Göttinnen des Alten Orients

Von Claudia Eberle-Fröhlich ‒ 15. November 2024

Das antike Israel gehörte zum Alten Orient. Hier sind die frühesten Hochkulturen entstanden. Auch die schriftlichen Überlieferungen von Mythen und Gottesbildern. Die Historikerin Magdalen Bless-Grabher möchte ihr Publikum teilhaben lassen an geschichtlichen Entwicklungen inklusive Religionen.

Prominente altorientalische Göttinnen waren zum Beispiel Inanna, Ischtar, Starte, Kybele, Anat, Atargatis und Aschera, am Vortrag werden sie in Wort und Bild beleuchtet. (Bild: zvg)
Prominente altorientalische Göttinnen waren zum Beispiel Inanna, Ischtar, Starte, Kybele, Anat, Atargatis und Aschera, am Vortrag werden sie in Wort und Bild beleuchtet. (Bild: zvg)

Kommende Woche wird Magdalen Bless-Grabher am 60plus-Nachmittag der reformierten Kirche sprechen. Wir haben sie vorab für ein Interview getroffen.

Frau Bless-Grabher, in Ihrem Lebenslauf lese ich, dass Sie in jungen Jahren eine Nahtoderfahrung gemacht haben. Hat ­diese Sie zum Geschichtsstudium geführt?

Vielleicht indirekt. Erst hatte ich an der Uni Zürich ein Studium der ­Slawistik begonnen. Danach wechselte ich zur Geschichte, weil sie nicht nur eine bestimmte Sprachregion, sondern die ganze Welt betrifft. Jede Ecke der Erde, aber auch jeder Mensch hat eine Geschichte. Viele kleine Mosaiksteine ergaben schliesslich ein dichtes Gewebe von Kenntnissen der Vergangenheit. Diese halfen mir, auf meinen Reisen die besuchten Regionen besser zu verstehen; und sie helfen mir, auch die Gegenwart besser zu verstehen.

Können Sie denn sagen, was das Nahtoderlebnis bei Ihnen ausgelöst hat?

Zuvor war ich eher ein Verstandesmensch. Die Nahtoderfahrung verstärkte meine Intuition. Diese kann hilfreich sein, um geschichtliche Epochen, Fakten und Zusammenhänge nicht nur mit der Vernunft, sondern auch gefühlsmässig zu erfassen.

Auch punkto Religion denke ich, dass sie sich mit dem Verstand ­allein nicht einfangen lässt. Eine Nahtoderfahrung führt bei den meisten Menschen zu mehr Weite und Offenheit. Sie hat mich auch darin bestärkt, dass das Wichtigste im Leben die Liebe ist, und dass die Seele nach dem Tod weiterlebt. Das entspricht auch christlichen Vorstellungen.

Im Übrigen habe ich in Texten grosser christlicher und auch nichtchristlicher Mystikerinnen und Mystiker immer wieder Episoden gefunden, die Nahtoderfahrungen ähnlich sind.

In Zumikon werden Sie von den Göttinnen des Alten Orients erzählen. Gab es nicht ebenso viele Götter?

Im Alten Orient fand um 7000 bis 9000 v. Chr. ein epochaler Umschwung statt, indem die Menschen ihr schweifendes Dasein als Jäger und Sammlerinnen aufgaben, sesshaft wurden und Viehzucht und Ackerbau betrieben. Nun waren sie von der Fruchtbarkeit ihrer Tiere, Pflanzen und auch der Menschen abhängig. Und da neues Leben nur aus weiblichen Wesen kam, verehrte man eine Muttergöttin als Garantin der Fruchtbarkeit. Männliche Gottheiten wurden eher in Form von Tieren verehrt, namentlich in Stierform. Mit der Zeit nahmen auch sie menschenähnliche Züge an. Die Göttin aber blieb den Menschen lange Zeit näher. Seit vor über 5000 Jahren im mesopotamischen ­Sumer, dem heutigen Irak, die Keilschrift erfunden wurde, sind uns auch Mythologie und Namen der Gottheiten dieser polytheistischen Hochkulturen überliefert.

Welche Zuhörerschaft wünschen Sie sich?

Ich möchte alle Neugierigen ansprechen – namentlich auch solche, die sich für geschichtliche Entwicklungen und die Entwicklung der Religionen interessieren. Auch wer an alter Kunst und Archäologie ­interessiert ist, wird auf die Rechnung kommen, da ich zahleiche Bilder von kulturellen Zeugnissen des Alten Orients zeigen werde.

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