Von Birgit Müller-Schlieper ‒ 17. Januar 2025

Schweizweit ist Brigitte Clénin die einzige aktive Healing-Touch-Therapeutin. Aktuell steuert sie die offizielle Zertifizierung an. Doch ganz glücklich ist die Zumikerin nicht über dieses Alleinstellungsmerkmal. «Ich würde mich gerne mit anderen Therapeuten und Therapeutinnen austauschen.» Das kann sie – zumindest, wenn es um Hunde, Katzen oder andere Tiere geht.
Ein Hund stand auch am Anfang ihrer beruflichen Karriere. Sie besuchte damals die Sekundarschule in Wädenswil. Die ältere Schwester ging aufs Gymnasium. «Diesen Stress wollte ich mir wirklich nicht antun», lacht sie rückblickend. Sie schnitt damals schon gerne und gut ihren Mitschülerinnen die Haare – und wollte eine Lehre als Coiffeuse beginnen. «Ich hatte damals einen Hund und dachte, den könnte ich dann immer mit ins Geschäft nehmen.» Die Eltern waren alles andere als begeistert von diesem Berufswunsch. Das sei doch nichts für eine Sek-A-Schülerin, war die landläufige Meinung. Sie schickten ihre Tochter für ein Jahr in ein Mädcheninternat. Danach verabschiedete sich die junge Frau von ihrem Wunschberuf, machte eine Schnupperlehre in einem Spital und entschied sich für den Beruf der Krankenschwester. Vor der Ausbildung musste sie noch ins Ausland. «Damit sollte wohl die Selbstständigkeit der Auszubildenden gefördert werden.» Sie wählte London und verbrachte mehr als ein halbes Jahr als Au-Pair in der aufregenden Stadt. Wieder ins Elternhaus zu ziehen sei ihr dann schwergefallen. Um sich ein kleines Zimmer leisten zu können, jobbte sie nebenher und zog schliesslich auch wegen der Schichtarbeit ins Personalhaus.
Sie bildete sich schnell weiter, wurde Berufsschullehrerin, dann kam erst der Sohn auf die Welt und zwanzig Monate später gleich zwei Töchter. Mit zwei Babys und einem Kleinkind war an eine Berufstätigkeit erstmal nicht zu denken, zumal es keine Grosseltern in der Nähe gab, die hätten aushelfen können. Brigitte Clénin, die 1997 nach Zumikon zog, kümmerte sich um Kinder und Haus und engagierte sich mit Herzblut im Dorf: für die Kinderfasnacht, im Elternrat und im Freizeitzentrum, das sie über zehn Jahre präsidierte. Sie wirkte auch mit in den entscheidenden Phasen des Umzugs ins alte Gemeindehaus und der Umstrukturierung der Jugendarbeit. Als die eigenen Kinder zu Jugendlichen wurden, entschied sie sich 2020, wieder in den Pflegeberuf zurückzukehren und arbeitet seitdem in einem Pflegeheim für Menschen mit Demenz. Auch jenseits der Schulmedizin hatte sie sich weitergebildet, war als Feng-Shui-Beraterin tätig und bot Thai-Yoga-Massagen an. Und sie erlernte das Haare-Balancieren, eine energetische Haarschneidetechnik. «Es hat mich schon immer gereizt, Menschen in einem Heilungsprozess zu unterstützen.»
Vor ein paar Jahren traf sie – neugierig und interessiert, wie sie ist – auf Healing Touch, eine Methode der Komplementärmedizin. «Mir hat es besonders gefallen, dass diese Praxis auch für Tiere anwendbar ist.» Aktuell leben in ihrem Haus zwei Hunde und zwei Katzen. Die Tierliebe habe sich schon früh gezeigt. «Ich habe einst Bienen und Regenwürmer zum Aufpäppeln nach Hause gebracht und ein Schneckenterrarium gebaut», erinnert sie sich. Die Mutter sei nicht so begeistert gewesen. Brigitte Clénin sagt heute: «Ich bin angekommen. Das ist das letzte Puzzleteil, das noch gefehlt hat. Und es ist ein breites Gebiet, in dem man nie auslernt.»
Im Mittelpunkt der Therapieform steht die Energie. Energie, die im Körper ist, und Energie, die den Körper umgibt. Durch sanfte Berührungen mit den Händen werden Blockaden gelöst, die Energie soll wieder frei fliessen können. Es ist vergleichbar mit den fernöstlichen Therapien wie Reiki oder Shiatsu, wurde aber von einer Amerikanerin entwickelt. «In den USA ist die Methode in der Schulmedizin bereits völlig anerkannt.» Ein Hauptfokus bei den Behandlungen liegt auf der Entspannung. «Der innere Arzt kann unter Stress nicht arbeiten, und wir sind alle zu oft unter Anspannung.» Erst in der Entspannung könne der Körper sich selbst regulieren. Am Anfang steht immer das Gespräch mit dem Klienten. Wo liegt die Störung? Wo schmerzt es? Es muss nicht zwangsläufig um Krankheit gehen. Man könne sich eine Session auch einfach als Wohlfühlmoment gönnen. So wie die beiden Töchter. Sie lassen sich gerade in der Schulmedizin ausbilden, sind aber offen für diese Komplementärbehandlung.
Die Einsatzmöglichkeiten sind gross. Eine Vielzahl von Studien belegt, dass psychische Belastungen wie Angst gemindert werden können, aber auch chronische Schmerzen. Immer öfter kann Brigitte Clénin die Methode bei Vierbeinern anwenden. Tiere, die vorher Probleme mit dem Laufen hatten, sind wieder agiler, unruhige Hunde werden wieder ruhiger. «Ich schätze die Zusammenarbeit mit Tierärztinnen und Tierpflegern in der Umgebung und stosse auf offene Ohren.»
ANMELDEN
Herzlich willkommen! Melden Sie sich mit Ihrem Konto an.