Weniger Lärm, mehr Sicherheit

Von Birgit Müller-Schlieper ‒ 10. Januar 2025

Um gemeinsam an einem Verkehrskonzept zu arbeiten, hat diese Woche ein runder Tisch mit der Gemeinde und verschiedenen Zolliker Interessens­gemeinschaften stattgefunden. Diese fordern unter anderem Tempobeschränkungen von 30 km/h auf zentralen Strassen. Eine Bestandsaufnahme der bisherigen Massnahmen und Entwicklungen.

So wünschen sich die Anwohner ihre Zumikerstrasse: ruhig und ohne Autos. Doch der Schleichweg von ­Zumikon nach Zürich ist beliebt. (Bild: bms)
So wünschen sich die Anwohner ihre Zumikerstrasse: ruhig und ohne Autos. Doch der Schleichweg von ­Zumikon nach Zürich ist beliebt. (Bild: bms)

Gleich mehrere Interessensgemeinschaften wünschen sich – zusätzlich zu vielen verkehrsberuhigten Strassen – weitere Tempobeschränkungen auf bis zu 30 Stundenkilometern. Es geht um die Bahnhofstrasse, Zumikerstrasse, Zollikerstrasse und Dufourstrasse. Bei einem ersten Treffen Ende ­November wurden gemeinsame Ziele formuliert; man will der Gemeinde mit gebündelten Kräften gegenübertreten. Urs Ledermann hatte sich hartnäckig für Tempo 30 auf der Bahnhofstrasse eingesetzt. Nachdem der Gemeinderat seinen Antrag auf eine Verkehrsberuhigung abgelehnt hatte, wandte er sich an das Bezirksgericht. Auch dieses lehnte das Begehren ab. Urs Ledermann zog den Antrag weiter ans Verwaltungsgericht, wo er recht bekam.

Anstieg um 25 Prozent

Seit Jahren wird die Tempobeschränkung an der Dufourstrasse diskutiert. So ergab ein kantonales Lärmgutachten vor sechs Jahren überschrittene Immissionsgrenzwerte. Da weder Kanton noch Gemeinde sich regten, hatte Anwohner Johannes Braun einen Rekurs eingereicht. Doch noch immer warten die Anwohner auf den lärmarmen Belag. «Unsere Anliegen gegen Lärm und Unfälle werden seit Jahren hinausgezögert», ärgert sich Johannes Braun. Dabei habe eine Messung ergeben, dass der Verkehr innerhalb von sechs Jahren um 25 Prozent zugenommen hat. Auf der Dufourstrasse selbst wurden Autos mit 80 Stundenkilometern gemessen. «Das ist eine Wohnstrasse, auch wenn sie von Zürich aus kommend nicht so aussieht.» Die Autofahrer kommen aus der Stadt, mühen sich über die Seestrasse von Ampel zu Ampel, auf der Brücke könnten sie dann wieder Gas geben – und täten es eben auch. Die Bestrebungen richteten sich aber nicht grundsätzlich gegen den Autoverkehr. Es gehe um ein friedliches Miteinander. Mit Blick auf den neuen Belag sagt Sascha Rhyner, Mediensprecher der kantonalen Baudirektion: «Das kantonale Tiefbauamt wird verpflichtet, im Rahmen der nächsten Belags­sanierung auf der Dufourstrasse einen lärmarmen Belang einzubauen. Das Projekt wird derzeit unter Berücksichtigung der ergänzenden Untersuchungen überarbeitet und anschliessend noch einmal öffentlich aufgelegt.»

Umstieg auf E-Busse?

