Von Joachim Lienert ‒ 13. März 2025

Rund achtzig Zollikerberglerinnen und -bergler waren der Einladung der Gemeinde gefolgt. Darin hiess es: «2025 werden mehrere Anlässe mit der Bevölkerung sowie eine Online-Umfrage stattfinden, um gemeinsam den Ortskern Zollikerberg zu denken und zu entwickeln. Nutzen Sie die Chance und reden Sie mit.» Noch vor Beginn des Anlasses bittet die Redaktion zwei Besucher, kurz mitzudenken: «Was wünschen Sie sich vom Zollikerberg?» Die Antwort von Christian Amstad kommt prompt: «Eine Tieferlegung der Forchbahn – oder wenigstens der Forchstrasse.» Roberto Barizzi pflichtet ihm bei: «Das Höchstgebot dieses Anlasses wäre die Tieferlegung der Forchstrasse. Oder zumindest die Herabsetzung der Geschwindigkeit in der Nacht auf Tempo 30 – von 20 Uhr bis morgens um 6.30 Uhr.» Die beiden ahnen es: Dieses Höchstgebot steht heute nicht auf dem Programm.
Neben Moderator Reto Brennwald führt Patrick Dümmler als Ressortvorsteher Liegenschaften durch den Vormittag. Der Gemeinderat liebte es schon als Jugendlicher, mit den Grosseltern durch den Zollikerberg zu spazieren. Irgendwann stellte er fest: «Es gibt keinen Ortskern.» Das also will die Gemeinde ändern – und unter Mitwirkung der Einwohnerinnen und Einwohner einen Prozess anstossen, der ausdrücklich offen ist: «Er ist ein weisses Blatt. Es existieren noch keine Pläne für den Ortskern.» Mit einer Einschränkung: «Es gibt eine Spielregel, die wir nicht ändern können.» Das sind dann, genau, die Forchbahn und die Forchstrasse, für die der Bund beziehungsweise der Kanton zuständig ist.
Alles andere soll jetzt angedacht werden. Mit Ideen, wie sich der Ortskern entwickeln könnte – insbesondere unter Einbezug der Areale Roswies und Geren, die der Gemeinde gehören – bis auf zwei Gebäude. Patrick Dümmler betont, dass die Familie Trüb und Werner Oscar Weber als Eigentümer dieser Gebäude ebenfalls anwesend seien und ihre Zustimmung gegeben hätten, gross zu denken. Der Umgang mit den Eigentumsverhältnissen müsste bei einer späteren Planung berücksichtigt werden. Dass die Gemeinde
den Prozess ernst nehme, zeige sich auch daran, dass sie mit einer Delegation von rund zehn Personen, wovon fünf Gemeinderätinnen und -räte, am Forum teilnimmt.

Partizipativ ist ein oft gehörtes Wort an diesem Anlass. Das bedeutet zum Beispiel, dass alle übers Handy einige Fragen beantworten können. Etwa, was die Stärken des Zollikerbergs sind. Die Antworten werden in Echtzeit in Wortwolken präsentiert: Ruhe, Natur, Stadtnähe, Wald. Und die Schwächen: Verkehr, kein Zentrum, Fluglärm, kein Dorfkern.
Jetzt geht es an konkrete Ideen, die die Teilnehmenden bei drei Arbeitsinseln auf Tafeln festhalten – zu den Themen «Nutzungen im künftigen Ortskern», «Freiraumqualitäten» und «wichtige Orte im Zollikerberg». Die Diskussionen verlaufen angeregt, träumen ist erlaubt. Einwohner Stefan Kuhn etwa wünscht sich einen Wochenmarkt wie in Zollikon. Eine andere Einwohnerin wünscht sich bezahlbaren kleineren Wohnraum, damit sie ihr zu gross gewordenes Einfamilienhaus einer Familie weitergeben kann. Einen Ort zum Sitzen und Verweilen wünscht sich jemand, die Bibliothek belassen eine zweite Person, Kultur- und Freizeitanlässe draussen die dritte.
Stadtplaner Götz Datko und sein Team von der Firma Kontextplan, die mit der Planung des partizipativen Prozesses beauftragt sind, tragen die Ergebnisse zusammen. Die Stossrichtung ist klar: Die Zollikerberglerinnen und -bergler wünschen sich einen Ortskern in erster Linie für sich und nicht als Aushängeschild für Auswärtige. Sie wünschen sich keinen sogenannten Mobilitätshub – also keinen Ausbau der Haltestellen zu Dienstleistungs- und Begegnungszentren. Sie wünschen sich Grünelemente und einen Aussenraum als Begegnungsort für alle. Im Zentrum steht der Aspekt «Treffpunkt» und nicht der Aspekt «Wohnraum schaffen». Ein Spielplatz, ein Jugend-Treffpunkt, ein Zentrum für Begegnung und Freiwilligenarbeit, Multifunktionsräume – all dies ist ihnen wichtig. Der neue Ortskern darf eine gewisse Dichte haben, muss aber auch viel Grünraum aufweisen. Und eine Parkierungsanlage, wie immer sie aussehen mag, muss in den Untergrund.
Die ersten Gedanken sind formuliert. Einen Mahnfinger erhebt bei der Schlussrunde Klaus J. Stöhlker, der angrenzend an die Roswies wohnt: «Ich gehöre zur Gruppe, die das Fehlprojekt von 1992 zu Fall brachte. Heute habe ich eine Bitte: Schafft etwas Elegantes und denkt an die Kinder.» Ob er als Anwohner denn offen wäre für eine Überbauung Roswies?, fragt Reto Brennwald. Stöhlkers Replik: «Einfach nicht falsch bauen. Keine Billigwohnungen!»
Noch einmal betont Patrick Dümmler den partizipativen Prozess: «Uns ist wichtig, dass wir an die Hand nehmen, was wir als Gemeinde umsetzen können.» Er erntet aber auch Applaus für die Aussage: «Vielleicht können wir auch etwas zusammen mit dem Kanton machen. Die Unterführungen nicht nur beizubehalten, sondern sie attraktiver zu gestalten, zum Beispiel. Das ist nur eine Idee.» Die Gemeinde wolle das eine tun und das andere nicht lassen. Jetzt sind die Spielregeln bekannt, der Prozess angestossen. Noch darf gross gedacht werden.
Die Gemeinde wird zur Ortskernentwicklung Zollikerberg zwei weitere Foren mit Einbezug der Bevölkerung ausrichten: am Donnerstag, 3. Juli, um 18 Uhr, und am Samstag, 1. November, um 9 Uhr. Zudem führt sie Umfragen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch. Die Ergebnisse aus Umfragen und Foren sollen dazu dienen, von möglichen Bildern, wie man sich den künftigen Ortskern vorstellt, zu konkreten räumlichen und architektonischen Lösungen für die Gestaltung eines künftigen Ortskerns zu gelangen.

























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