem Paar die Hochzeitsglocken der Zolliker Kirche, und sie zogen in die Einliegerwohnung in Mirjams Elternhaus an der Alten Landstrasse. 1962 war das – und rasch füllte sich das Haus mit fröhlichen Kinderstimmen. Innert acht Jahren kamen Christine, Anne-Käthi, Martina, Ursula und Stefan zur Welt.

Und genauso schnell ging es auch in die Politik. Neu nach Zollikon gezogen, hatte sich Kurt Sintzel gleich bei der ortsansässigen CVP gemeldet, bei der er sozusagen von Geburt her stets zuhause gewesen war. Es ging nicht lange, da wurde er angefragt, ob er sich nicht in den Gemeinderat wählen lassen wollte.

Wider Erwarten in den Gemeinderat

«Als Mirjam und ich dies besprachen», sagt er verschmitzt, «hatte sie gemeint, ich könne das gefahrlos tun, ich würde sowieso nicht gewählt. Doch dann war ich plötzlich der einzige valable Kandidat und sass auch schon in der obersten Gemeindebehörde.» Zwanzig Jahre blieb Kurt Sintzel seinem Amt treu, stellte erst dem Gesundheitswesen und später der Wohlfahrt seine juristischen Kenntnisse zur Verfügung. «Es war eine gute Zeit», sagt er, «wir waren ein gutes Team, sehr diskussionsfreudig und lösungsorientiert. Das Volk stand hinter uns und war bereit, grosszügig in die Gemeinde zu investieren. Wir konnten manchen Bau errichten und die damalige Ortsplanung endlich vollenden. Und zahlreiche schöne Feste haben wir miteinander gefeiert!»

Trotzdem habe er eigentlich nicht so lange im Gemeinderat bleiben wollen, doch die Jahre seien nur so verflogen und immer hätten gewisse Aufgaben eben die gerade aktuelle Amtsdauer überschritten. In seiner politischen Arbeit wurde er von seiner Familie gut unterstützt: Seine Frau hielt ihm den Rücken frei, half ihm im Büro, fand selber Freude an der Politik und engagierte sich später neben dem Präsidium des katholischen Frauenvereins auch in der Sozialbehörde.

Nachrücken in den Kantonsrat

Zusätzlich zum Amt des Gemeinderates konnte Kurt Sintzel im Herbst 1984 in den Kantonsrat nachrücken. Durch die damalige Änderung der Wahlkreise verlor er sein Mandat darauf erst rasch wieder, rückte aber ein Jahr später ein zweites Mal nach. Im Kantonsrat bestand seine Arbeit in seiner Mitwirkung in kantonsrätlichen Kommissionen, im Besonderen aber auch in seinem Engagement als Präsident der ersten Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) des Kantonsrates, die in Sachen Raphael Huber ermittelte.

Raphael Huber, damaliger Chef des Wirtschaftswesens, hatte sich zu der Zeit zu Unrecht von Wirten Zahlungen ausrichten lassen, wofür er strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen wurde. Aufgabe der PUK war es, zu ermitteln, warum die Sache in der Verwaltung nicht bereits viel früher aufgeflogen war. Auch nach seinem Rücktritt aus dem Kantonsrat liess sein Interesse an der Politik nicht nach. Noch heute ist Kurt Sintzel Zolliker Parteipräsident der CVP. «Ein Amt, das ich nun gerne bald abgeben möchte», sagt er, «auch wenn ich mich natürlich bis an mein Lebensende für unsere Gemeindepolitik interessieren werde.»

Witwer seit 1992

Hart schlug das Schicksal zu, als seine Frau Mirjam, jung noch, an Krebs erkrankte und ihn 1992 zum Witwer machte. Es war nicht einfach, das Leben plötzlich alleine meistern zu müssen, auch wenn ihn Kinder und Bürokollegen unterstützen, wo sie konnten. Zu seinem Glück ist er seit einigen Jahren wieder mit einer Partnerin liiert. Auch sie ist Witwe und wie er mit ihrer persönlichen Familie sehr verbunden. «Wir sind aber häufig zusammen, machen gemeinsame Reise und Ferien und erzählen uns gegenseitig unsere Sorgen, wie man es nur unter nahen Menschen tun kann.» Schweres und Leichtes, sagt er, habe ihm sein Leben gebracht, doch überwiege das Gute. Viele fröhliche Stunden habe er verbringen dürfen im Familienkreis aber auch – über alle Parteischranken hinweg – im Kreise von Politikern. Stets habe es ihm geholfen, gut zuzuhören, für alle Gedanken offen zu sein und dann unabhängig nach einvernehmlichen Lösungen zu suchen. Das sei ein Rezept, welches sich nicht nur für die Politik bewährt habe, sondern fürs Leben überhaupt. (db)

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