Von Zolliker Zumiker Bote ‒ 24. Januar 2025

Text: Walter Letsch
Am 17. Januar 1525 fand im Zürcher Rathaus eine Disputation über die Frage der Erwachsenen-Taufe statt. Schon am Tag darauf wurde ein staatlicher Taufzwang für Neugeborene erlassen. Einige «Wiedertäufer», Befürworter der Erwachsenen-Taufe, wurden des Landes verwiesen. Am 21. Januar kamen in der Neustadtgasse beim Grossmünster die Ausgewiesenen mit Freunden zusammen – und alle liessen sich taufen. Am 25. Januar wurde im Haus von Rudi Thomann an der Gstadstrasse in Zollikon ein Abschiedsessen für die Verbannten veranstaltet, wobei die Zolliker Brüder Jakob und Konrad Hottinger getauft wurden.
Während in der Stadt weitere Erwachsenen-Taufen verhindert werden konnten, scheint sich in Zollikon eine gewisse Gruppendynamik entwickelt zu haben. Innert einer Woche waren schon über 35 Personen getauft. Am 30. Januar 1525 wurden 25 Zolliker Täufer verhaftet und im ehemaligen Augustinerkloster eingesperrt. Eine Woche später wurden sie wieder entlassen, nachdem sie die enorme Busse von 1000 Gulden (etwa der Wert von zwei Häusern) gezahlt und versprochen hatten, «dass sie es nicht mehr tun wollten». Die Täufer verweigerten dann zunehmend den Kirchgang, weil in der Predigt das Wort Gottes nicht richtig ausgelegt werde. Damit zeigte sich schon die sich anbahnende Trennung von der Volkskirche.
Innerhalb zweier Wochen tauften die Täufer rund 80 Erwachsene, die Hälfte davon nicht in Privathäusern, sondern in der Kirche Zollikon. Die Täufer hatten nämlich nicht nur Anhänger unter den Laien gefunden, und so wurden der Pfarrer von Zollikon, Johannes Brötli, und der Pfarrer von Witikon, Wilhelm Reublin, als Nichtbürger des Landes verwiesen. Die Zürcher Obrigkeit witterte bei den Täufern «Unrüw» und Anstiftung zu «widerwertig Hendel». Diese beteuerten aber ihre Loyalität zur Obrigkeit, waren bereit, Zinsen und Zehnten zu zahlen, und wollten auch den Anordnungen folgen, «die dem Wort Gotes unverletzlich syen». Ihr Gehorsam galt also nur eingeschränkt und erscheint uns heute wie ein frühes Plädoyer für die Religions- und Gewissensfreiheit. Doch der Druck wuchs und die Täufer wurden mit Gefängnis, Bussen, Folter und Todesurteilen verfolgt. So ging die Zolliker Täufergemeinde bereits im August 1525 wieder weitgehend unter, blieb aber der Ursprung der Täufer.

Doch die Täuferbewegung liess sich nicht mehr aufhalten und breitete sich weiter aus, zunächst nach Grüningen, darauf nordwärts nach Schaffhausen, Hallau und Waldshut, dann weiter bis nach Mähren. Auf der Flucht dorthin wurde die Zollikerin Margret Hottinger zusammen mit ihrem Vater Jakob bei Ravensburg verhaftet. Ihr Vater wurde enthauptet und sie wurde unter Wasser gedrückt. Als man sie nach einer Weile wieder gnädig aus dem Wasser zog und fragte, ob sie bereit sei zu widerrufen, fragte sie: «Weshalb zieht er mich heraus? Das Fleisch war schon fast besiegt». Darauf wurde sie endgültig ertränkt.
Von Zollikon raus in die Welt
Zur Erinnerung an die Gründungsgeschichte der Täuferbewegung in Zollikon 1525 plant das Ortsmuseum zusammen mit der reformierten Kirche ein vielfältiges Programm. Vor 500 Jahren entstand in Zollikon die weltweit erste Täufergemeinde. Warum stellten die Menschen damals Traditionen und Glaubensregeln infrage und riskierten Verfolgung? Das Ortsmuseum lädt ein, die bewegende Geschichte zu entdecken – mit einer Plakatserie an historisch bedeutsamen Orten, Rundgängen auf Deutsch und Englisch, Vorträgen, Lesungen und einem Gottesdienst in Zusammenarbeit mit der reformierten Kirche. Das Projekt wird aktuell erarbeitet und beginnt voraussichtlich am 10. und 11. Mai. Detaillierte Informationen zum Programm werden im Februar publiziert.
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