Der Hortus conclusus des Friedhofgärtners

Von Björn Reinfried ‒ 17. April 2025

Am Rande Zumikons und des Waldes liegt ein Garten, dessen Hecken so hoch sind, dass nur eine Amsel ab und zu darüber kommt. Ein verschlossener Garten (hortus conclusus) zweier begeisterter Gärtner, die dieses Stück Natur seit 13 Jahren hegen und pflegen. Der Garten der Zumiker Francesco Aschwanden und Marco Tommasini.

«Eigentlich sind es ja zwei Gärten.» Francesco Aschwanden in seinem Reich mit Hunderten von Bäumen, Büschen, Blumen und Sträuchern. (Bild: bre)
«Eigentlich sind es ja zwei Gärten.» Francesco Aschwanden in seinem Reich mit Hunderten von Bäumen, Büschen, Blumen und Sträuchern. (Bild: bre)

«Eigentlich sind es ja zwei Gärten: Der asiatische Teil von Marco und der bäuerliche von mir», sagt Francesco Aschwanden, während er neben einem alten, verschlungenen japanischen Ahorn steht. Das Zentrum dieser Gartenhälfte bildet eine kreisrunde Rasenfläche, auf der die Hündin Lucy in der Sonne liegt. Gesäumt ist die Fläche von Koniferen, kleinwachsenden Nadelbäumen, die an Bonsai erinnern. An dem alten Ahorn hängen kleine Glocken und Laternen. Auf den Mäuerchen stehen an japanische Steintempel erinnernde Laternen. Rundherum Hunderte kleine und grosse Bäume, Büsche, Blumen und Sträucher.

In der anderen Ecke des Gartens wächst ein weiterer japanischer Ahorn. «Der stand einmal hinter einem Grab, und ich durfte ihn behalten.» Es ist nicht die einzige Pflanze, die der pensionierte Friedhofsgärtner von seinem Arbeitsort mitnehmen durfte. Der Garten des Friedhofsgärtners ein Memento Mori? Mitnichten! Alles wächst, blüht und lebt. Hunderte Primeln säumen die Wege und Plätze des Gartens im April. Francesco Aschwanden kennt jede einzelne Pflanzenart – hat er doch die meisten davon selbst gesetzt.

Der Garten des Friedhofsgärtners ein Memento Mori? Mitnichten! Alles wächst, blüht und lebt. (Bild: bre)
Der Garten des Friedhofsgärtners ein Memento Mori? Mitnichten! Alles wächst, blüht und lebt. (Bild: bre)

Vom Tessin bis Frankreich

«Hier oben ist unser Dschungel und da hinten ein gemütliches Plätzchen zum Sitzen.» Francesco Aschwanden führt durch einen dicht bewachsenen Teil des Gartens, ­unter wuchernden Pflanzen hindurch, die tatsächlich an einen Tropenwald erinnern. Von hier gelangt man auf das Morgensitzplätzli; ein mit Moos überwachsener Steinplatz, eingefasst von Pflanzen und dekoriert mit einer Götterstatue. Unterhalb des Platzes wachsen Orangenblumen, und daneben steht eine Sammlung von unterschiedlichen Funkien – Dutzende Töpfe davon.

Dekorationen und gemütliche Plätze – davon finden sich hier viele. Die beiden Gärtner haben ein Auge fürs Detail. Mehrere grosse Bergkristalle stehen zwischen den Pflanzen, zwei alte, dekorierte Metallglocken hängen an Spalieren, die französische Nationalallegorie Marianne steht als Steinfigur mit wehender Fahne zwischen Sträuchern, und jeder Platz hat seinen eigenen Namen; das Tessin ist mit Bergpalmen bepflanzt, das Edithplätzli ist der ehemaligen Besitzerin des Hauses gewidmet und das Nonnenplätzchen – eine eigene Geschichte.

«Rehweid» taufte Francesco Aschwanden das Grundstück, weil früher viele Rehe vom Waldrand bis an das Haus herankamen. Irgendwann kamen sie nicht mehr, dafür kommt heute eine Amsel. Sie wird mit Mehlwürmern gefüttert: «Auf einen halben Meter kommt sie nun heran.»

Auf Schritt und Tritt entdeckt der Gast Wege, Plätze, Statuen, Spaliere, Glocken, Töpfe, Laternen und mehr. (Bild: bre)
Auf Schritt und Tritt entdeckt der Gast Wege, Plätze, Statuen, Spaliere, Glocken, Töpfe, Laternen und mehr. (Bild: bre)

Tag für Tag

Die Amsel ist eine Ausnahme; denn ausser ihr kann kaum jemand von aussen in den Garten sehen. Zwei Wanderwege führen an dem Grundstück vorbei, und damit nicht jeder reinschauen kann, sind die geschwungenen Hecken gut drei ­Meter hoch. Francesco Aschwanden bezeichnet den Garten als erweiterten Lebensraum: «Ich finde es schön, dass man hier für sich ist.»

Eine Lieblingspflanze in dem Garten hat er nicht. Er findet alle schön und kann zu jedem Strauch, Gehölz, Geäst und Baum, zu jeder Blume und jedem Blatt etwas erzählen. Mal stammt die Pflanze von den Vorbesitzern und ist schon fast 90 Jahre alt, mal hat er sie selbst mit einem Kran über das Haus gehievt und eingepflanzt. Es sind Hunderte Töpfe und Tausende Pflanzen. Was jetzt besonders blühe oder speziell sei? «Alles blüht! Gut drei Wochen früher als sonst», sagt der Gärtner und zeigt in die blühende, kleine Landschaft.

Wie viele Stunden sie jede Woche für blühende Sträucher, für Cornus, Deutzien, Buchs, Ahorn, Lärchen und alle anderen Pflanzen aufwenden? Er weiss es nicht genau: «Man macht immer mal etwas, jeden Tag ein bisschen. Dafür ist man ja pensioniert, oder?»


Gartenserie – jeden Monat ein anderer Garten

In einer lockeren Serie erzählen jeden Monat passionierte Gärtnerinnen und Gärtner aus Zollikon und Zumikon über ihren Garten. Haben auch Sie einen, den Sie den Leserinnen und Lesern vorstellen möchten? Wir freuen uns auf Ihre E-Mail an: redaktion@zozubo.ch.

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