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40/2016 Andreas Knoblich – Autogramm für einen Medaillengewinner

Von adminZoZuBo ‒ 6. Oktober 2016

Autogramm für einen Medaillengewinner

Wenn der Zumiker Gitarrenlehrer Andreas Knoblich nach den Sommerferien noch etwas müde gewirkt hat, werden es ihm seine Schüler und Schülerinnen verziehen haben. Der Komponist war just aus Rio zurückgekehrt, wo er eine unglaubliche Zeit erlebte.

«Ein Märchen eigentlich», kommentiert Andreas Knoblich. Er hat gesehen und gehört, wie tausende Menschen vor der Leinwand mitsangen, als sein Lied gespielt wurde. Sein Song «The fire is burning again» war eines der Begleitstücke der Olympischen Spiele. Eigentlich waren «nur» drei Auftritte von ihm und Sängerin Zoe aus Uster geplant. Es wurden mehr – und besser noch: Auf den Boulevards, auf den Strassen sangen Fans seine Zeilen mit. «Mein persönlicher Höhepunkt war ein Auftritt bei der deutschen Residenz, hoch über der Stad. Dort hat mich ein Goldmedaillengewinner um ein Autogramm gebeten», lacht er fast immer noch ungläubig.

Den Anfang dieser Geschichte bildet eigentlich der Moment im Jahr 2009, als klar war, dass die Olympischen Sommerspiele nach Rio de Janeiro vergeben werden. «Ich wusste sofort, dass ich dafür ein Lied komponieren will», so der Konzert-Gitarrist. Schon mehrfach war er in der Millionenstadt gewesen, er liebt die brasilianische Musik, die soviel mehr ist als nur der Samba. «Da ist auch viel Melancholie, viel Moll drin», erläutert er.

Melodie schnell gefunden

Er hatte schon die CD «Happy Birthday Bossa Nova» aufgenommen, ist Erfinder des Gitarrensalons «La Guitare». Die Idee zum «olympischen Stück» war früh geboren, doch erst im Jahr 2015 setzte er sie um. «Als ich die Melodie zu dem Lied gefunden hatte, war es eigentlich schnell geschrieben», so Andreas Knoblich weiter. Doch vom einfachen Lied bis zum Hit ist es ein langer Weg. So fehlte ihm ein Sänger oder eine Sängerin. «Ich kenne viele gute Sängerinnen und Sänger und plötzlich wurde ich von einer erwachsenen Gitarrenschülerin aus Zumikon angesprochen. Diese empfahl mir ein befreundetes Mädchen», weiss der Komponist noch. Dieses Mädchen sei auch bei «The Voice Kids» aufgetreten. Andreas Knoblich wurde misstrauisch. «Eigentlich boykottiere ich solche Sendungen und sehe sie mir nie an. Da werden die Kinder oft ins Rampenlicht geschubst, oft gegen ihren Willen. Das mag ich nicht.» Aber – fast mehr aus Höflichkeit – hörte er sich diese Zoe an. Und er war baff erstaunt. «Ich habe gespürt, dass sie nicht nur richtig gerne, sondern auch wirklich gut singt», so der Komponist, der auch zum Produzenten wurde. «Dieses Mädchen war so authentisch, so voller Lebensfreude. Da ist nichts gekünstelt.» Zusammen mit der Münchner Band Passwort wurde der Song im Studio eingespielt. Aber Andreas Knoblich wollte noch mehr. Er wollte die passenden Bilder dazu, also wurde an geheimen Orten auch noch ein buntes Imagevideo aufgenommen. Das alles war nicht billig. Mehr als eigentlich geplant, war zu dem Moment schon in das Projekt investiert worden. «Aber hätte ich da abbrechen sollen?», zuckt Knoblich die Achseln. Mit dem Song, der auf der einen Seite fast wie eine Hymne, auf der anderen Seite so sehnsüchtig und leicht klingt, ging es dann auf die Suche nach einem Abnehmer.

Auftritt am Strand

Beim ZDF musste der Komponist und Lehrer sich tatsächlich anhören, dass das Lied zu brasilianisch sei. Bei der ARD konnte Andreas Knoblich landen. Einen offiziellen Olympia-Song gab es zu dem Zeitpunkt zwar schon, aber die Rundfunkanstalt sagte zu, das Lied beispielsweise bei den «Bildern des Tages» laufen zu lassen. «Bis zu dem Moment waren schon viele glückliche Zufälle zusammengekommen, dann kam der Coup: Der Generalkonsul aus Rio lud uns ein, für die die deutsche Olympia-Mannschaft zu performen», freut er sich noch im Rückblick. Am deutschen Pavillon – einem von nur zweien, die direkt am Strand aufgestellt waren – liefen die Bilder über eine riesige Leinwand. «Die Leute haben mitgesungen, die Arme nach oben gestreckt. Das war für mich Gänsehaut pur», so der Songwriter. Aufgenommen wurde der Auftritt der erst 13-jährigen Zoe aber auch von Globo TV – der südamerikanischen Fernsehanstalt. «Das war ein weiterer Glücksfall für mich.» Doch vielleicht trifft genau in dem Fall das Sprichwort zu, dass das Glück den Tüchtigen trifft.

«Das Pop-Geschäft ist wirklich hart. Da muss man kämpfen», weiss der Komponist mittlerweile. Und nur weil die Olympischen Spiele nun vorbei sind, ist das ja nicht das Ende für das Lied. Es kann weiter gehört und mitgesungen werden, auf i-tunes gibt es sogar schon eine Electro-Version. Die Zumiker Gitarrenschüler auf jeden Fall wünschen sich, dass ihr Andreas Knoblich nicht zu erfolgreich wird und dann vielleicht nicht mehr für sie da wäre.

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