45/2016 Persönlich Frank Rinderknecht

Von adminZoZuBo ‒ 10. November 2016

Die One-Man-Show

Mit viel Leidenschaft tüftelt der Küsnachter Frank M. Rinderknecht an innovativen Mobilitätskonzepten. Obwohl er fast die Hälfte des Jahres geschäftlich im Ausland weilt, findet der 60-jährige noch genügend Zeit für seine Familie.

ZUMIKON. Not macht erfinderisch. Bereits als Bub schraubte der leidenschaftliche Technikfan Frank M. Rinderknecht an seinem Mofa herum. Nicht zur Freude der Polizei. Die Beamten kamen in die Schule und konfiszierten die zusätzlich eingebauten Kolben und Zylinder. Danach war für den jungen Rinderknecht klar: Neue Teile mussten her. Doch diese waren für den Schüler nicht erschwinglich. Da meinte ein Kollege von Rinderknecht, günstigere Teile zu kaufen wäre möglich, wenn man eine eigene Autowerkstatt besässe. Die Idee leuchtet dem in einer mittelständischen Familie in Küsnacht aufwachsenden Schüler auf Anhieb ein.  Auf dem Papier gründet er bald darauf seine eigene Autowerkstatt. Für sich und seine Mofa-Kollegen bestellt er künftig Motorenteile zum reduzierten Preis. Doch eine Autowerkstatt brauchte einen Namen. Rinderknecht Garage klang für den Mobilitätsfanatiker reichlich unattraktiv. Aus den zwei Worten Rinderknecht und Speed, entstand die Firma Rinspeed. Seit Jahrzehnten sorgt die am Zumiker Strubenacher ansässige Firma mit Konzeptfahrzeugen und zukunftsweisenden Automobiltechnologien in der Szene weltweit für Aufsehen.  

Wer denkt, eine multinational tätige und an sämtlichen grossen Autosalons der Welt vertretene Firma bedürfe einer breit gefächerten Unternehmensstruktur, liegt falsch. Frank M. Rinderknecht ist zugleich Geschäftsführer, Vorstandsmitglied, Unternehmenssprecher und alleiniger Aktionär. Mit dem Wort Karriere tut sich der in Küsnacht lebende Visionär zeitlebens schwer: “Ich wollte im Leben nie Karriere machen und mich nach oben kämpfen. Wenn man im Leben etwas will, kann man viel mehr leisten, als wenn man etwas nicht will“, sagt der 60-Jährige im dunkelblauen Pullover. Er möchte damit ausdrücken, dass wenn eine Person ihre Arbeit mit Leidenschaft und Freude ausübt, der Erfolg oft von alleine kommt. Wenn aus der Arbeit dann eine erfolgreiche Karriere entsteht, ist das natürlich eine nette Begleiterscheinung. Früh war Frank M. Rinderknecht klar, dass er selbständig arbeiten möchte. Sein ETH-Studium hängte er nach vier Semestern an den Nagel. Viel interessanter war der Import von Glasdächern für Autos. Nach bestandener Matura bereits war Rinderknecht nach Los Angeles gereist und dort per Zufall auf einen Hersteller von einbaubaren Glasdächern für Autos gestossen. Er rüstete sein Auto mit solch einem Glasdach aus und stiess damit zurück in der Schweiz auf grosses Interesse bei Autofahrern. Rinderknecht bestellte erst mal fünf Stück davon, dann 50, 500, 5000. Die Glasdächer schlugen ein wie eine Bombe.

