Romeos Giulietta kommt aus Zollikon

Von Luca Finadri ‒ 24. November 2022

Mit Annelie Horrer spielt eine Zollikerin in der Theaterwerkstatt des Freien Gymnasiums Zürich die Hauptrolle im Stück «Romeo & Giulietta». Die Nachwuchs-Schauspielerin spricht nach der Premiere über die Zeit der Proben und ihre beruflichen Träume.

Annelie Horrer ist auf der Bühne zuhause. Nun begeistert sie das Publikum in «Romeo & Giulietta». (Bild: zvg)
Annelie Horrer ist auf der Bühne zuhause. Nun begeistert sie das Publikum in «Romeo & Giulietta». (Bild: zvg)

Gut sei die Premiere am vergangenen Freitagabend gewesen, bilanziert «Giulietta» Annelie Horrer mit einem Lächeln. «Alle waren ein wenig nervös, aber nach der Premiere haben wir gemerkt, dass es geht und wir das können.» Sie selbst sei trotz ausverkauftem Haus – rund 130 Personen bestaunten die Erstaufführung – nicht so nervös gewesen. Sie sei eben schon im vergangenen Jahr auf der Theaterbühne des Freien Gymnasiums gestanden. Die Monate der Proben und des Auswendiglernens scheinen sich also gelohnt zu haben. Ein Dreivierteljahr hätten sie auf diese Woche hin geübt und sich vorbereitet. Zu Beginn einmal wöchentlich und vor der Premiere intensiv, inklusive zweier Wochen schulfrei, in denen Annelie Horrer und das gesamte Ensemble ihre Prüfungen vor- oder nachholen konnten. Die 16-Jährige betont, dass sie auch vom Regisseur Alfred Bosshardt die nötigen Pausen erhielten. Einmal habe er sie während des Übens nach Hause geschickt, damit die sichtlich müden Schülerinnen und Schüler ihre Batterien aufladen und am nächsten Tag ausgeruht zu den Proben erscheinen konnten. Dem Regisseur ist Annelie Horrer generell äusserst dankbar: «Er hat ein sehr gutes Gespür und holt alles aus einem raus. Ich finde das mega!»

Ein motivierendes Geschenk

Natürlich habe sie das Werk «Romeo und Julia» gelesen. Annelie Horrers Bezug zur Tragödie von William Shakespeare sei aber auch durch ein Notizbuch entstanden. Ihre beste Freundin habe es ihr aus den Verona-Ferien mitgebracht. «Auf dem Buch war das Liebespaar zu sehen – und Giulietta hat ja rote Haare. Sie sagte mir, Giulietta habe Ähnlichkeiten mit mir.» Ein Jahr später sei sie von Alfred Bosshardt angefragt worden, ob sie sich vorstellen könne, die Hauptrolle zu übernehmen. «Ich habe natürlich sofort zugesagt», sagt sie voller Stolz – und beschreibt die Begeisterung für das Schauspielern so: «Sich komplett in eine andere Person zu verwandeln, wie sie zu denken, zu sprechen und zu handeln, ist wahnsinnig faszinierend.» Ihr Lieblingsschauspieler sei der zweifache Oscar-Preisträger Tom Hanks.

Von einer Bühne auf die nächste

Annelie Horrer steht nicht nur als Schauspielerin auf der Bühne, die gebürtige Münchnerin singt auch gerne und ist Mitglied der Schulband des Freien Gymnasiums. «Meine Eltern würden wohl sagen, dass ich schon mein ganzes Leben lang eine Performerin war.» Ihre Musik sei vielfältig, von Pop über Rock bis zu Jazz singe sie alles gern. An der Weihnachts- und Sommerfeier des Gymnasiums sei sie auch schon aufgetreten. Die Leidenschaft, auf der Bühne zu stehen, habe sie wohl von ihrer älteren Schwester geerbt, die ebenfalls in der Theaterwerkstatt war. Wenn Annelie Horrer nicht gerade auf der Bühne steht, ist sie noch häufig im Schwimmbad Fohrbach anzutreffen. Sie hatte dort für zwei Jahre Schwimmtraining, was sie jedoch zugunsten der Schule, Musik und Theater aufgab. Zum Ausgleich geniesst sie es aber weiterhin, im Hallenbad ihre Bahnen zu ziehen oder im Sommer in der Zolliker Seebadi zu schwimmen.

Dass es Bühnenkünstlerinnen und -künstler in der Schweiz nicht einfach haben, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, ist Annelie Horrer bewusst. Deswegen erwägt sie, nach München an die Schauspielschule zu gehen. Einen Plan B hat die Zollikerin auch: «ein Studium in Human- oder Tiermedizin.» Das Herz für Tiere verdankt Annelie Horrer unter anderem ihrem Hund «Soulja», einem Cavalier-King-Charles-Spaniel. Wenn sie über ihren vierbeinigen Freund spricht, strahlt sie. Das jüngste von vier Kindern ist ein Familienmensch und ihrer Familie und Freunden dankbar für die grosse Unterstützung. Auf die Frage, ob sie zum Schluss des Gesprächs noch etwas loswerden möchte, sagt sie: «Verbreite Liebe, gerade in dieser dunklen und kalten Jahreszeit.»

«Romeo & Giulietta» findet noch am 25. und 26. November ab 19.30 Uhr im Freien Gymnasium Zürich statt.

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