Ciao Corona

Von Simon Bühler ‒ 27. Mai 2021

Die Universität Zürich hat im Rahmen der «Ciao Corona»-Studie zum dritten Mal 2500 Kinder auf Antikörper gegen das neue Coronavirus getestet. Für das gross angelegte Forschungsprojekt haben auch Schulkinder aus Zollikon und Zumikon ihr Blut «gespendet». Die Schulleitungen ziehen eine positive Bilanz und freuen sich auf die anstehenden Lockerungen.

Blutentnahme für die «Ciao Corona» Studie durch Fachkräfte. (Bild: zvg)
Blutentnahme für die «Ciao Corona» Studie durch Fachkräfte. (Bild: zvg)

Die Studie «Ciao Corona» der Universität Zürich erforscht mit einer Langzeitbeobachtung der Antikörperentwicklung, wie sich SARS-CoV-2 unter Schülerinnen und Schülern ausbreitet. In bisher drei Phasen wurde das Venenblut von rund 2500 Schulkindern und Jugend­lichen im Alter von 7 bis 17 Jahren aus 275 Klassen an 55 Schulen im Kanton Zürich auf Antikörper getestet. Dabei haben auch Schulklassen aus der Primarschule und ­Sekundarschule Zollikon sowie aus der Primarschule Zumikon teilgenommen. Die Resultate der beiden Gemeinden decken sich weitgehend mit dem kantonalen Befund: Knapp 20 Prozent aller Kinder ­haben bis April 2021 Antikörper gegen das neue Coronavirus gebildet. Zwei Drittel der infizierten ­Kinder und Jugendlichen blieben symptomlos. Bei 80 Prozent der infizierten Schülerinnen und Schüler blieben die Antikörper mindestens sechs Monate erhalten. Noch ist unklar, wie lange die natürliche Immunität anhält.

Seit Juni 2020 stieg der Anteil ­Kinder, die eine Infektion durch­gemacht und Antikörper entwickelt haben, von zwei auf 19 Prozent. Die Infektionsrate ist damit vergleichbar mit jener der Eltern und des Schulpersonals. Insgesamt zeigen sich keine wesentlichen Alters- oder Geschlechtsunterschiede, ausser dass die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe etwas weniger betroffen waren, was sich mit der früher eingeführten Maskenpflicht und höherer Disziplin bei der Umsetzung der Schutzregeln erklären lässt. Dass die Maskenpflicht einen positiven Effekt hatte, deckt sich mit der Praxiserfahrung von Georges Behna, Schulleiter der Primarschule Oescher: «Ich musste etwa fünf Klassen schliessen, zweimal sogar dieselbe. Als die 4. – 6. Klassen auch maskenpflichtig wurden, hatten wir keine Mittelstufenklassen mehr, die in Quarantäne mussten, dafür aber Kindergärten und Unterstufenklassen.» Einen positiven Effekt der Maskenpflicht konstatiert auch Simone Hürlimann. die Schulleiterin der Sekundarschule Buechholz: «Zwischen den Sommer- und Herbstferien mussten an der Sekundarschule Buechholz zwei Klassen in Quarantäne. Seither gilt Maskenpflicht, sodass eine Quarantäne nicht mehr nötig ist.» Die Um- und Durchsetzung der Massnahmen sei nicht allzu schwierig: «Ab und zu müssen wir wieder ans korrekte Tragen der Masken erinnern, aber das klappt immer besser.»