Seit anfangs der Neunziger sind es Zumikon und Küsnacht, wo Frank M. Rinderknecht arbeitet, wohnt und lebt.  Für den Itschnacher sind es nicht nur die weiten Grünflächen, die Wälder und die Ruhe, die es ihm hier angetan haben. Auch die Nähe zum Flughafen spielte bei der Standortwahl eine wichtige Rolle, weilt er  doch die Hälfte des Jahres geschäftlich im Ausland. Den Rest der Zeit lebt er mit seiner Partnerin unweit der KEK.  Viel Zeit für Gemeindeaktivitäten bleibt ihm aber nicht und auch im Dorfleben ist er selten anzutreffen «Mein einziger Gang durch die Gemeinde ist der zur Post und zurück», sagt der Küsnachter, der an seinem Wohnort auch die Nähe zur Stadt Zürich schätzt. In seiner beruflichen Tätigkeit konzipiert Rinderknecht in Zusammenarbeit mit über 25 Partnerfirmen selbstlenkende Automobile mit nachhaltigen Antriebslösungen, geringem Gewicht sowie besserer Lenkbarkeit. Sein aktuelles Projekt ist ein sich auf der Stelle drehendes und selbstfahrendes Stadtgefährt mit Namen «Oasis». Die Windschutzscheibe des mit Solarzellen und Gartenbeet bestückten Fahrzeugs, dient dabei als Bildschirm für das abrufen von aktuellen  Navigationsinformationen.  «Oasis» wird Anfang nächstes Jahres in Las Vegas vorgestellt. Trotz Arbeit und Reiserei nimmt sich Rinderknecht genug Zeit für die Familie. Ferienpläne werden entsprechend geschäftlicher Aufenthaltsorte gemacht.

Wenn er nach seinen wichtigsten Punkten in seinem Leben gefragt wird, nennt Frank M. Rinderknecht sicherlich seine 24-jährige Tochter, welche als Innenarchitektin in London lebt. Aber auch das glückliche Geschäft mit den Glasdächern war ausschlaggebend. Doch nicht nur: Nach dem Vietnamkrieg bestand für die verwundet und teils ohne Beine heimkehrenden US-Soldaten eine grosse Nachfrage nach alternativen Mobilitätslösungen. Mit Joystick steuerbare Fahrzeuge waren damals erst in der Entwicklungsphase. Der Tüftler Rinderknecht verfolgte die Entwicklung dieses Marktes genau. Ein Freund von ihm litt damals unter den Folgen von Kinderlähmung und konnte nur einen Arm bewegen. Das Lenken eines Autos war für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung  damals in der Schweiz unvorstellbar. Frank M. Rinderknecht rief den Freund an und überredete ihn, zu ihm nach Amerika zu kommen. Dort stattete ihm der Visionär ein Fahrzeug mit einer behindertengerechten Steuerung aus. Sehr bald erlangte der überglückliche Neulenker seinen Führerausweis und als die amtlichen Hürden auch in der Schweiz geschafft waren, durfte das umgebaute Fahrzeug auch am Schweizer Strassenverkehr teilnehmen. Die Zeit, die Frank M. Rinderknecht damals in LA verbrachte, kann als Schlüsselerlebnis seines Lebens gezählt werden. 

Ein Blick auf die Visitenkarte des Unternehmers lässt eine Vielzahl von Titeln erblicken: CEO, CHO, WRH. Auf Nachfrage erläutert er die Bedeutung der Abkürzung: «CHO» steht für «Chief Headache Officer» also «Chef des Kopfwehs». WRH für «World Record Holder», was er ja mit der Überquerung des Ärmelkanals in einem Amphibienfahrzeug auch ist, sagt er schmunzelnd. Frank M. Rinderknecht hält nichts von beruflichen Titeln aller Art.  «Weil ich karrierelos bin, bin ich auch titellos. Die Amerikaner fahren jedoch derart auf berufliche Titel ab, da habe ich mich halt selbst in die entsprechenden Positionen gehoben. Mir ist nicht der Titel wichtig, sondern der Mensch.» Für ihn hat jeder, der im Leben einen Anspruch an Lernen, Wachsen und Weiterkommen hat, seinen Preis dafür zu zahlen. Zurückgezogen und bescheiden ist Frank M. Rinderknecht an diesem Tag in seiner Firma die einzige arbeitende Person. Im hinteren Bereich des Geschäftshauses glänzen seine Konzeptautos fein säuberlich aufgereiht um die Wette. Dieser Mann hält nichts von Protzerei. Seinen Elektro-Mercedes teilt er sich mit seiner Partnerin. Ach ja, das M. steht für Markus. (lvm)

 

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