Gaunerzinken am Briefkasten?

Von Joachim Lienert ‒ 17. April 2025

Sie waren vor einigen Jahren ein grosses Thema in der Schweiz: die Gaunerzinken. Eine Leserin hat nun vermutet, solche auch in Zollikon entdeckt zu haben. Die Polizei gibt Entwarnung – warnt jedoch vor einer anderen Form von Diebstählen.

Vermeintliche Gaunerzinken sind oft harmlose Markierungen, zum Beispiel von Elektrofirmen, Bauunternehmen oder Postdiensten. (Symbolbild: jli)
Vermeintliche Gaunerzinken sind oft harmlose Markierungen, zum Beispiel von Elektrofirmen, Bauunternehmen oder Postdiensten. (Symbolbild: jli)

Gauner­zinken sind kleine Symbole, die Einbrecher zum Beispiel auf Briefkästen einkratzen oder malen, um Informationen über potenziell lohnenswerte Einbruchsobjekte weiterzugeben. Eine Leserin des Zolliker Zumiker Boten, die anonym bleiben möchte, berichtete von eingeritzten Gaunerzinken, die sie bei den Klingeln eines Mehrfamilienhauses entdeckt habe. In diesem Haus habe es vor Kurzem auch einen Einbruchsversuch gegeben.
Für Ermittlungen bei Einbrüchen ist die Kantonspolizei Zürich zuständig. Ihr Mediensprecher Alexander Renner bestätigt auf Anfrage den Einbruchversuch im März in Zollikon. Die Ermittlungen dazu seien am Laufen. Zur vermuteten Verbindung mit Gaunerzinken sagt er: «Vereinzelt gehen bei der Kantonspolizei Zürich Meldungen über ­Markierungen ein. Ein Zusammenhang von solchen Markierungen mit ­Delikten lässt sich aber nicht herstellen.» Gaunerzinken seien eher ein Phänomen aus vergangenen Jahren: «Das kommt heute so gut wie nicht mehr vor. In 99,9 Prozent aller Fälle suchen sich Einbrecher ihr Einbruchsobjekt spontan aus.»

Zeichen von Kindern oder Bauarbeitern

Wir haben bei den Gemeindepolizeien von Zollikon und Zumikon nachgefragt: Sind Gaunerzinken ein Problem? Die Antwort ist eindeutig: «Nein», sagen unisono Peter Zimmermann, Polizeichef von Zollikon, und Roger Ryser, Polizeichef von Zumikon.

Peter Zimmermann bestätigt, dass auch in einem anderen Fall dieser Tage eine Meldung wegen Gaunerzinken einging. «Sie entpuppten sich aber als Zeichen, die Zeitungsverträger am Briefkasten angebracht hatten.» Roger Ryser sagt: «In Zumikon haben wir keinerlei Kenntnis von Gaunerzinken.» Was soll man tun, wenn man doch welche entdeckt? «Fotografieren Sie sie. Entfernen Sie sie danach gleich und melden Sie es der Polizei.» Diese wird beurteilen, ob es sich um echte Symbole zur Kommunikation handelt. Meist sind es einfach Zeichen, die zum Beispiel Kinder oder Bauarbeiter angebracht haben.

Wichtigste Prävention: Türen und Fenster abschliessen

Peter Zimmermann macht auf ein anderes Problem aufmerksam: «Heute sind in der Schweiz spontane Einbruchdiebstähle und Einschleichdiebstähle das grössere Problem.» Bei Letzteren klingeln Einbrecher an Wohnungs- und Haustüren. Wenn niemand öffnet und eine Tür nicht abgeschlossen ist, treten sie ein. Auch wenn sich jemand zu Hause im Garten aufhält und deshalb die Wohnung nicht abschliesst, kann dies einen Einbruch begünstigen. Roger Ryser bestätigt den Trend der Einschleichdiebstähle: «Diese Leute sind nicht organisiert. Sie probieren einfach hineinzuspazieren. Dann räumen sie alles Wertvolle weg, das sich gerade nahe beim Eingang befindet.» Ein Blick in die polizeiliche Kriminalstatistik des Kantons Zürich zeigt: 2024 wurden 5129 Einbruchdiebstähle und 1963 Einschleichdiebstähle verzeichnet. Das entspricht einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr um 16 bzw. 4 Prozent.

Gaunerzinken sind also kein Thema. Das Wichtigste bleibt die Prävention. Und die heisst auch für Peter Zimmermann: «Abschliessen. Das ist das Wichtigste. Das gilt auch für Autos.» Manche Kantone und Gemeinden bringen sogar Kleber auf Parkuhren mit dem Vermerk «Fahrzeug abgeschlossen?» an. Immer gilt auch der Rat von Roger Ryser: «Wenn Sie etwas ­Verdächtiges feststellen, nehmen Sie mit der Polizei Kontakt auf.» Sie wird den Vorfall abklären und gegebenenfalls eine Patrouille vorbeischicken.

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