Ballerina, Bankerin, Bestseller-Autorin?

Von Birgit Müller-Schlieper ‒ 29. September 2022

Dina Casparis stellt ihr zweites Buch vor und landet diesmal in der Modewelt. Unterhaltung trifft dabei auf ernste Themen.

Dina Casparis legt nun schon ihren zweiten Roman vor. Es geht dieses Mal in die Welt der Mode. (Bild: zvg)

Leicht hat Dina ­Casparis es sich nicht gemacht. Mit ihrem neuen Roman möchte sie nicht weniger als unterhalten und gleichzeitig auf Kinderarbeit und Nachhaltigkeit hinweisen. Sie will die Leserin zum Schmunzeln animieren und zum Nachdenken über Umweltverschmutzung anregen. Mit «High Heels – Heisse Mode» legt die Autorin ihre zweite Geschichte rund um die Anwältin Tara Bernhard vor und schafft es mit Leichtigkeit, auch schwere ­Themen geniessbar zu machen.

Die quirlige Frau hat es sich selbst nie leicht gemacht. So wollte sie Balletttänzerin werden. Die Eltern dazu: «Nur wenn du die Matura machst.» Der Ballettlehrer: «Nach der Matura ist sie zu alt für eine Profi-Ballettausbildung.» Mit viel Disziplin und vielleicht auch etwas Trotz machte sie zunächst in der Schweiz die Matura und absolvierte anschliessend in New York eine Ausbildung zur Profi-Ballerina. «Es war Anfang der 80er-Jahre – eine inspirierende Zeit mit dem Studio 54, Museen, Musicals und den coolen Lokalen in Soho.» Als kleine Hommage an den Big Apple ist ihre Hauptprotagonistin in New York geboren.

Zurück aus New York, klapperte sie Ballettkompanien zuerst in der Schweiz und dann in Deutschland ab. Schliesslich landete sie im fernen Hildesheim, wo sie ihr erstes Engagement als vollamtliche Balletttänzerin am Stadttheater erhielt. Das nächste Engagement führte sie an die Städtische Bühne Hagen am Rande des Ruhrpotts. Doch irgendwann spürte die gebürtige Küsnachterin, dass die Zeit fürs Ballett abgelaufen ist. Sie kehrte zurück in die Schweiz, studierte Jura und wurde Anwältin. «Mich hätte auch Germanistik oder Kunstgeschichte interessiert. Aber ich sah mich mit Aktentasche, auf High Heels und im schickem Kostüm vor Gericht ein Plädoyer halten. Auch eine Bühne – so stellte ich mir das zumindest vor», erinnert sie sich. Ihre erste Anstellung verdankt sie einem Headhunter, der ihr ins Auto fuhr. Bei anderen mag das surreal klingen. Zu Dina Casparis passt es. Sie ist stets offen für Über­raschungen, für neue Themen, Kurswechsel.

Während und auch nach dem ­Studium trainierte und tanzte Dina Casparis weiter, trat auf und unterrichtete. Doch als Anwältin wurde es schwierig, Training und Arbeit zu vereinen. Heute sucht sie die ­Bewegung auf dem Golfplatz in ­Zumikon. «Ich bin wirklich oft auf dem Platz, nicht nur auf der Terrasse», lacht sie.

Nach drei Jahren als Wirtschaftsanwältin suchte sie etwas Neues. «Ich wollte in die Mode- oder Kosmetikindustrie, bloss nicht zu einer Bank oder einer Versicherung.» Sie meldete sich auf ein Inserat bei Bally und landete überglücklich in der Modewelt. «Eingestellt hat mich mein ­zukünftiger Chef (und heutiger Ehemann), nicht etwa, weil ich die Hübscheste oder die Beste war. Er gab mir einen Vertrag, weil ich mich in der harten Ballettwelt durchgesetzt hatte. Er sagte sich, die kann die Zähne zusammenbeissen.»