Massnahmen anpassen

Bei allen Fragezeichen halten die Verantwortlichen der «Ciao Corona»-­Studie fest, dass Schulen keine überbordenden Super-Spreading-Herde sind. Dennoch empfehlen sie nach wie vor ein Paket von Massnahmen anzuwenden. Ausserdem stützen die schulbasierten kantonalen Zahlen des Contact Tracings die Richtlinie, die Quarantänemassnahmen auf einzelne Klassen und Schulen zu beschränken, anstatt Schulen generell zu schliessen. Damit gewichten die Experten das Recht auf ­Gesundheit und Bildung und die Gefahr von psychischen und sozialen Ungleichheiten hoch. Dass die Kinder und Jugendlichen unter dem Druck der Situation leiden, stellt Simone Hürlimann mit Besorgnis fest: «Wir hatten im Herbst und Winter viele kleinere Sachschäden. Ob das mit der Pandemie zusammenhängt, kann ich nicht sagen. Es fällt aber auf, dass viele Schülerinnen und Schüler mental an den Anschlag gekommen sind und unter der Situation leiden.»

Positive Bilanz

Philipp Apafi, Schulleiter der Primarschule Zumikon, hat die Zusammenarbeit mit den Studienverantwortlichen in guter Erinnerung: «Bei uns haben je drei Schulklassen aus der Unter- und Mittelstufe an der Testung teilgenommen. Diese ist dank der super Informationspolitik und dem grossen Studienteam reibungslos verlaufen, ohne den Schulbetrieb allzu stark zu tangieren.» Philipp Apafi blickt relativ gelassen auf die vergangenen Monate zurück: «Wir hatten zwar immer mal wieder einzelne Kinder, die positiv getestet wurden, mussten aber zum Glück nie ganze Klassen in die Quarantäne schicken und sind bisher glimpflich davongekommen.»

Auch Simone Hürlimann stellt den Testungen ein gutes Zeugnis aus: «Bei uns in der Sek wurden Schüler und Schülerinnen aus drei Klassen getestet. Die Durchführung hat reibungslos funktioniert. Die Mitarbeitenden waren sehr freundlich und geduldig mit den Jugendlichen.» Was hat sie mit Rückblick auf die vergangenen Monate aus der Krise gelernt? «Die kurzen Fernunterrichtsphasen für die Klassen in Quarantäne haben vom Unterricht her gut funktioniert. Es zeigte sich aber, dass der soziale Austausch gefehlt hat und wie wichtig dieser ist.»

«Die Zusammenarbeit mit der Studienleitung und deren Mitarbeitenden fanden wir sehr gut, verständnisvoll, freundlich, gut organisiert. Auch die Schülerinnen und Schüler fühlten sich ernst genommen und befanden sich stets in einer guten Atmosphäre.» Georges Behna zieht sowohl punkto der Studie als auch im Rückblick auf die bisherige ­Krisenbewältigung eine positive Bilanz: «Die Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler haben die Krise sehr gut gemeistert. Die Schule Zollikon hat ein gutes Schutzkonzept, welches klar verständlich ist.» Allerdings mussten nach dem Lockdown und der Wiedereröffnung der Primarschule Oescher einige Klassen wegen einzelner Fälle in Quarantäne. «Das war für alle höchst mühsam.» Doch Behna kann der Krise auch etwas Positives abgewinnen: «Für alle ­Beteiligten waren das neue Erfahrungen, die zwar anstrengend, aber auch lehrreich waren. Auch weil wir alle mit den elektronischen ­Medien einen Riesenschritt vorwärts gemacht haben.»


Lockerungen an Zürcher Schulen

In Anbetracht der positiven epidemiologischen Entwicklung hat die Bildungsdirektion vorsichtige Lockerungen an den Schulen beschlossen: Auf Volksschulstufe wird auf den 31. Mai die Maskentragpflicht im Freien aufgehoben, in Innenräumen wird sie bis zu den Sommerferien verlängert. Der Schwimmunterricht in Hallenbädern ist ab der 4. Klasse der Primarschulstufe wieder zulässig.

Schulveranstaltungen sind auf allen Schulstufen unter Berücksichtigung der Bundesvorgaben möglich, und unter Einhaltung eines bewilligten Schutzkonzepts können auch Klassenlager durchgeführt werden. Dies gilt auch für die Mittel- und Berufsfachschulen.

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