«Eine gute Sache hat kein Geschlecht»

Von Birgit Müller-Schlieper ‒ 13. Oktober 2022

Eine grosse Ausstellung zeigt die lange Geschichte des Frauenvereins Zumikon. Männliche Besucher erwünscht.

Intern wurde schon ausgiebigst gefeiert. Doch auch ­extern wird der 150. Geburtstag des Frauenvereins Zumikon gewürdigt, etwa auf dem Dorfplatz, wo in ­einem Fondue-Chalet demnächst Käse geschmolzen wird. Bis dahin aber können Zumiker und Zumikerinnen in einer informativen Ausstellung, mehr erfahren über die lange Geschichte des Vereins. Vor 150 Jahren nämlich – als Frauen noch nicht einmal vom Stimmrecht träumten – machten die Zumikerinnen schon reale Politik. Sie lebten im wahrsten Sinne das Gemeinwesen. So gründeten sie den Markt, sorgten für familienergänzende Kinderbetreuung, schufen die Mütterberatung, solidarisierten sich. Viele Fotos zeugen von dem bunten Leben seinerzeit. Ein Buch mit dem Titel «Haushalten in der Kriegszeit» erinnert an die mageren Jahre und die grossen Herausforderungen für jede Hausfrau.

Blick auf die Gegenwart

Die Ausstellung wirft nicht nur ­einen Blick zurück: Sie zeigt auch die heutige Zeit. Dafür haben sich 15 Frauen aus dem Verein fotografieren lassen – jede steht damit für zehn Jahre Vereinsgeschichte. Bei der Auswahl wurde vor allem Wert auf Diversität gelegt. Es werden ­Zumikerinnen aus den unterschiedlichsten Bereichen vorgestellt – jede mit einem Einblick in ihre Lebensgeschichte und jede mit ihrer persönlichen Motivation, sich im Frauenverein zu engagieren. Für Susanne ist das «gelebte Solidarität», für ­Barbara «hat eine gute ­Sache kein Geschlecht». Die Fotos sind übrigens nicht nur im Fondue-Chalet zu sehen. Im ganzen Dorf verteilt wecken sie als Plakate im Weltformat die Neugierde. Doch der Verein hat noch mehr historische Fotos zusammengetragen. Da wird der Bau der Umgehungsstrasse Ankenbüel gezeigt oder auch die Einweihung Farlifang im Jahr 1950. Immer waren starke Zumiker Frauen beteiligt.

Weiterhin aktiv sein

Eine grossartige Leistung war es auch, die Ausstellung mit den historischen Belegen sowie den Apéro mit musikalischer Begleitung zu ihrem Auftakt auf die Beine zu stellen. «Ohne die Unterstützung der Gemeinde und vieler Sponsoren hätten wir das nicht geschafft», ­bedankte sich Präsidentin Gaby Schaub an der Vernissage. Zu der fanden erstaunlich wenige Männer – darunter Gemeindepräsident Stefan Bührer und Gemeinderat Thomas Epprecht – den Weg. Weitere männliche Besucher sind dringend erwünscht.

Doch an dem Jubiläumsanlass wird nicht nur an gestern und heute ­gedacht; der Blick wird auch in die Zukunft gerichtet. Der Frauenverein möchte weiter zu den aktiven Gruppen im Dorf zählen; neue Frauen sind immer herzlich willkommen. Informieren kann sich frau zum Beispiel morgen. Da wird es auf dem Dorfplatz kuschelig, wenn eine kleine Schafherde zu Besuch sein wird. «Kein Bock» gilt dann nicht.

Werbung

Verwandte Artikel

Newsletter

Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter und lesen sie die neusten Artikel einen Tag vor der Print-Veröffentlichung.

ANMELDEN

Herzlich willkommen! Melden Sie sich mit Ihrem Konto an.