Kunst kennt viele Wege

Von Birgit Müller-Schlieper ‒ 9. Dezember 2021

Lisbeth Burri und ihre Töchter Katri und Sabina zeigen eine enorme Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten.

Fotografien und Objekte von Katri (l.) und Sabina Burri. (Bilder: bms)

Der Name «Burri» ist in Zumikon und weit darüber hinaus ein Magnet. So kamen fast hundert Besucher und Besucherinnen zur Vernissage der drei Künstlerinnen in die Galerie Milchhütte. «Wir haben extra noch ein Zelt aufgestellt, weil die Galerieräume viel zu klein sind», erklärt Sabina Burri.

Inmitten des Treibens sass Lisbeth Burri. Das Leben und Schaffen der Zumikerin in Worte zu fassen, ist nicht einfach. 1926 in Aarau geboren, besuchte sie die Kunstgewerbeschule Zürich, reiste für zwei Jahre in die USA und betrieb vor allem Studien in Indianerreservaten. Nach ihrer Rückkehr gründete sie ein Atelier für Textilentwürfe in Zürich. 1952 ging sie wieder auf Reisen und leistete im Auftrag der Schweizerischen Europahilfe Wiederaufbauarbeit in Nordgriechenland nach dem Ende des dortigen Bürgerkriegs.

Seit 1955 ist Lisbeth Burri freischaffend tätig. Sie nahm unter anderem teil an der dritten Biennale der deutschen Textilkunst in Krefeld und an der internationalen ­Biennial of Arts and Crafts in Bratislava. Gerne arbeitete sie auch mit nichttextilen Materialien – wie die aktuelle Ausstellung zeigt. Ihre Objekte sind aus Draht, Drahtgitter oder Nylonbändern.

Ihre Arbeit prägte auch der Architekt Oskar Burri, den sie 1951 heiratete. Für seinen Bau des Schulungszentrums der Schweizerischen Nationalbank in Hasliberg gestaltete sie 1982 die Tapisserie «Strahlen» im Handdruck mit Blattgold. Für das raumgreifende zweiteilige Textilwerk «New York New York» (1988/89) bedruckte sie einen rohweissen, zweilagig verarbeiteten Wollstoff in einer eigens entwickelten Technik beidseitig von Hand.

Sandsturm in Burkina Faso

Als Kuratorin und Bildredaktorin ist ihre Tochter Katri Burri spezialisiert auf Dokumentarfotografie. Als freischaffende Fotografin war sie für zahlreiche Zeitungen und Magazine tätig. In der aktuellen Ausstellung zeigt sie eindrückliche Momente. Da ist der Blick in ein Wartezimmer beim Arzt in einem Flüchtlingslager im Sudan. Da fegt ein Sandsturm über ein Lager in Burkina Faso. Katri Burri wählte Bilder früherer Reportagen aus der Schweiz, Polen und Afrika. Die Flüchtlingsthematik lag ihr immer am Herzen. Jedes Bild vermittelt einen behutsamen Einblick in oft prekäre Lebensumstände und lässt zugleich eine grosse Nähe zwischen der Fotografin und den Porträtierten aufblitzen.

Mit differenzierten Augen betrachtet die ehemalige Bühnenbildnerin Sabina Burri Alltagsgegenstände und auch Fundstücke. Sie gibt ihren Objekten eine ganz neue Bedeutung. Ein Stanzrohling einer Kartonschachtel kann zu einem Maluntergrund werden, QR-Codes wandeln sich in farbintensive Bilder. Die zwei Burri-Generationen zeigen noch bis zum 19. Dezember, wie unterschiedlich Kunst interpretiert werden kann.

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