Abwasser kennt keine Bürozeiten

Von Joachim Lienert ‒ 31. Januar 2025

Seit Anfang Jahr stellen bis zu fünf Mitarbeitende der ­Bauabteilung abwechselnd den Pikettdienst für die Abwasseranlagen Zollikon sicher. Dies, weil die bisherige externe Stelle den Vertrag mit der ­Gemeinde gekündigt hatte.

Arbeiter in der Tiefe: Entlang der Sägegasse werden neue Abwasserleitungen verlegt. (Bild: jli)
Arbeiter in der Tiefe: Entlang der Sägegasse werden neue Abwasserleitungen verlegt. (Bild: jli)

Abwasser fliesst immer. Rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr. Kommt es ausserhalb der normalen Bürozeiten, nachts, an Wochenenden oder an Feiertagen zu einer aussergewöhnlichen Situation, wird ein Alarm ausgelöst und der Pikettdienst rückt aus. Diesen stellte bislang der Zweckverband Abwasserreinigungsanlage Küsnacht-Erlenbach-Zumikon (ARA KEZ) sicher. Per Ende 2023 hatte er den Dienst eingestellt, für den die Gemeinde Zollikon pro Jahr rund 7000 Franken bezahlte. Überlastung der Mitarbeiter durch den Pikettdienst für eigene Anlagen und anstehende Projekte wie der Ausbau der ARA seien der Grund der Kündigung gewesen, teilt die Gemeinde auf Anfrage mit.

Nach einer internen Lösung im letzten Jahr, die nicht zufriedenstellend war, organisierte die Gemeinde per Anfang Jahr ihren ­Pikettdienst neu: Sie führt ihn jetzt selbst durch – mit bis zu fünf Mitarbeitenden der Bauabteilung. «Bei technischen Notfällen wird der ­Leiter Kanalisation/Gewässer informiert und falls nötig ebenfalls aufgeboten», schreibt ­Melanie Marday, Leiterin Kommunikation.

Fast 200 Prozent mehr Kosten?

Der Pikettdienst beginnt werktags um 16.30 Uhr und dauert bis anderntags um 7.30 Uhr. An Wochenenden und Feiertagen dauert ein Einsatz 24 Stunden. Die Abteilung Tiefbau rechnet mit jährlich etwa 6500 Pikettstunden, was die Gemeinde Vergütungen in der Höhe von rund 20 000 Franken kostet. Bedeutet das eine Steigerung von fast 200 Prozent gegenüber der bisherigen Lösung? Melanie Marday relativiert: «Die ARA KEZ stellte uns nur die effektiv anfallenden Kosten in Rechnung, wenn ihre Leute tatsächlich ausrücken mussten. Unseren eigenen Mitarbeitenden aber zahlen wir für jede Stunde, in der sie auf Abruf im Pikettdienst zur Verfügung stehen müssen, drei Franken. Sie erhalten eine Entschädigung für ihre Pikett-Bereitschaft.» Zur Einordnung: Die ARA KEZ ­verrechnete 2023 der Gemeinde Zollikon 28 Stunden Pikettdienst, bei dem sie effektiv ausrücken musste.

Gemäss Personalverordnung der Gemeinde Zollikon kann der Gemeinderat Pikettdienst für Angestellte anordnen. Pikettdienste gibt es bereits für Gemeindesaal, Bestattungsamt, Friedhof, Betrieb und Support der internen Informatik (ICT) sowie den technischen und Unterhaltsdienst im Wohn- und Pflegezentrum Blumenrain.

Da sich der Pikettdienst auf verschiedene Personen verteile und auch bei Ferien und anderen Abwesenheiten Stellvertretungen definiert seien, werde die Neuerung von den Mitarbeitenden grundsätzlich begrüsst.

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