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150 Jahre im Schnelldurchlauf

Von Birgit Müller-Schlieper ‒ 14. Juni 2024

Die Konsumgenossenschaft Zumikon feiert ihr Jubiläum auch mit einer eindrucksvollen Festschrift.

Autor Eric Coeberg, Theres Reich (Layout), Beryl Niedermann und Andres Jud (v.l.) freuten sich, das Buch der Öffentlichkeit vorstellen zu können. (Bild: bms)
Autor Eric Coeberg, Theres Reich (Layout), Beryl Niedermann und Andres Jud (v.l.) freuten sich, das Buch
der Öffentlichkeit vorstellen zu können. (Bild: bms)

Eigentlich wurde am vergangenen Samstag «nur» die Festschrift zum Jubiläum «150 Jahre Konsumverein Zumikon» präsentiert. Doch das Buch ist weit mehr: Es ist eine spannende Chronik der Siedlung, die sich vom kleinen Bauerndorf zu einer lebendigen ­Gemeinde entwickelte. Zu verdanken ist das Werk in allererster Linie Eric Coeberg. Der Zumiker hat mit seinem unermesslichen Fundus an Materialien, seinem historischen Wissensschatz und seiner Leidenschaft für seine Heimat ein vielschichtiges Werk im Namen der Konsumgenossenschaft zusammengetragen. «Wir haben in dem Autor jemanden gefunden, der wie kein anderer Ortsgeschichte lebt», bedankte sich Andres Jud, Präsident der Konsumgenossenschaft Zumikon. Die Publikation reiche weit über das hinaus, was man von einer Festschrift erwarte.

Ein Leseverein am Anfang

Der Präsident erinnerte an die Anfänge, als sich vor 150 Jahren der «Leseverein Zumikon» gründete. Der 1873 daraus hervorgegangene «Landwirtschaftliche Verein Zumikon und Umgebung» war im Dorf bis in die Nachkriegszeit der mit ­Abstand wichtigste Verein. Im Vorstand sassen nicht nur einflussreiche Bürger, sondern auch wichtige Behördenmitglieder. Wie sich Zumikon über die Jahrzehnte entwickelte, hat auch Beryl Niedermann mit Spannung gelesen. «Ich sehe Zumikon heute mit anderen Augen», betonte die Gemeinderätin in ihrem Grusswort. «Wer sich mit der Geschichte beschäftigt, ist auch gut vorbereitet für die Gegenwart.» Als Neu-Zumikerin habe sie die Chance gehabt, die Gemeinde für sich neu zu entdecken. Nicht alle in der ­Familie hätten sich seinerzeit gefreut, als es von Zürich nach Zumikon ging. Doch die neue Heimat habe sich als lebendiges Miteinander entpuppt. Und so wie ganz am Anfang beim Leseverein die Bildung im Vordergrund gestanden habe, so sollte sie auch heute einen besonderen Stellenwert bekommen.

Eine Grundlage der fast hundertseitigen Publikation sind die Protokollbücher des Konsumvereins. «Eine bisher unbekannte Fundgrube zu Themen, welche die Zumiker Bauern damals beschäftigt haben und zugleich Quelle zur geschichtlichen Aufarbeitung des 19. Jahrhunderts», erläutert Eric Coeberg in seinem Vorwort. Er beginnt die Chronik mit dem ersten Protokoll vom 11. Dezember 1864. Initianten der Lesevereine seien oftmals Lehrer gewesen. So auch in Zumikon: Lehrer Kaspar Schenkel war einer der Gründungsväter. 1873 wird dann der «Landwirtschaftliche Verein Zumikon und Umgebung» gegründet. Es werden Vorträge zu Themen wie Waldwirtschaft oder Weinanbau angeboten und Ausflüge organisiert.

Dicht an dicht standen die Gäste bei der Präsentation der Festschrift anlässlich des 150. Geburtstages. (Bild: bms)
Dicht an dicht standen die Gäste bei der Präsentation der Festschrift anlässlich des 150. Geburtstages. (Bild: bms)

Ochs und Pferd statt Traktor

Nicht protokolliert wurde der Zeitraum 1912 bis 1967. «Die Zeit der Grenzbesetzung 1914 bis 1918 bringt einige Zumiker Bauern in arge ­finanzielle Nöte. Längere Abwesenheiten im Militärdienst wirken sich negativ auf die Bestellung der Felder und Pflege der Viehwirtschaft aus. «Die soziale Unterstützung steckt noch in den Kinderschuhen», heisst es da. Auch der Besitz eines Traktors war bis zum Ende des 2. Weltkriegs eine Seltenheit. Die Bewirtschaftung von Flur und Hain erfolgte mit Ochs, Pferd und Kühen. Während des Kriegs wurde im Rahmen der Anbauschlacht die Fläche für agrarische Nahrungsmittelproduktion stark erweitert mit dem Ziel, die Selbstversorgung der Bevölkerung zu erhöhen. Feuchtwiesen werden in Ackerland umgewandelt, Wälder gerodet. 1949 tritt der Verein nach langem Zögern dem Volg bei und wird Teil des Verbands ostschweizerischer landwirtschaftlicher Genossenschaften.

Einen grossen Einschnitt ins Dorfleben brachten der Forchbahntunnel und der Rückgang der Landwirtschaft. Zumikon erhielt einen neuen Dorfkern und wird beliebter Wohnort. Geblieben bei allen Veränderungen ist die Konsumgenossenschaft Zumikon. «Das Prinzip der gemeinsamen Selbsthilfe hat zeitweise an Bedeutung verloren und soll nun wiederbelebt werden», schreibt Andres Jud abschliessend in dem Buch. Ein Buch voller Geschichten, Erinnerungen und Überraschungen. Wer wenig Zeit hat, kann sich allein anhand der vielen Illustrationen und historischen ­Fotos einen Überblick über die erstaunliche Entwicklung der Gemeinde machen.

Bald wird es den abschliessenden zweiten Teil geben, in dem unter anderem erzählt wird, dass der ­Zürcher Böögg nicht allein wie ­dieses Jahr in Heiden, sondern 1917 vor dem Rössli in Zumikon entzündet worden ist.

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