Die Schweizer Style Queen

Von Antje Brechlin ‒ 7. Juli 2022

1984 wurde Luisa Rossi zur ersten Miss Zürich gewählt. Danach startete sie eine ­Model-Karriere, arbeitete als Agentin für Haar- und Make-up-Agenturen. Fernsehformate wie «Cinderella», «Lifestyle» und «Glanz & Gloria» machten sie zur national bekannten Stylistin. Ihre Heimat ist der Zollikerberg.

Luisa Rossi fühlt sich seit 30 Jahren in Zollikon zu Hause. Seit elf Jahren lebt sie im Zollikerberg. (Bild: ab)
Luisa Rossi fühlt sich seit 30 Jahren in Zollikon zu Hause. Seit elf Jahren lebt sie im Zollikerberg. (Bild: ab)

Wie wird man Stylistin?

Das hat sich so ergeben. Geplant war es nicht, wie das meiste in meinem Leben. Als Kind wäre ich gerne Ballerina geworden, leider fehlte das Talent. Ich wurde Zahnarzthelferin. Aber nicht lange, denn 1984 wählte man mich zur ersten Miss Zürich. Das war der Einstieg in die Modewelt. Eine spannende Zeit, aber als mein Sohn vor knapp 30 Jahren zur Welt kam, musste ich mich umorientieren. Die Beziehung zum Vater ging in die Brüche, plötzlich war ich alleinerziehend. Ich gründete mit Valentino, einem Jugendfreund, eine Haar-, Make-up- und Styling-Agentur. In der Zeit hat sich mein Job zur Stylistin entwickelt.

Ein steiniger Weg?

Ja. Ich nahm jeden Job an, der mit Kleinkind möglich war, wusch Haare, arbeitete in einer Model-Agentur, in einem Laden, nahm Model-Aufträge, oder Styling-­Angebote an. Ich war und bin glücklicherweise breit aufgestellt und habe mir immer vieles zugetraut. Finanziell gesehen waren es sieben harte Jahre. Unter dem Strich hat mich aber gerade diese Zeit geprägt und zu der gemacht, die ich heute bin. Man muss schwere Zeiten erleben, um die Guten zu erkennen. Das macht dankbar.

Sie arbeiten als Stylistin, auf Tele Züri als Fashion-Expertin – und haben sich zur Yogalehrerin ausbilden lassen. Was treibt Sie an?

Die Neugier und der Wille, dran zu bleiben. Ich sehe gerne zu, wie sich die Jugend entwickelt, da kommt mir auch meine Fashion-Dozententätigkeit an der Schweizerischen Textilfachschule zugute. Da erlebe ich, welche Bedürfnisse junge ­Menschen punkto Mode und Style haben. Weiterentwicklung ist mir wichtig, sei es im Social-Media-­Bereich, in der Mode oder in der Moderation von Events.

Sie sind also noch nicht angekommen?

In mir selbst schon, aber es ist ­Arbeit, sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Beruflich wäre es schade, zu behaupten, es geschafft zu haben. Ich will dazu lernen und authentisch bleiben. Jahrelang habe ich gesät, war fleissig und erledigte alle Aufträge gewissenhaft. Ich weiss, wie ich stets aufs Neue wachsen kann, denn ich will ja auch für meine Kunden interessant bleiben.

Wie modisch sind die Schweizer und Schweizerinnen?

In Zürich sind viele sehr gut angezogen. Sich gut anzuziehen ist aber auch ein Flair, das man hat, oder eben nicht. Es bedingt Interesse an der Mode, und das braucht Zeit. Sich mit Mode auseinandersetzen, zu erkennen und spüren, was einem steht – das können nicht alle. Mode hat nicht zwingend mit Geld zu tun. Es gibt Menschen, die können ihren Stil mit wenig gut in Szene setzen. Heute sind viele total verunsichert, weil sie gar nicht wissen, was sie noch anziehen können, weil man theoretisch ja alles anziehen kann. Oftmals sind die Schränke meiner Kundinnen und Kunden voll, doch sie erkennen meistens gar nicht, was sich kombinieren lässt. Das führt dazu, dass sie immer das Gleiche anziehen. Früher war es einfacher, da wurde mehr durch Modemarken vorgegeben. In den 80ern war zum Beispiel klar: Mit Dauerwelle und Schulterpolster war man modisch vorne dabei. Heute geht es vielmehr darum, ­seinen Stil zu finden. Über meine Social-Media-Kanäle versuche ich, Menschen zu inspirieren, das Werkzeug mitzugeben, cool angezogen zu sein und sich dabei wohlzufühlen.

Wie ist man denn gut angezogen?

Mit dem richtigen Styling kann man unglaublich viel herausholen. Bei Tele Züri style ich Männer und Frauen und bin immer wieder erstaunt, wie frappant der Unterschied zu vorher ist. Zum Styling gehören ein guter Haarschnitt, eine gute Brille, schöne Schuhe, Strümpfe, Unterwäsche, gepflegte Hände und Füsse, ein passender Duft. Man braucht keinen Adonis-Body – gepflegt sein ist wichtig. Manchmal ist weniger sogar mehr. Ist man gut angezogen und gepflegt, fühlt man sich besser, das strahlt man nach aussen aus und wird von anderen positiver wahrgenommen.

Wurde Ihnen das Style-Gen in die Wiege gelegt? Die französische Mama war ja Haute-Couture-Schneiderin in Paris.

Meine Mutter hat mich in die Welt der Stoffe eingeführt. Meine Eltern lernten sich Ende der 50er Jahre beim Tanz im Baur au Lac kennen. Ich bin jedenfalls 1963 in Zürich zusammen mit meiner Zwillingsschwester zur Welt gekommen und aufgewachsen, dank meiner Eltern dreisprachig, mit Französisch, Italienisch und natürlich Schweizerdeutsch.

Seit fast dreissig Jahren leben Sie in Zollikon, die letzten elf im ­Zollikerberg. Was gefällt Ihnen hier besonders?

Zollikerberg ist mein Zuhause und bedeutet mir alles. Der Ort gibt mir Sicherheit, ich liebe das Ländliche und die Nähe zur Stadt. Hier begleiten mich seit Jahren tolle Menschen, hier leben meine Schwester und viele Freunde. In meiner kuscheligen, kleinen Wohnung komme ich zur Ruhe und geniesse es, aus dem Fenster ins Grüne zu schauen. Ohne mein Zuhause fühlte ich mich entwurzelt.

Was bedeutet für Sie «leben»?

Innere Ruhe finden, die kann man mit nichts bezahlen. Um dahin zu gelangen, muss man durch Täler und über Berge, durch dick und dünn gehen. Das ist viel Arbeit. aber es lohnt sich!

Mit Luisa Rossi sprach Antje Brechlin

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