Mehr als nur «ufe und abe»

Von Birgit Müller-Schlieper ‒ 1. Dezember 2023

Regula Schwarzenbach Griesser hat das Handwerk des Webens für sich entdeckt und lässt sich auch von knorrigen Webstühlen den Spass nicht verderben.

Mit dem mobilen Webrahmen kann Regula Schwarzenbach Griesser in der Küche, der Stube oder auf dem Balkon ihrem Hobby frönen. (Bild: bms)
Mit dem mobilen Webrahmen kann Regula Schwarzenbach Griesser in der Küche, der Stube oder auf dem Balkon ihrem Hobby frönen. (Bild: bms)

Sie ist seit vielen Jahren als Pflegefachfrau tätig – eine anstrengende und fordernde Auf­gabe. Deswegen suchte die Zollikerin vor gut zehn Jahren nach einem Ausgleich. «Ich habe mir vieles angesehen, aber nichts hat mich wirklich interessiert.» Bis sie während Familienferien im Berner Oberland auf eine Frau traf, die webte. «Das hat mich sofort gepackt», lacht sie im Rückblick. Wer an selbstgewebte Schals oder Tücher denkt, sieht vielleicht derbes Material vor dem inneren Auge. Weit gefehlt. Die Schals und Tücher, die Regula Schwarzenbach Griesser anfertigt, sind weich und anschmiegsam.

Faszination Farben

Was besonders ins Auge springt, sind die Farben. «Es ist diese Farbenvielfalt, die mich fasziniert.» Ihre Produkte sind nicht bunt, eher von einer tiefen Intensität. Für neue Farbkombinationen lässt sie sich gerne von der Natur anregen.

«Natürlich hat man eine Vorstellung, wie das fertige Produkt am Ende aussehen soll. Und wird manchmal komplett überrascht.» Überhaupt die Vorarbeit: Weben ist viel mehr, als nur das Schiffchen zwischen den gespannten Fäden durch­zuschieben. Es ist alles viel komplexer. Regula Schwarzenbach Griesser hat zunächst einen Kurs der Migros-Clubschule besucht, um sich die Grundlagen zu erarbeiten. Nun geht sie in die Webstube nach Fehraltorf, wo verschieden grosse, alte Webstühle bereitstehen. Da wird mit Fuss­pedalen gearbeitet, dazu gibt es ­einen sogenannten Schnellschuss, bei dem das Schiffchen nur so durch die Fäden flitzt. An einem grossen Zettelbaum werden die ­Garne aufge­wickelt. Die Garnlängen und die Zusammensetzung der Farben sind vorher zu planen. Die aufgezogenen Fäden sollten gleichmässig gespannt sein. Gewebt wird nicht einfach nur längs und quer – nicht nur «ufe und abe», sondern verschiedene Muster. Konzentriert sitzt sie am Webstuhl. «Viele glauben, das sei eine meditative Tätigkeit. Das Gegenteil ist der Fall. Nach einem Tag am Webstuhl weiss ich genau, was ich getan habe.» Gerade die alten Webstühle hätten ihre ­Tücken, seien manchmal knorrig und widerspenstig. Doch das Weben-­Virus lässt sie nicht los. Daheim webt sie am Tischwebrahmen, der zusammenklappbar ist und mit in die ­Ferien kommen kann. Sie fertigt Handtücher, Abwaschlappen, kleine Duftkissen gefüllt mit Lavendel oder Arvenholzspänen, Kinderlätzchen, Tischsets, Schals und kuschelige Loops. Zu kaufen sind diese auch auf dem Zolliker Weihnachtsmarkt am Sonntag, den 3. Dezember. Alle Gewebe sind Unikate aus hochwertigen Biogarnen, bei 60 Grad waschbar. Und die Farben bleiben frisch.

Die hohe Kunst diagonaler Muster

Für einige Zeit hatte die Zollikerin einen eigenen Shop im Netz. Sie hat ihn wieder eingestellt. «Man muss die Stoffe in die Hand nehmen, wirklich fühlen können. Auch wirken die Farben echt ganz anders.» Auf Facebook und Instagram zeigt sie ihre Produkte, auch auf ihrer Webseite.Ihre Wolle bezieht sie von einem spezialisierten Grossbetrieb im Emmental. «Die Farbenvielfalt dort ist eine Augenweide.» Über soziale Medien pflegt sie auch Kontakt mit webenden Frauen aus Norddeutschland. «Es ist spannend zu sehen, wie diese ganz andere Farben bevorzugen und andere Muster erstellen.» Mit den Frauen der Webstube in Fehraltorf schätzt sie das Zusammensein und den Austausch. Sie kann von ihnen viel lernen. Immer mal wieder kämen auch Schulklassen vorbei und liessen sich in die Kunst des Webens einführen. Sie selber möchte sich am Webrahmen weiterentwickeln und die Köperbindung (diagonale Muster) lernen. Dazu braucht sie zwei Webkämme. Eine hohe Kunst. Stundenlang hat sie es schon versucht und ist immer wieder gescheitert.

Viel Zeit für ihr intensives Hobby wird sie in naher Zukunft nicht mehr haben: Im Sommer kam das erste Enkelkind zur Welt, und der Sohn hat sie fürs Hüten angefragt. Dass Regula Schwarzenbach Griesser schon eine weiche Decke für die Enkeltochter gewebt hat, ist wohl Ehrensache.

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