Beugi-Initiative endgültig vom Tisch

Von Birgit Müller-Schlieper ‒ 30. Juni 2022

Ortskern und Wohnungsbau sollen getrennt verfolgt ­werden. Dies haben Genossenschaften und Gemeinderat gemeinsam entschieden.

Die Studenten der ETH können sich freuen: Sie bleiben im Beugi. Die Initiative Widmer ist definitv gescheitert. (Bild: Archiv)
Die Studenten der ETH können sich freuen: Sie bleiben im Beugi. Die Initiative Widmer ist definitv gescheitert. (Bild: Archiv)

Was lange währt, wird nicht zwangsläufig gut. Vor neun Jahren bereits begann die ­Planung zur Ortskernentwicklung Zollikon – nun kommt das Aus für die Beugi-­Initiative. Es gab Machbarkeitsstudien, zahlreiche öffentliche Info-Veranstaltungen, Testplanungen, ein Projekthandbuch, Sitzungen und schliesslich eine ­Urnenabstimmung für die Initiative Widmer.

Zwei Jahre lang hat ein Projektteam an der Realisierung gearbeitet und musste nun bestätigen, was sich schon lange abzeichnete: Die Initiative kann nicht realisiert werden. Das Ziel wurde somit nicht erreicht, aber Gemeindepräsident Sascha Ullmann und Initiant Jürg Widmer erklären in einer Medienmitteilung, dass der Weg sich doch gelohnt habe. So sei die Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat, Verwaltung und Baugenossenschaften wertvoll und fruchtbar gewesen.

Bedarf an öffentlicher Nutzung

Für das Scheitern sprechen zwei Gründe: Die Gemeinde müsste nachweisen, dass auf dem Beugi-Areal langfristig kein Bedarf an öffentlicher Nutzung bestehe. Dieser Nachweis könne nicht erbracht werden. «Die Verhältnisse haben sich seit der Erarbeitung der Baurechtsvorlage 2016 erheblich verändert», erklärt Sascha Ullmann. Unter anderem gibt es neuen Bedarf an Freiräumen. Dementsprechend fehle es an den Voraussetzungen für die Realisierung von Wohnbauten. «Eine Umzonung wäre deshalb aus heutiger Sicht kaum mehr bewilligungsfähig.»

Das sieht auch Jürg Widmer so. «Mir ist es wichtig, dass wir langfristig einen attraktiven Ortskern haben. Gerade mit Blick auf das Schulareal ist eine grüne Insel von grosser ­Bedeutung», unterstreicht er seine Zustimmung zum Entschluss.

Schon im Vorfeld hatte sich abgezeichnet, dass günstiger Wohnbau im Ortskern nicht hätte gebaut werden können. Durch das neue Mehrwertausgleichsgesetz wäre eine ­Abgabe in Höhe von 4,7 Millionen Franken entstanden. Dies hätte sich auf den Mietzins ausgewirkt. Unabhängig vom Beugi-Areal möchte Jürg Widmer aber am Plan von genossenschaftlichem Wohnraum festhalten. Daher seien alle Liegenschaften der Gemeinde unter die Lupe genommen worden. Am ehesten käme die Roswies im ­Zollikerberg für eine Bebauung in Frage.

Entscheidung an der Urne

Dies wurde auch an der jüngsten Gemeinderatssitzung beschlossen. «Damit werden wir die beiden Ziele – bezahlbaren Wohnraum und Ortskernentwicklung – trennen», erläutert der Gemeindeprä­sident. Wahrscheinlich wird die Stimmbevölkerung im kommenden Herbst über die Aufhebung der Initiative an der Urne abstimmen. Da der Auftrag via Urne gekommen ist, muss diese Instanz gewählt werden. Damit fällt es nicht ins ­Gewicht, dass die Gemeindeversammlung für den September bereits abgesagt wurde.

Für Freude wird dieser Entscheid bei den Studierenden sorgen, die derzeit im ehemaligen Altersheim wohnen können. Der Mietvertrag mit der ETH wurde erst kürzlich um ein weiteres Jahr bis Ende Juni 2024 verlängert.

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