Von Claudia Eberle-Fröhlich ‒ 7. März 2025

Wer hinter die Kulisse der Post Küsnacht/Zollikon blicken darf und dabei Gilbert Schneider bei der Arbeit beobachtet, der sieht sofort, wie engagiert der Teamleiter in seinem Beruf ist. Das Telefon klingelt, und in Sekundenschnelle beantwortet er Fragen und weiss eine Lösung. Die Stimmung in den Räumen ist «gschaffig» und trotzdem so beschwingt wie im Hintergrund die Radiomusik der Weather Girls «It’s Raining Men». Eintreffende Mitarbeitende grüssen ihn, den Chef, dessen Präsenz über 24 Köpfe hinweg spürbar ist. Dieser Mann übernimmt Verantwortung und geht mit Tatkraft an seinen Job. Dabei war sein Werdegang im Ursprung ein anderer. Aufgewachsen bis zum siebten Lebensjahr in Oerlikon und danach in Zürich Affoltern, machte er nach der Schule eine Lehre als Dachdecker. Er liebte seinen Beruf auf den Dächern, wo er in den folgenden sechs Jahren wertvolle Erfahrungen sammelte. Doch nach und nach schlich sich eine Höhenangst ein, wenn er beispielsweise hoch über den Hausgiebeln beim Grossmünster die Dachrinnen reinigen musste. Die Angst zwang ihn schliesslich zum Berufswechsel.
Bei der Migros Helvetiaplatz konnte er gleich im Kundendienst anfangen. Der Kontakt mit der Kundschaft erfüllte ihn. Dank seiner anpackenden Art und Hilfsbereitschaft dauerte es nicht lange, bis er Rayonchef für Gemüse und Früchte wurde. Mehr als elf Jahre lang war für ihn die Welt in Ordnung: ein sicherer Job mit Verantwortung und mit Kundschaft. Während dieser Zeit lernte er seine Frau kennen. Ein Glücksfall: Die hübsche und charmante Marokkanerin begegnete ihm an einer Party bei Freunden. Nun sind die beiden bereits zwanzig Jahre verheiratet und haben eine 18- und eine 14-jährige Tochter. «Ein Frauenhaushalt», sagt er und lacht.
Als Quereinsteiger kam er vor 23 Jahren zur Post Oerlikon und dort ins Ausbildungsteam. Schon bald wurde er Betreuer für die Lernenden. Danach wechselte er zur Poststelle Neumünster, wurde dort Leiter Stellvertreter und ist jetzt seit drei Jahren Teamleiter in Küsnacht. Damit war er auch für die Post Zollikon verantwortlich. Seit inzwischen sechs Jahren führt er das Post-Team; acht Personen für Zollikon und 16 für die Postverteilung Küsnacht. Wichtig ist ihm die Zusammenarbeit mit der Postverteilstelle Zollikerberg und Zumikon. Mit dem Teamleiter Michael Stierli ist es möglich, sich in der Not gegenseitig innerhalb von nur zehn Minuten auszuhelfen. «Das gibt mir Sicherheit und ein gutes Gefühl», sagt er. Gelegentlich trifft man Gilbert Schneider in den Strassen von Zollikon auf dem Elektro-Dreiradroller: In Spitzenzeiten und bei Ausfällen hilft er seinem Team aus.
Auf die Frage, wie die Kundschaft an der Goldküste funktioniert, antwortet er: «In Zollikon und Küsnacht ist es wichtig, erreichbar und freundlich zu sein.» Wenn etwas nicht klappe, klingle sofort das Telefon, manchmal ist es die Kundschaft selbst: «Ich begrüsse das. Ich bin Perfektionist und finde, die Kundschaft darf Ansprüche haben.» Qualität sei ein hohes Gut, die Arbeit nicht einfach, und er fordere sein Team. Auf jede und jeden Einzelne seiner Kolleginnen und Kollegen ist er stolz, er schwärmt in höchsten Tönen von ihnen. «Wir sind bei Schnee, Regen und wenn’s kalt oder heiss ist auf der Tour», doppelt er nach. Zugestellt wird von Briefpost über Pakete bis zu Sperrgut alles, was zur geografischen Route gehört. Im Einsatz sind grosse Elektro-Dreiradroller mit Anhänger, und vor Kurzem wurde sogar ein Elektroauto für die Zustellung der Pakete angeschafft.

Was ihm an seiner Arbeit besonders gefällt, ist die Vielseitigkeit, aber auch die meist regelmässige Arbeitszeit. Er ist oft der Erste um fünf Uhr früh, und je nach Postvolumen bleibt er auch mal drei Stunden länger, beispielsweise vor Weihnachten. «Ich bin fast zu viel Post, es ist meine Berufung», lacht Gilbert Schneider. «Ich hatte noch nie genug, einmal Post, immer Post.» Seine Frau müsse ihn bremsen und lege ihm ans Herz, das Telefon während der Freizeit abzuschalten. Auch seine Töchter sorgen sich um ihn und raten zu mehr Abstand von seiner Arbeit.
Selbst sein Hobby, das Fischen, hat er zugunsten seiner Arbeit aufgegeben und den Platz seinem Freund überlassen. Eine weitere Leidenschaft sind die Ferien in Marokko, seine Frau wuchs in der Hafenstadt Safi auf. Da fährt er mit seiner Familie jährlich hin und besucht die umliegenden Städte Marrakesch, Casablanca und Agadir. Er liebt das Meer und die Gastfreundschaft der Marokkaner. «Mir ist wichtig, dass wir die Familie meiner Frau regelmässig besuchen», betont er.
Wenn das Engagement für den Job so gross ist, ist es ebenso wichtig zu wissen, wann es genug ist. Über seine Pensionierung hat der 55-Jährige bereits nachgedacht: Er erwägt, etwas früher in Rente zu gehen und nach Marokko auszuwandern, solange er noch bei Kräften ist. Das Einzige, was er sich noch nicht vorstellen kann, ist, ohne seine Töchter die Schweiz zu verlassen. Der Familienmensch Gilbert Schneider hat jedoch noch etwas Zeit, seinen dritten Lebensabschnitt zu planen. Die Post wird in den nächsten Jahren weiter für ihn abgehen.
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