Kirchen erhalten Starterlaubnis

Von Tobias Chi ‒ 19. November 2020

Die Mitglieder der reformierten Kirchgemeinden Zollikon und Zumikon stimmten den Plänen für einen Zusammenschluss deutlich zu. Trotzdem herrschte nicht nur Einigkeit.

Vielleicht bald unter einem Dach: Die reformierten Kirchen in Zollikon (l.) Zumikon (m.) und Zollikerberg. (Bilder: Archiv)

Über ­einen Zusammenschluss der reformierten Kirchgemeinden Zollikon und Zumikon wird schon seit ­längerem nachgedacht. Der Grund liegt in erster Linie im Mitgliederschwund aufgrund aktiver Austritte und demografischer Verschiebungen. Letzten Sonntag konnten die Mitglieder beider Gemeinden über die entsprechende Vorlage befinden. In Zollikon fand die Kirchgemeindeversammlung im Anschluss an den Gottesdienst im Zollikerberg statt. In Zumikon wurde aufgrund der strengen Schutzmassnahmen der Gemeindesaal als Veranstaltungsort bestimmt.

Nur rund drei Dutzend Personen fanden um 11.30 Uhr den Weg in den reformierten Kirchgemeindesaal im Zollikerberg. Gezählt wurden dann 32 Stimmberechtigte. Die geringe Teilnehmerzahl entsprach nicht der Bedeutung des Anlasses für die reformierte Kirchgemeinde. Renato Römer, Leiter Verwaltung, gab vor Beginn der Veranstaltung zu, etwas nervös zu sein. «Die Zukunft unserer Kirchen steht heute auf dem Spiel.» Doch bevor über das «Mandat zur Erarbeitung des Szenarios Zusammenschluss Zollikon-Zumikon» abgestimmt wurde, standen noch vier weitere Punkte auf dem Programm. All diese Vorlagen – Anpassungen der Kirchgemeindeordnung, Jahresrechnung 2019, Budget und Steuerfuss 2021 und Erhöhung eines Fonds zur Vorfinanzierung von Liegenschaften – wurden einstimmig angenommen.

Bestehendes Angebot wird nachhaltiger

Endlich kam das Traktandum 5 an die Reihe. Kirchenpflegepräsidentin Hanni Rüegg warb für die Vorlage. «Trotz des schrumpfenden Budgets versuchen wir unser Bestes», sagte sie und erinnerte etwa an das erfolgreich gestartete Café am Puls, das ein Begegnungsort für Jung und Alt sei. Bei der nicht zustande gekommenen Kooperation 5+ mit drei weiteren Kirchgemeinden habe man gute Erfahrungen sammeln können, was schliesslich zur Idee einer Fusion der Kirchgemeinden Zollikon und Zumikon geführt habe. «Wir sind überzeugt, dass ein Zusammenschluss das bestehende Angebot nicht verdrängt, sondern nachhaltiger macht.»

Hanni Rüegg erklärte nochmals, was die Mandatserteilung bedeuten würde: «Nach dem heutigen Startschuss könnten Arbeitsgruppen gebildet werden, die sich bis nächsten Frühling intensiv mit der Ausarbeitung eines Zusammenschlusses beschäftigen.» Danach würde ein Entwurf präsentiert, über den im November 2021 abgestimmt werden könnte. Nach der Wahl der Behörden schliesslich könnte der Zusammenschluss der Kirchgemeinden 2022 umgesetzt werden.

«Moment der Unfreiwilligkeit»

Bevor es zur Abstimmung kam, ergriff Pfarrer Simon Gebs das Wort. Auch er bewarb das Projekt, hinter dem das ganze Pfarrteam stehe. Zugleich verschwieg er nicht das «Moment der Unfreiwilligkeit»: Als er 1996 als Pfarrer in Zollikon angefangen habe, habe die Kirchgemeinde über 6000 Mitglieder verfügt. Heute seien es weniger als 4000. Der Zusammenschluss von Zollikon und Zumikon bedeute, dieser Realität proaktiv zu begegnen. «Mir geht es auch darum, die Grundversorgung sicherzustellen.» Neben der Notwendigkeit dieses Schrittes ortete er dabei auch eine «Lust an der Zukunft».

Auf diese Rede folgte endlich der Moment, auf den man so lange gewartet hatte. Die Erleichterung war gross, als alle Stimmberechtigten die Vorlage annahmen. Während der anschliessenden Mitteilungen wurde auch das Abstimmung­sergebnis aus Zumikon verkündet, das weniger einstimmig ausgefallen war als jenes im Zollikerberg.

Zwei Gegenanträge in Zumikon

An der Parallelveranstaltung im ­Gemeindesaal Zumikon wurden 62 Stimmberechtigte gezählt – also fast doppelt so viele wie in Zollikon. Auch relativ gesehen war der Andrang um einiges grösser, da Zollikon über 4000 Mitglieder verfügt und Zumikon über 1500. Hier stand das wichtigste Geschäft zuoberst auf der Liste, weshalb es auch gleich zur Sache ging. Zwei Kirchgemeindemitglieder stellten Gegenanträge. Conrad Frey plädierte für Zusammenarbeit statt für Zusammenschluss: «Man sollte sich vielleicht erst verloben, ehe man gleich heiratet.» Der zweite Gegenantrag von Gustav Egli warb dafür, weitere ­Varianten zu prüfen – auch eine ­Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche mit Blick auf die Liegenschaften. Beide Anträge wurden jedoch eindeutig abgelehnt.

Kirchenpflegepräsident Malte Müller machte sich für die Notwendigkeit des Zusammenschlusses stark: «Wir haben mehr Abdankungen als Taufen.» Die Landeskirche würde Stellen bei den Pfarrpersonen streichen. Frieder Furler, ehemaliger Pfarrer und Prozessbegleiter für Zumikon und Zollikon, unterstrich, dass die Bedingungen für beide Gemeinden hervorragend seien. «Die Phase des Variantensuchens ist nun vorbei.» Den ersten Gegenantrag konterte er mit dem Argument, dass ein Zusammenschluss schlicht nachhaltiger sei als eine Zusammenarbeit. Das sah auch eine deutliche Mehrheit der Stimmberechtigten so: 48 – über drei Viertel – stimmten der Vorlage zu.

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