Freitag, 24. März 2023

Zolliker Frauenpower für die Schweizer Tafel

Von Sabine Born ‒ 4. November 2021

Chantal Senft engagierte sich über 15 Jahre für die Schweizer Tafel, Kristina Lindberg seit über einem Jahr, zwei Zolliker Frauen, die viel Zeit in ein Ehrenamt stecken, das mit einer einfachen Idee grosse Wirkung erzeugt: Über­schüssiges Essen wird verteilt, Armut gelindert.

Chantal Senft und Kristina Lindberg investieren viel Zeit in ein Ehrenamt. (Bild: ab)

Sabine Born

Die Stiftung Schweizer Tafel sammelt bei Produzenten, Grossverteilern und Detaillisten Lebensmittel ein und verteilt sie gratis an soziale Institutionen wie Obdachlosenheime, Gassenküchen, Notunterkünfte, Asylzentren und andere Hilfswerke. Lebensmittel, die das Verkaufsdatum überschritten haben, aber einwandfrei sind. 16 Tonnen sind es täglich, die in elf Regionen an 500 Organisationen verteilt werden. Ein bestechendes Konzept, das einen Teil vom Überfluss in die Waagschale der Armut wirft: Hier mindert es Foodwaste, dort lindert es Armut.

Die Idee ist einfach, die Logistik aufwändig: 16 Festangestellte und viele freiwillige Helferinnen und Helfer sind täglich im Einsatz. Oberstes Organ ist der Stiftungsrat mit acht Ehrenamtlichen. Langjähriges Mitglied war Chantal Senft, 61, aus Zollikon. Die gelernte Modellistin studierte an der HSG, arbeitete im Textilbereich, später im Management Consulting. Sie ist verheiratet und hat zwei Töchter. Als diese in die Primarschule kamen, kündigte sie ihren Teilzeitjob, um mehr Zeit für die Familie und für ehrenamtliche Engagements zu haben, so wie das bereits ihre Eltern und Grosseltern taten.

Langjähriges Mitglied im ­Stiftungsrat

Als Chantal Senft 2005 von einer Freundin erfuhr, dass die Schweizer Tafel in Zürich Verstärkung benötige, war für sie klar. «Hier möchte ich mich einbringen.» Das tat sie jahrelang mit viel Elan. Gratis und franko – weil sie in ihrem Leben reich beschenkt worden sei, während für andere die Rechnung Ende Monat nie aufgehe.

Die Schweizer Tafel war damals in Bern, Zürich, Basel, Luzern, Aarau und Freiburg aktiv. Fünf der sechs Städte generierten mit sogenannten Tafel-Logen Spendengelder. «Zur Mittelbeschaffung entstand ein nationales Netzwerk für Frauen, die sich in den Tafel-Logen engagierten. Unter meiner Ägide führten wir die Logen in den Verein Schweizer Fundraising, den heutigen Gönnerverein, über.» Chantal Senft wurde 2005 Präsidentin der Tafel-Loge ­Zürich, 2009 ausserdem Präsidentin des Gönnervereins und Mitglied des Stiftungsrates. 2020 trat sie zugunsten einer Verjüngung aus dem Stiftungsrat aus.

Erfolgreicher Suppentag

«Am 19. November 2004 organisierte Yvonne Kurzmeier, die Gründerin der Schweizer Tafel, den ersten Suppentag, um den Wegfall eines grösseren Spenders zu kompensieren. Wir haben diese Aktion für Zürich übernommen. Zuletzt generierten wir mit einem Mailing anlässlich des Suppentages Spendengelder von über 60 000 Franken allein in Zürich. Der Suppentag wurde zum grössten und wichtigsten Spendenanlass der Schweizer Tafel», erklärt Chantal Senft. Und er bringt die Armut auf den Tisch, die kaum sichtbar für viele schmerzhafter Alltag ist. Mit Vorträgen an Schulen und in anderen Institutionen hat Chantal Senft der Armut immer wieder ein Gesicht verliehen.

Letztes Jahr wurde der Suppentag coronabedingt abgesagt, dieses Jahr findet er am 25. November wieder statt, allerdings in abgespeckter Form. «Aufgrund von Restriktionen, die uns Stadt und Kanton auferlegt haben, müssen wir die Essensausgabe auf 500 Personen beschränken. Das ist sehr schade, zumal in Basel keine Einschränkungen gelten», erklärt Kristina Lindberg, die sich seit eineinhalb Jahren für den Gönnerverein Schweizer Tafel engagiert, betroffen darüber, wie viele Familien, Alleinerziehende und Working Poors in die Armut rutschen. «Auch viele Seniorinnen und Senioren, die sich ein Leben lang einbrachten und jetzt kaum über die Runden kommen.» Das berühre sie sehr, ebenso wie die Geschichte einer Bekannten, die ihr zeigte, wie schwer der Gang zum Sozialamt ist, der letzte Ausweg. Armut ist auch mit viel Scham behaftet.

Feine Suppen von Gastrobetrieben

Kristina Lindberg ist 54, wohnt seit 15 Jahren in Zollikon und hat einen 17-jährigen Sohn. Die gelernte Pharmaassistentin arbeitete zehn Jahre bei der Swissair, später für die schweizerisch-chinesische Wirtschaftskammer und ein Medizinal-Unternehmen. Jetzt arbeitet sie Teilzeit an einer privaten Montessori-Schule in Wollishofen. Sie unterrichtete während sieben Jahren Sport und Gestaltung, hat inzwischen eine Montessori-Ausbildung begonnen und ist unter anderem als Klassenassistentin im Einsatz – «ohne PH aber mit Herzblut», wie sie sagt.

«Ich bin am Suppentag für die Betreuung der Sponsorinnen und Sponsoren verantwortlich, organisiere unter anderem die Brot- und Suppenlieferungen. Sechs renommierte Gastrobetriebe spenden köstliche Suppen, darunter eine Minestrone, eine gebundene Ochsenschwanzsuppe mit Trüffeln und eine Randensuppe, die wir vor dem Haupteingang der Credit Suisse auf dem Paradeplatz servieren.»

Promis im Dienst der Schweizer Tafel

Und wer dort am 25. November eine Suppe geniesst, wird womöglich von Andri Silberschmidt oder Petra Gössi bedient, beides FDP-Mitglieder des Nationalrats. Auch Meta Hiltebrand, Fernsehköchin und Gastrounternehmerin, Moderatorin Kiki Maeder oder die zwei ZSC-Stürmer Denis Hollenstein und Kyen Sopa helfen mit. Und – auf sie freut sich Kristina Lindberg ganz besonders: Kommunikationsprofi und Managerin Beatrice Tschanz. «Ich habe kurz vor Halifax aufgehört zu fliegen, war von dem Unglück betroffen und überwältigt, wie souverän Beatrice Tschanz diese Krise gemeistert hat.»

Für Kristina Lindberg wird der 25. November also der Tag, an dem sie die starke Swissair-Frau persönlich kennenlernt und der erste Suppentag, den sie als Helferin mitorganisiert. Der erste aber nicht der letzte. Die engagierte Frau aus Zollikon führt fort, was eine andere viele Jahre und mit sehr viel Herzblut geleistet hat.


Sie möchten die Schweizer Tafel unterstützen?

Spenden auf das Konto CH05 0483 5050 7767 5000 0, Credit Suisse AG, 8070 Zürich, via Twint oder am 25. November anlässlich des nationalen Suppentags von 11.30 bis 14.30 Uhr vor der Credit Suisse auf dem Paradeplatz.

goennerverein-zh.schweizertafel.ch

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