20/2016 Es ist viel, macht aber grosse Freude

Von adminZoZuBo ‒ 20. Mai 2016

Es ist viel, macht aber grosse Freude

Marielen Uster hat sich vor 16 Jahren aufgemacht, eine Galerie zu suchen – und ist auf dem Areal des Bahnhofs Herrliberg-Feldmeilen fündig geworden. Harte Arbeit führte die Zollikerin zum Erfolg.

Es herrschen Temperaturen im einstelligen Bereich, der ehemalige Güterschuppen verfügt weder über fliessendes Wasser noch über eine Zentralheizung. Marielen Uster trägt Winterjacke und Schal, ein kleiner elektrischer Heizkörper läuft auf Hochtouren. Wie entstehen aus einem solchen Güterschuppen eine Kunstgalerie, respektive ein Kleintheater? «Es war die Idee eines guten Freundes», beginnt sie. Dieser machte den Vorschlag, eine Galerie zu eröffnen und als sie einmal zufälligerweise beim Güterschuppen direkt an den Gleisen beim Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen vorbeifuhr und sah, dass dieser zu vermieten war, da fragte sie kurzerhand bei der SBB nach, ob sie den Schuppen von innen sehen dürfe. Der Fall war sofort klar: Den Ort für ihre Galerie war gefunden. Von Juni 2000 bis im März 2001 investierten Marielen Uster und ihr Freund 900 Stunden in den Umbau und errichteten so ihre eigene Galerie, die Kulturschiene. «Ja, diese Zeit war sehr intensiv, es hat aber auch Spass gemacht», lacht die 67-Jährige. Sehr intensiv tätig sein und Spass daran haben sind zwei Merkmale, die auch heute noch auf ihre Arbeit zutreffen. Das Organisieren und Betreuen von Ausstellungen, Konzerten, Lesungen oder beispielsweise auch Firmenanlässen beanspruchen die meiste Zeit, bereiten ihr aber ebenso viel Freude. Obschon ihr Arbeitsort in Herrliberg-Feldmeilen liegt, steckt doch sehr viel Zolliker Geist drin: Eine Zusammenarbeit im musikalischen Bereich, die sie sehr schätzt, ist jene mit dem Zolliker Armin Brunner. «Seine Arbeit ist einzigartig», schwärmt sie. Weitere Unterstützung erhält sie von zwei Zollikerinnen, die an den Veranstaltungen die Kasse machen und die Bar führen. «Ihren Lohn spenden die zwei Frauen jeweils Ende Jahr einer wohltätigen Institution.» Die Zusammenstellung des Programms ergebe sich auf den während Jahren aufgebauten freundschaftlichen Beziehungen zu den verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern. «Ich mache nichts, hinter dem ich nicht stehen kann», das sei ihr sehr wichtig.

Eine Alleskönnerin

Ist sie gerade einmal nicht in der Galerie, um mit Künstlerinnen und Künstlern Aufführungen oder Ausstellungen zu besprechen, dann arbeitet sie von ihrem Zuhause in Zollikon aus. Vor fünf Jahren hat sie auch einen Verein gegründet, der mittlerweile über 100 Mitglieder zählt. «Wie ich das alles gelernt habe? Learning by doing!» Marielen Uster lacht herzlich: «Einige Dinge lerne ich sehr schnell, andere weniger!» Eine Ausbildung in diesem Bereich hat sie nicht, ihre grosse Arbeitserfahrung hilft ihr. Nach der Sekundarschule in Zollikon absolvierte sie die Ausbildung zur Arztgehilfin mit einem anschliessenden Praktikum in einem medizinisch-chemischen Labor in Zürich. «Da haben wir das Blut noch unter dem Mikroskop analysiert, wir hatten noch keine modernen Geräte», lacht sie. Verschiedene Stationen folgten, so leitete sie nach der Geburt ihrer Tochter Rachel das Sekretariat des Familienunternehmens ihres Vaters eine Seidenmanufaktur in Zollikon. Fünf Jahre Mitarbeit im Turnierstall des Bündners Bruno Candrian, einem der erfolgreichsten Schweizer Springreiter aller Zeiten, folgten. Marielen Uster war nicht nur betreut mit dem Aufbau und der Organisation von Pferdesporttagen, sie betreute auch das Personal und war verantwortlich für die Buchhaltung. Anschliessend kam ihre «PR-Zeit», wie sie die folgenden Jahre in Agenturen selber nennt. Marielen Uster ist ein wahres Allroundtalent: sie arbeitete in einer Apotheke, half beim Aufbau des Kleintheaters Herzbaracke mit, betreute als selbstständig Erwerbende eine heilpädagogische Grossfamilie mit sieben Kindern, pflegte zwei körperlich beeinträchtigte Kinder und einen Tetraplegiker-Patienten. Während des Umbaus der Kulturschiene arbeitete sie noch auf der Wohlfahrtsabteilung der Gemeindeverwaltung Zollikon, nach dem Umbau amtete sie zehn Jahre als Direktionssekretärin des Spitals Wetzikon, wo sie überdies für die Organisation von Ausstellungen und Konzerten zuständig war. «Im Nachhinein weiss ich wirklich nicht mehr, wie ich das alles geschafft habe – es war viel, aber es hat mir immer grosse Freude gemacht.»

Sie selber war eine leidenschaftliche Reiterin, ihre Mutter sei geritten und ihre Tochter sowie ihre vierjährige Enkeltochter reiten ebenfalls: «Das hat sozusagen Tradition bei uns in der Familie.» Während ihrer Jahre im Turnierstall sei sie viel gereist und geflogen. Das sei etwas, was sie auch jetzt noch gerne tun würde, im Moment aber einfach nicht möglich sei. «Wobei», sagt Marielen Uster, «ich habe seit langem zum ersten Mal einige Tage frei und besuche im Juli meine Tochter und meine Enkeltochter in Spanien.» Ihre Augen strahlen vor Freude. Tochter und Enkeltochter sind vor etwas mehr als einem Jahr nach Spanien gezogen, es sei eine grosse Umstellung für sie und sie vermisse die beiden sehr. Wenn Marielen Uster einmal nicht mit ihrer Kulturschiene beschäftigt ist, widmet sie ihre kostbare Freizeit ihrer Mischlingshündin Samba, die sie vor vielen Jahren aus einem Tierheim geholt hat, geht auf lange Spaziergänge und geniesst die Natur. (ft)

 

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