47/2017 Die Ära Holzer geht zu Ende

Von adminZoZuBo ‒ 23. November 2017

Die Ära Holzer geht zu Ende

Seit 33 Jahren ist Rainer Holzer Hauswart im Buchholz. Seine Frau Elisabeth und er waren auf dem Schulhaushügel zu Hause. Nun zieht es sie ins Toggenburg und hinaus in die Welt. In ihre Wohnung zieht niemand mehr ein. In den Räumlichkeiten werden die neue Hauswartung, die Schulsozialarbeit und die Berufsberatung ihre Büros und Beratungsstellen einrichten.

Ist Schulhauswart ein Traumjob? «Ja klar», sagt Rainer Holzer überzeugt, «für mich jedenfalls!» Versinkt man nicht in tausend kleine, alltägliche Ärgernisse? Papierfötzel und Zigarettenstummel am falschen Ort, unnötiger Dreck, unflätige Jugendliche, Lärm zu Unzeiten, Abendanlässe, wenn man müde ist, Sisyphusarbeiten? «Nicht, dass es dies alles niemals gäbe», findet Rainer Holzer, «doch der freudige Anteil der Arbeit ist unendlich viel grösser: Frohe Menschen rundum, die es zu schätzen wissen, dass die Schulzimmer blitzen, die Apparaturen funktionieren, ein freundlicher Hauswart stets mit Rat und Tat zu Hilfe eilt, wenn irgendwo etwas nicht ganz reibungslos klappt.» Gerade dies aber ist Rainer Holzers Spezialität. Nichts bringt ihn aus der Ruhe. Er ist ein Dienstleister mit Herz und Seele. Er versteht es, dafür zu sorgen, dass es allen wohl ist, und hilft in allen Notlagen kompetent. Als ausgebildeter Samariterlehrer ist er zur Stelle, wenn sich ein Kind verletzt, als IT-Verantwortlicher rettet er die Lehrpersonen, wenn der Computer plötzlich abstürzt oder der Kopierapparat kurz vor Acht plötzlich aussteigt. Sogar die Kaffeemaschine läuft stets zuverlässig. Und auch als Begleitperson für Schulreisen oder Klassenlager ist Rainer Holzer bei Lehrpersonen und Schülerschaft gerne gesehen.

«Wollte nicht mehr der Böse sein»

Was aber beinahe noch wichtiger ist: Niemand muss sich scheuen, ihn um Hilfe zu fragen. Auch komplizierte Probleme verderben ihm die Laune nicht. Helfer und Retter zu sein liegt ihm im Blut, er macht das gerne. Deshalb wollte er als Jugendlicher nach abgeschlossener Eisen-Betonzeichner- und Maurerlehre zur Stadtpolizei, was er auch tat. Doch die Polizeiarbeit der 80er Jahre liess die Helfer- und Retterträume nur beschränkt zu. Ja, das Gegenteil war der Fall: heftige Polizeieinsätze an Demos beherrschten den Alltag und die Wochenenden der Stadtpolizisten. Eine Arbeit, die ihm nicht bloss schwer fiel, weil er dann seine Frau, die während der Woche als Hauswirtschaftslehrerin arbeitete, allein zu Hause wusste. «Ich wollte einfach nicht mehr der Böse sein», sagt er.So wechselte er zunächst zur Seepolizei, was ihn weniger belastete. Seinem Vater aber, der damals den Posten des Hauswarts im Buchholz innehatte, sagte er schon früh immer wieder im Spass, er übernähme dann einmal dessen Stelle, wenn er in Pension gehe. Dann starb sein Vater unerwartet mit 54 und aus dem Spass wurde Ernst. Rainer Holzer bekam die Zusage sofort per Handschlag. Berufs- und Familienleben gut zu vereinbaren 31 war er damals. 33 Jahre ist es her. Mehr als ihr halbes bisheriges Leben haben er und seine Frau Elisabeth im Schulhaus verbracht. Eine gute Zeit. Was nicht heisst, dass es niemals turbulent zu und her gegangen wäre. Doch sie packten es stets gut an. Froh sind sie beide, dass Elisabeth, die in Reigoldswil im Baselbiet aufgewachsen ist, im Sommer 1972 ein paar Ferientage mit ihrer Cousine vom Zollikerberg in der Seebadi Zollikon verbrachte. Seither sind sie und Rainer zusammen, sie wussten gleich, dass sie zusammenpassten, auch wenn es bis zum ersten Kuss Herbst wurde. Sechs Jahre später heirateten sie und nachdem klar war, dass sie keine eigenen Kinder bekommen konnten, holten sie im Mai 1972 ihren Adoptivsohn Tobias persönlich in Jakarta ab. Froh sind sie, dass sie ihrem Sohn und ihrem Enkel Jeremy in schwierigen Zeiten als engagierte Grosseltern zur Seite stehen konnten. Drei Jahre lang, zwischen seinem zweiten und fünften Lebensjahr, wohnte Jeremy bei ihnen, war rund um die Uhr mit dabei. «Wir sind sehr froh, dass wir erstens unserem Sohn diese Unterstützung anbieten konnten und zweitens diese intensive Zeit mit Jeremy erleben durften», sagen beide, «ohne unsere Berufe auf der Schulanlage und unsere zentrale Wohnung wäre dies nicht möglich gewesen.»

