Erinnerungen aus Ton

Von Birgit Müller-Schlieper ‒ 10. Juni 2022

Fredi Früh öffnet das Atelier seiner verstorbenen Schwester. Besucher dürfen Andenken an die Keramik-Künstlerin mit nach Hause nehmen.

Keramik jeglicher Farbe und Grösse gibt es zu erstehen. (Bild: bms)

In fast 30 Jahren hat Ursula Früh in ihrem Zumiker Atelier Kurse rund um das Material Ton angeboten. Sie zeigte Kindern und Erwachsenen, was mit dem Material geformt werden kann, wie konkrete und phantasievolle Figuren entstehen. Doch die Künstlerin hat nicht nur gelehrt, sie hatte selber auch eine enorme Schaffenskraft. Sie stellte in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland aus und betreute Lernende und Praktikanten. Ihr fachliches Rüstzeug holte sie sich während vier Lehr- und Wanderjahren in verschiedenen Keramikwerkstätten der Schweiz, in Frankreich, Kanada und den USA.

Als Ursula Früh Ende März dieses Jahres verstarb, stand ihr Bruder vor einem übervollen Atelier auf zwei Etagen. «Gemeinsam mit unserer 86-jährigen Mutter war ich einfach nur überfordert», erzählt Fredi Früh. Er wusste schlicht nicht, was er mit den vielen Objekten anfangen soll. «Natürlich hätte ich sie irgendwo einlagern können. Aber wozu? Sie einfach zu entsorgen, kam mir auch nicht richtig vor.» Er entschied sich für den Weg, den vielen Freunden, Bekannten, ehemaligen Kursteilnehmern, Nachbarinnen und Nachbarn eine Freude zu machen. So sind denn diese am morgigen Samstag im Atelier von Ursula Früh an der Küsnachterstrasse 17 willkommen, um sich eine Erinnerung mitzunehmen. «Ich hätte auch eine Verkaufsausstellung machen können, aber ich kann den Wert der Exponate nicht einschätzen», erklärt der Berufs­musiker aus Affoltern am Albis. So können alle spenden, was sie möchten – oder sich selbst ein Geschenk machen. Schon einige Freunde und ehemalige Schüler haben diese Chance bereits genutzt. Dabei kam es zu Erinnerungen, zu Anekdoten, auch zu emotionalen Momenten. «Es war die Möglichkeit, nochmals Abschied zu nehmen.» Am Anfang habe der Nachlass und die Auf­lösung wirklich Sorgen bereitet. Im Laufe der Zeit habe es ihm aber richtig Spass gemacht. «Ich habe viele gute Gespräche führen können.» Er hofft nun, dass viele der Objekte einen neuen Platz finden. Sollten morgen Abend noch Skulpturen übrig sein, würde Fredi Früh einen weiteren Verschenk-Tag einrichten. «Was dann noch übrig ist, muss ich entsorgen.» Ende des ­Monats müssen die Atelier-Räume leer sein, dann zieht Béatrice ­Marschel-Lion ein, die schon in der Galerie Milchhütte ausgestellt hat. Auch sie ist bildende Künstlerin, somit wird es an der Küsnachterstrasse weiterhin Kurse für Erwachsene und eventuell auch für Kinder geben. Wer sich heute schon einen Eindruck von Ursula Frühs Arbeiten holen möchte, kann das über ­Facebook. Unter art-ceramics sind ­Werke zu sehen – begleitet von der wunderschönen Gitarrenmusik des Bruders.

Samstag, 11. Juni, 11 bis 18 Uhr, Küsnachterstrasse 17

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