Grenzschlängeln

Von Franca Siegfried ‒ 6. Oktober 2022

Entlang der Grenze zwischen Riesbach und Zollikon flanieren, der Quartierverein Riesbach hat eingeladen. Mit Marie-Anne Lerjen, einer Spazierkünstlerin, haben 20 Interessierte eine besondere Erkundung erlebt. Urs Frey, Präsident vom Quartier­verein Riesbach, erzählt im O-Ton.

Die Sonne hatte sich leider nicht angemeldet und blieb entsprechend fern. (Bild: fs)

«Wir organisierten in den vergangenen Jahren immer wieder Führungen durch Riesbach. Mit Corona hat es einen Unterbruch gegeben. Aber für letzten Samstag mit Marie-Anne Lerjen haben sich wieder 23 Leute angemeldet. Mit einer Spazierkünstlerin die Grenze nach Zollikon zu umschlängeln, das hat neugierig gemacht. Leider hat es am 1. Oktober nur einmal geregnet – äs hät richtig gschiffet. Doch nur drei Personen sind nicht erschienen, 20 waren da. Wir wussten von der Ausschreibung, dass Marie-Anne Lerjen nach verschiedenen Antworten sucht: Wo ist die Grenze sichtbar? Was zeigt sich an der Grenze? Was passiert am Übergang? Dazu eröffnete sie uns sinnliche Erfahrungen, die überraschten. Wir trafen uns an der Tramhaltestelle Rehalp vom 11er. Es ging los zum Wehrenbach. Angekommen mussten wir alle die Augen schliessen und lauschen. ­Zuerst hörten wir nur die Regentropfen, die auf Schirm und Kapuze trommelten. Aber nach einer halben Minute vielleicht trat ein anders Geräusch in den Vordergrund. Das Murmeln des Wassers im Bach. Lange genug stehen bleiben, horchen, und es eröffnet sich dir eine Klangwelt. Noch dreimal während dieses Rundgangs haben wir so ­intensiv gelauscht. Etwa bei der Tramschlaufe mit Forchbahn und Auto auf der Forchstrasse. Nach genügend langem Horchen mit geschlossenen Augen liessen sich hinter dem Regen andere Geräusche mit einer eigenen Melodie ausmachen. Mich hat der Friedhof Enzenbühl beeindruckt, liegt doch die Hälfte des Zürcher Friedhofes auf Zolliker Boden. Ein schöner Ort für die ­Toten, eine Parklandschaft, ein berührendes Seh-Erlebnis mit prächtigen alten Bäumen. Weiter ging es zur Witellikerstrasse bis zum Schreiner Jöri an den Nebelbach, der hier die Stadtgrenze passiert. Zuletzt ­landeten wir im KIBAG-Areal. Im offenen Atelier beim Bildhauer Paul Sieber offerierte der Quartierverein inmitten der Werke des Künstlers allen einen Apéro: Weisswein vom Burghölzli-Hügel und frischen Most vom Quartierhof Wynegg, diesem einzigartigen, von Freiwilligen aus der Quartierbevölkerung betriebenen Hof mit Ponys, Eseln, Walliser Schafen, Wollschweinen, Hasen, Hühnern, viel Gemüse und Obstbäumen. Der Hof befindet sich nicht an der Zolliker Grenze, aber der Most schmeckte uns trotzdem.»


Urs Frey lebt seit 1984 im Quartier Riesbach und gehört seit 24 Jahren zum Vorstand des Quartiervereins. Seit 14 Jahren leitet der 68-Jährige das Präsidium.

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