Von Joachim Lienert ‒ 7. März 2025

Wie soll man das jetzt nennen: einen Marathon? Einen Hürdenlauf? Rückblende: Am 7. September 2023 beschloss der Liegenschaftenausschuss die Vergabe der Planungsleistungen für die Sanierung der Sportanlage Buechholz. Die Gesamtkosten als Bemessungsgrundlage für den Projektierungskredit wurden zu diesem Zeitpunkt auf 1,25 Millionen Franken angesetzt. An der Gemeindeversammlung vom 12. Juni 2024 hiessen die Stimmberechtigten einen Ausführungskredit von 2,25 Millionen Franken gut. Die Erhöhung um fast 90 Prozent gegenüber dem Projektierungskredit ergab sich daraus, dass er neben der reinen Sanierung auch Mehrleistungen enthält, zum Beispiel Fitnessgeräte. Am 18. Dezember informierte die Gemeinde, die Gesamtsanierung verzögere sich zeitlich, aufgrund der rechtlich notwendigen Neuplanung des Entwässerungssystems. Mehrkosten wurden dabei noch keine kommuniziert, weil der neu zuständige Planer diese erst kalkulieren musste. Und jetzt das: Die Gemeinde teilt mit, dass sie mit Mehrkosten von 1,35 Millionen Franken rechnet. Zudem werde die neue Anlage voraussichtlich erst Ende Juli für Schülerinnen und Schüler, Sportvereine und Bevölkerung öffnen.
Sind das elbphilharmonische Verhältnisse im Dorfformat? Von 2,25 auf 3,6 Millionen in acht Monaten? Was ist da passiert? Gemeinderat Patrick Dümmler, Ressortvorsteher Liegenschaften, gibt uns Auskunft: «Auch für mich ist äusserst ärgerlich, was hier passiert ist.» Er nennt zwei Ursachen. Erstens muss das bereits im Dezember kommunizierte, unterirdische Rückhaltebecken gebaut werden, um das Regenwasser verzögert in die Kanalisation einzuleiten. Das verursacht Mehrkosten von 600 000 Franken.
Thomas Schumann, der als Projektleiter der Gemeinde das Projekt für die Schule betreut, erklärt: «Der externe Planer wollte die Versickerung eins zu eins so erstellen, wie sie im Buechholz bereits bestand: Wasser sammeln, im Boden versickern lassen. Nur hat sich die Gesetzeslage längst geändert. Heute darf man Regenwasser nicht mehr einfach irgendwie versickern lassen, sondern ausschliesslich unter Nutzung vorhandener Humusschichten. Wo dies durch schlecht sickerfähigen Boden nicht möglich ist, kommen Alternativen zum Einsatz, in unserem Fall ein grosses Rückhaltebecken.» Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft des Kantons Zürich (AWEL) hatte Zollikon darauf aufmerksam gemacht, dass es eine andere Versickerung als geplant brauche. Der externe Planer war offensichtlich mit dieser Rechtslage nicht vertraut.
Bleibt zweitens die Tranche von 750 000 Franken. Patrick Dümmler: «Das brachte für mich das Fass zum Überlaufen. Das beauftragte Planungsbüro hatte schlicht bauliche Leistungen vergessen, die nötig waren, damit sich einzelne Bestandteile des Projekts überhaupt ausführen lassen.» Man muss sich das so vorstellen: Ein Objekt auf dem Platz – wie beispielsweise eine Schuhwaschanlage – besteht aus einzelnen Teilleistungen, die wiederum von unterschiedlichen Unternehmen ausgeführt werden. Dazu gehören die Lieferung der Anlage, die vorbereitenden Bodenarbeiten für ein Fundament, das Fundament selbst und die Zu- und Ableitungen des Wassers. Jede dieser notwendigen Leistungen entspricht einer anderen Arbeitsgattung und wird dort ausgeschrieben. Erfolgt diese Verteilung unvollständig, fehlen anschliessend in den Offerten diese Beträge. Diese Fehler summierten sich zunehmend, unter anderem bei der Laufbahn, den Sonnensegeln und den Fundamenten für die Fitnessgeräte.
Jetzt stellt sich die Frage: Warum hat das niemand gemerkt? Und wer hat es wann gemerkt? «Wir können in unserer Abteilung ein solches Projekt stichprobenartig, jedoch nicht bis ins Detail prüfen. Genau deshalb ziehen wir externe Fachleute bei. Das beauftragte Planungsbüro war für uns diese Stelle. Es hat schon Sportplätze gebaut, und wir haben mehrfach gute Erfahrungen mit ihm gemacht.» Die Betonung liegt auf «gemacht». Denn als Patrick Dümmler vor rund zwei Wochen erfuhr, was schiefgelaufen war, entzog die Gemeinde dem Planungsbüro den Auftrag sofort.