Hommage an Ally McBeal

«Bei Bally durfte ich unter anderem die Franchise-Abteilung beraten und wurde zu den Verhandlungen geladen, weil ich wohl besser mit den anspruchsvollen und verwöhnten Franchise-Partnern umgehen konnte. Die erinnerten mich an die heiklen Klienten, wie ich sie aus der Anwaltskanzlei kannte.» Sie liebte diese Arbeit, doch es kam zur nächsten Zäsur. Als ihr Vater starb, erinnerte sie sich an dessen Wunsch, «irgendwann einmal» ein Buch zu schreiben. «Den hat er nie umgesetzt. Ich fand all seine Notizen. Das stimmte mich nachdenklich, denn auch ich hegte insgeheim diesen Plan, und so beschloss ich, nicht zu warten, bis es zu spät ist.» Inspirieren liess sie sich von ihrer einstigen Lieblingsserie «Ally McBeal» – einer verrückten Anwältin in den USA. Und so wie es bei Ally McBeal eine Bar gab (in der seinerzeit Nora ­Jones spielte), gibt es bei den «Heissen Deals» und natürlich auch im neuen Roman die «Jazz au Lac Bar», in der sich die Anwälte treffen.

Dass Dina Casparis beim Schreiben gelandet ist, ist eigentlich nicht überraschend. «Ich drücke mich einfach gerne aus. Früher habe ich das mit der Bewegung, dem Tanz gemacht, heute mit Worten.»

Dabei kennt sie sich nicht nur gut mit den Themen aus, über die sie schreibt, sondern vor allem kennt sie sich selber sehr gut. «Ich bin ein Workaholic. Wäre ich in der Wirtschaft geblieben, hätte ich längst ein Burnout», ist sie überzeugt. Jetzt hat sie die Ruhephasen, in denen sie sich zum Schreiben zurückziehen kann. Das ist ein einsamer Prozess. Aber danach, wenn das Manuskript abgegeben ist, kommt die Zeit des Marketings, des Netzwerkens und der Lesungen, die für die kommunikative Autorin genauso wichtig ist. Das ist ein schöner Ausgleich.

Auch thematisch ist sie absolut sattelfest. So ging es im Debütroman um die Finanzwelt mit ihren Abgründen. «Interessanterweise habe ich gerade aus dem Bankensektor viele positive Feedbacks bekommen.» Im zweiten Band nun taucht Tara Bernhard in die Modewelt ein. Heimlich träumt die Anwältin von einem Job in der Modebranche. Ihr Wunsch scheint in Erfüllung zu gehen, doch leider wird ihr Klient – ein Modekönig – von Öko-Aktivisten entführt. Dabei wollte er doch mit der Präsentation seines Hightech-Kleides am Weltwirtschaftsforum in Davos einige ökologische Probleme bahnbrechend lösen. Die Autorin hat ihre eigenen Eindrücke vom WEF 2015 in das Buch einfliessen lassen. Ihre Recherchen zur Modeproduktion, besonders zur Fast Fashion, haben ihr eigenes Kaufverhalten nachhaltig verändert.

Showdown beim ­Schokoladenfabrikanten

Im neuen Krimi von Dina Casparis kommt es schliesslich zum grossen Showdown in der Villa eines ehemaligen Schokoladenfabrikanten. Den gab es wirklich. Ihr Urgrossvater hatte ein Schokoladenpulver erfunden und mit seinem Compagnon die erste Bündner Schokoladenfabrik gegründet. Und ein solches Haus für seine Familie gebaut. «Schon als Kind habe ich viel Zeit da verbracht und sehe die Szene bildhaft vor mir», schildert Dina Casparis. Nun geht sie auf Tour, um ihr Buch an die Leserinnen und Leser zu bringen. Sie liest am kommenden Donnerstag in der Buchhandlung Wolf in Küsnacht, ist am 26. Oktober bei «Zürich liest» mit auf dem Programm und an einem privaten Event bei Marc Cain. Es gibt viel zu tun in den nächsten Monaten, und Dina Casparis wird es lieben. Danach wird sie wieder eintauchen in die einsame Welt des Schreibens, um erstens die Batterie wieder aufzuladen und zweitens Tara Bernhard auf die nächste Mission in die Welt der Schokoladenproduktion zu schicken.

(Bild: bms)

Donnerstag, 6. Oktober, 19 Uhr, Buchhandlung Wolf, Küsnacht


Mittwoch, 26. Oktober, 19 Uhr, Zürich liest, Restaurant LaSalle

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