Von der Einführung einer 30er-­Regel ist der öffentliche Verkehr kaum betroffen. Das ergibt eine VCS-Studie des vergangenen Jahres. Werde auf einer ÖV-Strecke eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern eingeführt, sei vor allem der Einfluss auf die Fahrzeit interessant. Da aber Busse und Trams meist deutlich langsamer als die signalisierte Höchstgeschwindigkeit unterwegs seien und diese oft nur auf kurzen Abschnitten erreicht werde, falle eine allfällige Fahrzeitverlängerung kaum ins Gewicht. «Für Busse kann nach Einführung von Tempo 30 im Mittel von 1,5 Sekunden zusätzlicher Fahrzeit pro 100 Meter ausgegangen werden», heisst es in der Studie. Parallel würde das ÖV-System vom besseren Verkehrsfluss bei Tempo 30 profitieren. Johannes Braun: «Die Gemeinde könnte sich ja auch mal überlegen, ob sie nicht auf E-Busse umsteigen möchte. Das würde sich positiv auf den Lärm auswirken.»

Beliebter Schleichweg

Unzufrieden sind auch viele Bewohner der Zumikerstrasse. Dort gilt zwar schon Tempo 30. Doch die Strasse ist ein beliebter Schleichweg von Zumikon oder auch Itschnach Richtung Zürich. Ein früheres Lastwagenverbot wurde aufgehoben. Grosse und kleine ­Autos schlängeln sich zwischen den parkierten Autos durch, die Fahrer wissen längst, dass hier regelmässig geblitzt wird …

Auch an der Zollikerstrasse hoffen viele auf das Gespräch mit der Gemeinde. Sie wünschen sich eine Tempo-30-Strecke auf der Zollikerstrasse, Abschnitt Dufourplatz bis Einmündung Alte Landstrasse, zudem eine Fussgängerverbindung Kirchweg und Bushaltestelle Beugi. Gründlich legen die Anwohnerinnen Martina Wehrli und Judith Ehinger ihre Argumente dar. Der Kanton plane die Fahrbahn im Kurvenbereich minimal zu verbreitern, damit zwei Lkw kreuzen könnten. Dabei werde übersehen, dass der Strassenabschnitt auch für andere Verkehrsteilnehmer gefährlich sei und teilweise durch die Verbreiterung noch gefährlicher werde. ­Andere Gemeinden am unteren rechten Zürichseeufer würden auf ihren Zufahrtstrassen zu den Transitachsen See- und Forchstrasse auf Tempo 30 umstellen. Ziehe Zollikon nicht mit, würden die Verkehrsteilnehmenden der anderen Gemeinden die schnelle Zufahrt über Zollikon wählen. Zudem ergebe es keinen Sinn, dass die Stadt Zürich eine Velovorzugsroute bis an die Zolliker Grenze baue, die dann beim Dufourplatz in eine für Velofahrende gefährliche Strecke mündet.

Die engagierten Frauen unterstreichen, dass rechtlich die Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit klar möglich sei. «Auch verkehrstechnisch sind die Voraussetzungen für eine Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf der Zollikerstrasse als verkehrsorientierte Strasse des übergeordneten Strassennetzes gegeben.» Eine Besserung ist in Sicht. «Der Abschnitt zwischen Dufourkreisel und der Kreuzung Alte Landstrasse ist eine Kantonsstrasse. Hier ist im Rahmen der Instandsetzung der Fahrbahn ebenfalls ein lärmarmer Belag vorgesehen. Das Tiefbauamt plant, dieses Projekt ab 2026 zu realisieren», so Sascha Rhyner.

Nicht immer waren die Zollikerinnen und Zolliker so unzufrieden mit der Verkehrspolitik ihrer Gemeinde. Da der zunehmende Verkehr auf den Hauptverkehrsachsen samt Schleichverkehr durch die Quartiere zu Unfällen geführt hatte, wurde vor mehr als 20 Jahren eine umfassende Verlangsamung auf den Quartierstrassen beschlossen. Der Entscheid «mit überwältigendem Mehr» wurde innerhalb eines Jahres umgesetzt. Für die vorbildliche Realisierung in Rekordzeit erhielt die Gemeinde 2005 den nationalen Sicherheitspreis der Schweizer Beratungsstelle für Unfallverhütung.

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