Stets Engagiert, nicht nur im Beruf

Ja, Hauswart und Hauswirtschaftslehrerin waren wirklich die Traumberufe für die beiden. Und sie taten alles dafür, diese auch gut zu erfüllen. Als junger Hauswart holte sich Rainer diverses Rüstzeug, um seinen Job als Helfer und Retter maximal zu erfüllen. Er absolvierte nicht nur Hauswartprüfungen, sondern wurde auch Lehrmeister. Er besuchte nicht nur einen Samariterkurs, sondern wurde gleich Samariterlehrer und bildete sich auch zum IT-Verantwortlichen des Schulhauses weiter. Als Hauswirtschaftslehrerin stieg Elisabeth erst als Troubleshooterin in die Zolliker Schule ein, bevor sie sich selber fest anstellen liess. Fröhlich und unkompliziert wie sie ist, genügte ein Telefon am Morgen, wenn jemand krank war, und sie übernahm Kochkurse. Über die Jahre aber profitierten nicht nur Jugendliche von ihren Kochkünsten, beliebt war auch der Männerkochkurs, der in manchem Haushalt für eine abwechslungsreiche und gesunde gluschtige Kost sorgte! Bei beiden Eheleuten ging das Engagement über den Beruf hinaus. Elisabeth besuchte gleich zu Beginn vor 33 Jahren den Frauenturnverein und übernahm bereits ein Jahr später das Präsidium. Rainer Holzer war bereits als Kind in der damaligen Knabenmusik, als Jugendlicher dann in der Harmonie Zollikon, in die er nach ein paar Jahren in der Korpsmusik der Kapo und der Polizeimusik der Stadt Zürich vor 33 Jahren zurückkehrte und viele Jahre als Präsident vorstand. Auch der Dienst in der Feuerwehr war selbstverständlich. Im Vereinskartell engagierten sie sich beide, sie 12 Jahre als Vizepräsidentin, er 5 Jahre als Kassier. Nun hat die Ära Holzer in Zollikon ein Ende und mit ihr die Zeit, als Hauswarte in unserem Dorf noch auf dem Areal wohnten. Wie bereits im Gemeindehaus und im Schulhaus Oescher werden aus Wohnräumen nun Büros für Mitarbeitende, eine Beratungsstelle sowie ein Sanitätszimmer für die Schülerinnen und Schüler. Holzers ziehen weg. Es ist kein überstürzter Abgang. Er ist von langer Hand geplant. «Wir wussten immer schon, dass wir nach der Pension nicht hier bleiben können», sagen sie, «Zollikon ist ein zu teures Pflaster.» Und so haben sie sich einerseits ein Wohnmobil gekauft und sich andererseits nach einem Häuschen umgesehen. Im Toggenburg sind sie fündig geworden. Viele Wochenenden haben sie bereits sowohl im Haus wie im Wohnmobil verbracht. Es fühlte sich gut an. Und man kann sich gewiss sein: Sie werden die nächsten Jahre geniessen: unterwegs durch Europa, genauso wie in ihrer neuen Heimat. (db)

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