24/2016 Ein Handwerker und Flöten-Virtuose

Von adminZoZuBo ‒ 17. Juni 2016

Ein Handwerker und Flöten-Virtuose

Es war ein Nachmittag ganz für die Ohren. Mit schönen Worten und Klängen wurde am vergangenen Sonntag der mittlerweile 30. Kulturpreis Zollikons verliehen.

In diesem Jahr wurde die Sparte Musik gewürdigt, und die Jury hatte Zürcher Künstler mit enormem Potenzial gefunden. Moderator Michael Gohl von der Kulturkommission fasste sich in seiner Begrüssung somit kurz und überliess den Auftakt dem «Ensemble diferencias», in dem auch der Hauptpreisträger Conrad Steinmann spielt. Er ist ein Virtuose auf der Blockflöte. Ja: Blockflöte. Sie hat nicht das sexy Image des Saxophons, nicht das romantische Flair einer Violine und kann doch so wundervoll und überraschend klingen. Dies demonstrierte das Ensemble mit einer musikalischen Zeitreise mit Kompositionen beispielsweise aus der Renaissance, Syrien und Melodien aus Steinmanns Feder. Es war ein zauberhafter Klangteppich, den die vier Flöten ausbreiteten. Und die Zuhörer konnten sich sofort vorstellen, dass eine einzige Flöte ausreicht, um alle Kinder aus einer Stadt zu ziehen wie es einst der so genannte Rattenfänger tat. Es tönte mal fröhlich und heiter, dann mystisch oder klagend. Schlussendlich wurde die Flöte sogar zum Percussion-Instrument. «Ich finde es mutig, dass ich als Flötist ausgezeichnet werde. Ich bin doch eigentlich nur ein Handwerker, und wenn ich fertig bin, sind alle Töne schon Vergangenheit», so Conrad Steinmann in seiner Dankesrede. Als Komponist, der er ja auch ist, könne er wenigstens hinterher die Noten vorlegen, doch am Sonntag wurde er ausdrücklich als Musiker gewürdigt. Das betonte auch Laudator Alfred Zimmerlin, der selber vor zwei Jahren mit dem Komponisten-Preis geehrt wurde. Er sprach als Komponist, als Musiker und als langjähriger Freund. «Conrad Steinmann wollte einst Archäologe werden, und das ist er nun in der Musik. Er hat den Spaten mit der Flöte vertauscht und hat sich die Freude am Entdecken bewahrt», führte Zimmerlin aus. Er würdige den international bekannten Flötisten als «spezialisierten Generalisten» und als jemanden, der Stille komponieren könne. «Ich freue mich jetzt schon auf weitere Entdeckungen», so Alfred Zimmerlin. Die Karriere des Musik-Archäologen begann früh. Mit acht Jahren entdeckte er das Instrument für sich, schon mit 31 war er selber Dozent. Konzerte führen ihn regelmässig über Moskau und Japan bis nach Australien. Und trotzdem zeigte er sich in Zollikon ganz ohne Attitüde, dafür ganz bodenständig erfreut über den Preis und die damit verbundenen 10 000 Franken.

Sanfte und stürmische Windböen

Den diesjährigen Förderpreis überreichte Gemeindepräsidentin Katharina Kull-Benz an das «Trio Rafale». «Diese Auszeichnung ist ein Aufmunterungspreis. Wir hoffen, noch sehr viel von Ihnen zu hören», unterstrich sie. Die drei Musiker bedankten sich mit wenigen Worten und einem kraftvollem musikalischen Beitrag des jungen Debussy. Es wurde wundervoll sehnsüchtig, dann bedrohlich und dramatisch. Es war, als würden Piano, Geige und Cello in einem temperamentvollen Dialog stehen. «Rafale» ist der französische Name für «Windböe». Und wie eine Böe streicheln oder stürmisch sein kann, so bietet auch das Trio mit Maki Wiederkehr, Daniel Meller und Flurin Cuonz die gesamte emotionale Bandbreite mit ihren Instrumenten. Zwei CDs hat das Trio schon aufgenommen. Eine Anfrage, ein Werk von Maurice Ravel zu spielen, führte die drei jungen Studenten der Zürcher Hochschule der Künste 2008 zusammen. Seitdem agieren sie auch gemeinsam. «Und ich durfte schon in die dritte CD reinhören und kann Ihnen wirklich sehr den Kauf ans Herz legen», so Laudator Daniel Fueter. Selten nur würden so junge Musiker schon so reif klingen. Er betonte auch die Vielseitigkeit des Trios. Sie sind noch viel mehr als «nur» das «Trio Rafale». Sie sind auch Orchestermusiker, Solisten und Lehrer. «Mich freut diese Auszeichnung, die erste an ein Ensemble, als Kammermusiker natürlich besonders», verriet dabei Michael Gohl.  Mit einem Apéro und vielen Gesprächen zwischen und mit den Musikern klang ein feiner und vielseitiger Nachmittag schliesslich aus. (bms)

 

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