Sie will einfach nur singen

Von Birgit Müller-Schlieper ‒ 8. Juni 2023

Monika Hildbrand ist als Sängerin, Jodlerin und Dar­stellerin im Theater 11 zu sehen und vor allem zu hören.

Mit der hundertjährigen Handorgel spielt die Zumikerin die Melodien, die einst ihre Mutter ertönen liess. (Bild: bms)
Mit der hundertjährigen Handorgel spielt die Zumikerin die Melodien, die einst ihre Mutter ertönen liess. (Bild: bms)

Monika Hildbrand könnte ein bisschen prahlen. Die Zumikerin könnte von ihrer Produktion «Schwiizer Wunschkonzert» erzählen, für die sie eine Goldene Schallplatte erhielt. Von den drei Teilnahmen am Grand-Prix der Volksmusik. Von ihren Qualifikationen für die Finalsendungen von ZDF, ORF und SRF. Oder von anderen vielen Fernseh- und Radioauftritten. Tut sie aber nicht. «Ich will einfach nur singen und mit meinem Gesang und Jodel unterhalten.» Das tut sie – und wie. Aktuell in der Produktion «Stägeli uf – Stägeli ab», die noch bis Ende Juni im Theater 11 zu sehen ist. Das alpenländische Musical mit den grössten Hits und schönsten Melodien des berühmten Komponisten Arthur Beul, der bis zu seinem Tod 2010 in Zollikon lebte. Bei «Am Himmel staht es Sternli z’Nacht», «Nach em Räge schiint d’Sunne» oder «Stägeli uf – Stägeli ab» geraten viele Menschen ins Träumen und nostalgische Schwärmen. Monika Hildbrand steht mit Schweizer Showgrössen wie Erich Vock, Maja Brunner, Viola Tami oder Fabienne Louves auf der Bühne. Nach der Premiere waren nicht nur die Zuschauer begeistert, auch die Presse war voll des Lobes. Nicht immer gibt es eine solche Einmütigkeit.

Erst keine Lust auf Noten

Der Wunsch, «einfach nur singen» zu wollen, gehörte schon zu der kleinen Monika. Mit ihrer Zwillingsschwester kam sie in eine ­Familie, in der es schon drei Buben gab. «Wir haben immer viel gesungen und musiziert», erinnert sie sich. Auch das Klavierspiel sollte sie lernen. Doch im Gegensatz zu ihrer Schwester hatte sie wenig Lust, auch Noten zu lernen. Sie hörte einfach zu, wenn die Schwester übte, und spielte später nach Gehör. Irgendwann flog der kleine Schwindel auf, und Monika wechselte zur Gitarre. Schnell war sie so weit, dass sie sich selber begleiten konnte. Jetzt lernte sie auch Noten lesen. Richtig entfacht wurde das musikalische Feuer aber erst, als sie in einem Jugendclub eine Jodlerin hörte. «Das fand ich einfach nur lässig.» Sie hörte zu, hörte gut zu und versuchte sich dann selber. Monika wurde schnell gut, richtig gut – und ist es heute noch. Im vergangenen Jahre spielte sie eine weitere CD ein: «Jodel-Cha-Cha». Darauf ist auch ihr Sohn zu hören. Der sei sehr musikalisch, hätte sich aber früh dem Sport zugewandt. Als er den Wunsch äusserte, seine Mutter ins Tonstudio zu begleiten, nahm sie ihn mit und schickte ihn ohne Vorwarnung ans Mikro. Auf die Schnelle nahm dieser dann zusammen mit dem Produzenten den dreistimmigen Chor auf.

Ihr Bruder war der Karriere-Booster für Monika Hildbrand. Dieser lernte bei einem Geschäftsessen im noblen Hotel-Restaurant «Kindli» Inhaber Joe Schmid kennen, den Bruder der legendären Geschwister Schmid. Der Musiker und Gastronom berichtete, dass er musikalischen Nachwuchs suche. Monika lacht rückblickend: «Mein Bruder hat einfach behauptet, ich sei eine grandiose Jodlerin und würde das sicher machen.» Eben von einem Auslandaufenthalt in London zurückgekehrt, stand sie drei Wochen später auf der «Kindli»-Bühne, wo eine Big Band mit internationaler Musik, viel Gesang und folkloristischen Showblöcken mit Jodel allabendlich Gäste aus der ganzen Welt begeisterte. Fast zwanzig Jahre sang und jodelte Monika im berühmten «Kindli» am oberen Rennweg und absolvierte mit dem Profiorchester viele Galaauftritte im In- und Ausland. Es ging unter anderem nach Kenia, Thailand, Spanien, Italien und in die USA. Zuvor nahm die Zumiker Künstlerin unter anderem drei Jahre Unterricht in Stimm- und Gesangstechnik bei der Opernsängerin May Steinhoff.

Über 130 Vorstellungen

Entdeckt und engagiert vom grossen Volksschauspieler und Theaterproduzenten Erich Vock, sang, jodelte und spielte Monika Hildbrand 2015/16 in mehr als 130 ausverkauften Stägeli-Vorstellungen im Zürcher Bernhard-Theater. Das musikalische Lustspiel wurde zu einem Grosserfolg. Am strengsten seien die Doppelvorstellungen am Samstag und Sonntag gewesen. Aufgrund der Grösse des Theater 11 mit 1500 Plätzen braucht es bei der Neuauflage keine Doppelvorstellungen mehr. Nur ein Zuckerschlecken sei es dennoch nicht. Am intensiv­sten sei die letzte Probewoche vor der Premiere. «Da muss man bereits sehr präsent sein, sich immer ­wieder neu konzentrieren.» Kein Schritt, kein Blick ist zufällig. ­Zumindest bleibt Monika vom Lampenfieber verschont. «Ich habe mittlerweile so viel Bühnenerfahrung, dass ich nicht mehr nervös werde», erklärt sie mit hellwachen Augen. Und: «Wenn ich auf der Bühne stehe, sehe ich ja das Publikum wegen der Scheinwerfer nicht wirklich. Aber ich spüre das Feedback, die Resonanz. Das ist wichtig.» Jetzt wird das «Stägeli» zum letzten Mal gespielt.

Für die Zukunft träumt die Künstlerin von einer Rolle in einem weiteren volkstümlichen Musical. «Vielleicht wird ja irgendwo mal eine Mutter oder Oma gesucht», scherzt sie. Vielleicht aber beginnt sie eine weitere Karriere. Zum Beispiel mit dem Alphorn, das sie auch spielt. Mit dem traditionellen Blasinstrument ist Monika als special guest schon im Nightmärchen im Zürcher Theater am Hechtplatz aufgetreten. Gerne spielt sie auch mit der hundertjährigen diatonischen Handorgel, die sie von ihrer Mutter geerbt hat. Wenn sie das Instrument in die Hände nimmt, geht ein besonderes Licht in ihr auf. Energisch schwingt sie sich die Orgel um, die Körperhaltung wird kraftvoll und mit Temperament wird das Instrument zum Leben erweckt. Mit einer Melodie, die ihre Mutter oft spielte. Und als Grossmutter singt sie natürlich auch mit ihren beiden Enkelinnen. Rückblickend wäre sie als junge Frau gerne in der Musik oder auch im Kunsthandwerk gefördert worden. Aber das lag damals einfach nicht drin. Monika Hildbrand hat nicht nur das Beste aus der Situation, sondern auch das Beste aus sich gemacht. Sie strahlt und prahlt nicht.

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