48/2015 Es brodelt in der Schulküche

Von adminZoZuBo ‒ 26. November 2015

Es brodelt in der Schulküche

Seit dem 1. Oktober werden die Betreuungshäuser der Zolliker Schule von einem neuen Caterer beliefert. Das ist Fakt. Ob das gut ist oder nicht – darüber scheiden sich zurzeit die Geister. Kurz: Es brodelt im Dorf wie in einer Suppenküche.

Grundlage des Caterer-Wechsels bei der Schule Zollikon ist das Submissionsverfahren, das vorschreibt, dass alle fünf bis sieben Jahre öffentliche Ausgaben dieser Grössenordnung neu ausgeschrieben werden müssen. «Das war für das Catering mit einer Laufzeit von mittlerweile zehn Jahren längst überfällig. Wir hätten eine Klage riskiert, wenn wir den Auftrag nicht ausgeschrieben hätten», erklärt Schulpflegepräsidentin Corinne Hoss. Und sie betont auch: «Wir haben nicht einfach den billigsten Anbieter genommen. Wir haben auch Erfahrung stark gewichtet und Referenzen eingeholt.» Corinne Hoss würde sich wünschen, dass dem neuen Anbieter mehr Zeit gegeben wird. «Ja, es hat mal lauwarmen Spinat und ein andermal etwas zu weiche Spaghetti gegeben. Die Technik muss sich noch einspielen. Da waren die Steamer noch nicht richtig programmiert», plädiert sie für das Catering-Unternehmen. «Wir sind täglich mit den Verantwortlichen im Gespräch.» So konnten die technischen Schwierigkeiten weitgehend überwunden werden.

Zmittag nach aktuellsten Ernährungsrichtlinien

Grundsätzlich bietet die Menu and More AG, die täglich 12 000 Kinder versorgt, einen Menüplan auf der Grundlage modernster Ernährungsrichtlinien an. Abgestimmt ist dieser auch mit der Schulgesundheitsbehörde Zürich. «Einige Kinder aus Zollikon kennen offenbar einige unserer Speisen noch nicht. Daher braucht die Umstellung wohl eine längere Akzeptanzphase als gewöhnlich», erklärt Judith Schumacher von der Menu and More AG. Damit geht es zum Speiseplan. Es gebe zu wenig, und es gebe schlechtes Essen tönt es von Seiten der Kinder. Es gibt Dinge, die haben alle Kinder gern. Die Wienerli im Teig zum Beispiel sind sehr beliebt. Da könnten die Kinder vier Stück essen. «Klar, dann wird es knapp», so Corinne Hoss. Dass daneben die Schüssel mit wunderbarem Salat stehen bleibe, sei zwar schade, aber auch verständlich. Zurzeit würden einfach noch die Erfahrungswerte fehlen, wieviel wovon gegessen wird. An der Qualität des Essens zweifelt sie nicht. Der neuer Caterer setze mehr auf Gemüse und Salat, zum Beispiel nicht einfach nur auf grünen Salat, sondern auf diverse Varianten wie Randen, Sellerie, Karotten oder auch mal Kichererbsen. «Und das ist eben anders als gewohnt und was fremd ist, wird abgelehnt», schlussfolgert die Schulpflegepräsidentin. So sei das Essen bei den Kleinen, die nicht an den Geschmack des vorangegangenen Caterers gewöhnt seien, kaum ein Problem. «Und es ist bis zu einem gewissen Grade auch normal, dass Kinder sich über das Essen beschweren. Das war beim früheren Caterer so, und das ist zuhause ja auch nicht viel anders.»

Mehr Kritik als erwartet

Das nimmt man im Betreuungshaus Oescher anders wahr. «Wir hatten mit Kritik gerechnet. Das ist bei jeder Umstellung so. Aber das hier geht weit über das erwartete Gemecker hinaus», so eine der Mitarbeiterinnen. Und auch Mütter sind mit dem Angebot unzufrieden. Sie fragen sich zum Beispiel, warum sehr viele Fleischersatzmittel auf dem Menüplan stehen. Interessanterweise gibt es sogar zu dem Soja-Cordon Bleu eine vegetarische Variante, eine Tofuwurst an Bratensauce. Bemängelt wird zum Beispiel auch der Einsatz von Quorn. Dahinter versteckt sich ein industriell hergestelltes Nahrungsmittel, das aus Pilzen gewonnen und mit Eiweiss als Bindemittel zu Wurst oder Schnitzel geformt werden kann. Dieser Hintergrund ist den Mädchen und Jungen naturgemäss nicht so wichtig. Gemeckert werde trotzdem. «Ganz vorsichtig formuliert: Ich könnte mir vorstellen, dass ein mäkelndes Kind am Tisch andere ansteckt», so Beat Albonico von der Geschäftsleitung der Schule. Auch Desserts wie «Crispy milky way» oder «Pinky Donut» machen eher den Müttern Sorgen als den Kindern. Beat Albonico würde sich für die nächste Zeit einfach ein bisschen mehr Verständnis für die Anlaufschwierigkeiten wünschen. Schliesslich hat der neue Caterer gerade einmal vor wenigen Wochen angefangen. «In diese Anfangsphase fielen schliesslich auch noch die Herbstferien. De facto werden wir erst seit vier Wochen beliefert», erinnert er. Heute findet eine Sitzung mit allen Beteiligten statt, um die Erfahrungen der ersten Wochen auszutauschen.

Was der Bauer nicht kennt …?

Die Schule hätte aus verschiedenen Komponenten jeweils ein Menü zusammenstellen können. Sie hat für den Anfang aber vereinbart, dass dies von der Menu and More AG vorgenommen wird. Auch diese Vereinbarung wird nochmals überprüft. Und gerade was das Dessert angeht, musste man sich für «handliches Fingerfood» entscheiden. Die Ausstattung der Küchen lasse keine Zubereitung von zum Beispiel frischen Cremes zu, so Beat Albonico. «Aufgrund unserer Ausstattung muss alles fertig in Gastro-Schalen geliefert werden», erläutert er. Auch Katja Baur, Leiterin des Betreuungshauses Rüterwis, kann den Ärger nicht verstehen. Sie hofft auf den Faktor Zeit, auf die Gewöhnung. «Aber es ist eben so: Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht.» Ein anderer Vorfall dagegen mache ihr Gedanken: Im Einzelfall sei es schon vorgekommen, dass unter den Jugendlichen beinahe ein Wettbewerb laufe, wer so wenig wie möglich esse. Ganz anders sieht das Erika Kunz. Sie ist nicht nur im Elternrat des Schulhauses Oescher, sie ist auch Mutter von zwei Jungs. Zwei Jungs, die jeden Nachmittag mit Heisshunger nach Hause kommen. Fünf Mal in der Woche gehen sie zum Mittagstisch und mittlerweile gibt Erika Kunz ihnen dicke Lunchboxen mit. «Den Mittagstisch zahlen muss ich aber trotzdem.» In der ersten Woche habe sie die Klagen über das Essen nicht so ernst genommen. Die Söhne seien auch nicht heikel. «Aber es schmeckt ihnen überhaupt nicht. Und was soll ein Junge im Wachstum mit einem kleinen Pouletschnitzel?» Für die Kinder gelte ganz klar: Du bist nicht du, wenn du hungrig bist. Alle Hoffnungen der Mutter liegen auf dem heutigen Gespräch. Und dass es danach einschneidende Veränderungen gibt. (bms)

 

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