Ein Schulsportanlage sei für eine Gemeinde wie Zollikon kein Standardauftrag. Sie habe Projektleiter, keine Fachspezialisten angestellt. «Wir sind immer auf externe Experten angewiesen. Machen diese falsche Angaben oder vergessen etwas, fällt uns das nicht unbedingt auf. Vor allem, weil eine Gemeinde wie wir vielleicht alle 40 Jahre mal einen Sportplatz neu baut beziehungsweise komplett saniert.»
Thomas Schumann sagt, dass die Gemeinde Schritt für Schritt auf die Planungsmängel aufmerksam wurde. «Es war ein schleichender Prozess. Im Verlaufe des Projektfortschritts stellten wir zunehmend fest, dass sehr viele Positionen in der Ausschreibung fehlten, die nötig gewesen wären, damit alle an der Sanierung beteiligten Unternehmen ihre Leistungen korrekt kalkulieren können.» Vor allem die beteiligten Baufirmen machten die Gemeinde darauf aufmerksam, dass gewisse Leistungen nicht im Ausschreibungskatalog aufgeführt waren, die nötig sind, um Teile des Projekts zu realisieren.
Hätten die Baufirmen das nicht viel früher merken sollen? Patrick Dümmler: «Möglicherweise schon, doch nun haben die ersten Arbeiten bereits begonnen und wir können die Baustelle als offene Wunde so nicht belassen.» Er verspricht Sofortmassnahmen, um Fehlplanungen künftig zu vermeiden und die Qualitätssicherung zu verbessern. «Ich habe die Liegenschaftenabteilung angewiesen, ab sofort jedes Projekt über einer Million Franken von unabhängigen Experten überprüfen zu lassen. Das kostet zwar auch etwas, aber weniger, als im Nachhinein Fehler zu entdecken. So können wir das Risiko einer mangelhaften Planung stark vermindern.»
Die Gemeinde hatte, als Bauunternehmer auf sie zukamen, mit dem betroffenen Planungsbüro gesprochen und umgehend den Ingenieur gewechselt. Zollikon will die Sache nicht einfach auf sich sitzen lassen, sondern prüft, ob es das Planungsbüro in die Pflicht nehmen kann. «Wir klären ab, was rechtlich möglich ist.» Es ist Patrick Dümmler wichtig festzustellen, dass die Mehrkosten nicht entstanden, weil die Gemeinde teurere Sportgeräte aussuchte oder Mehrleistungen verlangt. «Die Mehrkosten betreffen einzig das Leistungspaket, das wir an der Gemeindeversammlung ursprünglich angepeilt haben.»

Der Gemeinderat anerkannte nach rechtlicher Abklärung diese Mehrkosten als gebundene Ausgaben, die die Gemeinde übernehmen müsse, da sie erst im Verlauf der Bauarbeiten erkannt wurden und nun unvermeidbar sind. «Würden wir das Projekt jetzt stoppen und Leistungen rausstreichen, müssten wir zum Beispiel auf die Tartanbahn verzichten und könnten damit das beschlossene Leistungsspektrum nicht mehr anbieten.» Auch würde eine neuerliche Verzögerung nur dazu führen, dass die Bevölkerung noch länger warten müsste. Günstiger würde das Projekt dadurch nicht. Im Gegenteil. Vermutlich würde die Gemeinde dann mit Schadenersatzforderungen von Baufirmen konfrontiert, die bereits Baumaterialien oder Geräte für die Sanierung eingekauft und an Lager hätten. Der Gemeinde bleibt wohl nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel beissend über die Hürde zu springen.
«Das Ausmass der Kostensteigerung ist aussergewöhnlich, natürlich bedauere ich dies zutiefst», sagt Patrick Dümmler. Hat nicht auch die Gemeinde Fehler gemacht? «Natürlich kann man immer sagen: Ihr müsst noch mehr prüfen und abklären – und die gleichen Leute verlangen dann, dass wir unsere Kosten tief halten. Es ist immer ein Balance-Akt: Wie viel Know-how haben wir intern – und stellen dafür zusätzliche Mitarbeiter an – wie viel ziehen wir extern bei? Wir sind flexibler mit externen Experten. Ich bin Milizpolitiker und nicht vom Fach, das heisst, ich muss mich auf die Experten verlassen können – und wenn das nicht klappt, haben wir ein grösseres Problem.» Er hofft sehr, dass sich mit einer Zweitmeinung solche Fälle künftig ausschliessen lassen. Die Gemeinde werde aber auch die internen Abläufe prüfen, sobald die Abteilungsleitung Liegenschaften wieder besetzt ist; der Vorgänger verstarb unerwartet anfangs Jahr. «Wir werden als eine der ersten Aufgaben zusammen schauen, ob wir auch interne Prozesse ändern müssen.»
Das Planungsbüro, das gemäss der Gemeinde fehlerhaft gearbeitet hat, ist der Redaktion bekannt. Wir haben den Geschäftsführer mit den Vorwürfen konfrontiert. Er möchte keine Stellung beziehen. Er sei nicht mehr involviert in das Projekt, seit es in andere Hände übergegangen sei, und verweist auf die Ansprechpersonen der Gemeinde.
Wird die Schulsportanlage Buechholz wenigstens diese hoffentlich letzte Hürde nehmen und im Sommer bereit für die Nutzung sein? Patrick Dümmler: «Meine Hoffnung ist Stand heute, dass sie Ende Juli eröffnet werden kann.»
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