Von Dörte Welti ‒ 17. April 2025

Kurzer Rückblick: Im Herbst 1968 fand der erste Verkaufstag des «Bergmärt» auf dem Hof von Bauer Gerhard Brunner senior statt. Die Idee, gute erhaltene Haushaltswaren und Möbel wiederzuverkaufen, war an einem Bergfest geboren, das die reformierte und die katholische Kirche in Zollikon gemeinsam begingen. Seit Ende der 1950er-Jahre verzeichnete die Gemeinde ungewöhnlich viele Neuzuzüger. Um eine Brücke zwischen Neuankömmlingen und Alteingesessenen zu schlagen, organisierte man eben den «Bergmärt», der sich bald fest etablierte.
Hans Theurer war mit seiner Frau 1968 gerade in den Hasenbart im Zollikerberg gezogen, in eine Traumwohnung mit unverbaubarem Blick in den Wald, die sie heute noch bewohnen. Die katholische Kirche fragte ihn an, ob er Lust habe, sich zu engagieren – er hatte. Und ist damit der Mitarbeiter im «Chramschopf» – der Verein entstand aus juristischen Gründen aus dem «Bergmärt» –, der am längsten dabei ist.
Als gelernter Schriftsetzer hat sich Hans Theurer über die Jahre bis zum Geschäftsführer einer Druckerei hochgearbeitet. Zum samstäglichen Einsatz im «Chramschopf» kamen nach und nach die Mitgliedschaften in der Freiwilligen Feuerwehr, dem Kirchenchor sowie der Fahrdienst für den Verein Senioren für Senioren (SfS) in Zollikon. Hans und Marianna Theurer haben zwei Söhne grossgezogen, sind mit den Kindern gewandert und Skilaufen gegangen, verbrachten viel Freizeit in ihrem Schrebergarten. Und immer wieder wandten sie Energie und Leidenschaft für den «Chramschopf» auf.
«Anfangs sind wir oftmals bis nach Oerlikon gefahren, um Waren abzuholen», erinnert sich Hans Theurer an die ersten Jahre des Brockenhauses. Mit Worten wie «nachhaltig» oder «recyceln» musste man damals nicht dafür sorgen, dass die Menschen Ware brachten oder kauften; es war selbstverständlich, dass gut Erhaltenes nicht einfach weggeworfen, sondern weitergegeben wird. Und dann noch für einen guten Zweck: Der Verein beschloss 1970, aus dem erwirtschafteten Erlös Spenden für Projekte mit gutem Zweck im In- und Ausland bereitzustellen.
Die sauber geführte Liste der Organisationen, Institutionen und Hilfswerke ist mit den wachsenden Einnahmen aus den Verkäufen im «Chramschopf» und dank der grossartigen Akzeptanz in der Bevölkerung seit 1970 immer länger geworden und auf der Website des Vereins zu finden.
Mehr Akzeptanz hat aber auch mehr Volumen und damit mehr Arbeit nach sich gezogen. Auf dem Hof wurde der Platz knapp, ausserdem wollte die neue Brunner-Generation die Scheunen wieder selbst nutzen können. 1981 konnte der Verein mit den Einnahmen einen Neubau, entworfen von Architekt Benito Davi († 2008), am heutigen Ort direkt neben der Bahnstation Zollikerberg finanzieren. Hans Theurer hat die Arbeiten und den Fortschritt des Baus sauber in einem Fotoalbum festgehalten. Und noch mehr Erinnerungen finden sich da. An rauschende Feste der «Chramschopf»-Familie, an Aufführungen aller Abteilungen auf den Anlässen, an Zeiten wunderbarer Gemeinsamkeit. «Der Zusammenhalt ist gross», schwärmen Hans und Marianna Theurer unisono. Und trotzdem gibt es kaum noch Nachwuchs.
Acht Abteilungen hat der «Chramschopf», jede für sich mit eigener Verantwortung: Haushalt, Möbel, Kleider, Bücher, Galerie, Boutique, Café und Transport. Letztere ist die Domäne von Hans Theurer, der bis letztes Jahr als Abteilungsleiter fungiert hat. Zur Abteilung Transport gehört auch das Entsorgen, ein existenzieller Teil, den er weiterhin betreut und der grosse Sorgfalt verlangt. «Viele Dinge, die Menschen uns bringen, kann man nicht mehr verkaufen, oder sie gehen beim Transport entzwei», erklärt Hans Theurer. Dann müssen sie sortenrein entsorgt werden: Metalle von Holz getrennt, Batterien aus Kinderspielzeugen genommen, Plastik von natürlichen Wertstoffen separiert werden. Handarbeit ist das, die in einer dem «Chramschopf» gegenüberliegenden Garage bewerkstelligt wird.
Und genau dafür sucht Hans Theurer einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin. «Man arbeitet dort grösstenteils allein», sagt Hans Theurer, «wer sich dafür entscheidet, muss ein Faible dafür und Lust darauf haben.» Jeden Samstag ist auch die Entsorgung am Schaffen, aber wer jetzt neu dazu kommt, muss nicht Wochenende für Wochenende antreten. Im Moment wird eine Person gesucht, die an acht bis zehn Samstagen das Team ergänzt. Grundsätzlich herrscht aber im ganzen «Chramschopf» Bedarf an helfenden Händen, in allen Bereichen. «Mittelalterliche Hilfe wäre gut», wirft Hans Theurer lachend ein, sie seien schon eine Gruppe von Freiwilligen, die eher 50plus seien. Obwohl es auch immer wieder Junge gibt, Kinder von den Teammitgliedern, die feuerwehrmässig einspringen.
Marianna Theurer umreisst das Tagesgeschäft an so einem Samstag: «9 Uhr früh geht es los, einige Waren und Ständer müssen nach draussen geräumt, Preise angeschrieben, alles für den Verkauf am Nachmittag vorbereitet werden. Schon am Morgen bringen Leute ihre Ware in die Annahme, die umgehend sortiert und in nützlicher Zeit in die Abteilungen verteilt werden muss.» Zum gemeinsamen Mittagessen kann man sich vorgängig anmelden, es wird vor Ort gekocht. Das fördere die Gemeinschaft und löse manchmal auch Probleme. Und dann, von 14 bis 16 Uhr, ist der Laden offen. Nach Ladenschluss läuft die ganze Chose retour, bis alles wieder verräumt oder entsorgt ist.
Ans Aufhören denkt der Pensionär Hans Theurer ganz und gar nicht. Zu wichtig ist ihm die Aufgabe, zu schön die Gemeinsamkeit und auch der Zweck, nämlich mit dem erwirtschafteten Geld helfen zu können, wo Hilfe benötigt wird. Ein Projekt liegt den Theurers besonders am Herzen, weil sie sich selbst mit darum kümmern: ein Hilfswerk für Heim- und Strassenkinder Burkina Faso. Und da speziell das vor 30 Jahren fertiggestellte Kinderheim Beog-Neeré. Vor allem Marianna – sie ist zwei Jahre jünger als ihr Mann Hans – ist immer wieder selbst dorthin gereist, um sich vor Ort vom sinnvollen Einsatz der Spendengelder zu überzeugen.
Wer sich angesprochen fühlt, dem Team zu helfen, kann sich über die Website des Chramschopfs oder vor Ort bei der oder dem Samstagsverantwortlichen melden und einen Schnuppertag vereinbaren.
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