Marktgeflüster: Früher war mehr Markt

Von Dörte Welti ‒ 2. Mai 2025

Braucht es in Zeiten des Online-Shoppings und der grossen Einkaufszentren noch einen Wochenmarkt? Und was ist überhaupt los auf dem Dorfplatz in Zumikon? Wir haben uns auf Standortbestimmung begeben.

«Ein Wochenmarkt ist hier nicht mehr so gefragt.» Der Dorfmarkt am letzten Samstag in Zumikon. (Bild: dwe)
«Ein Wochenmarkt ist hier nicht mehr so gefragt.» Der Dorfmarkt am letzten Samstag in Zumikon. (Bild: dwe)

Samstagmorgen, 10 Uhr, auf dem Dorfplatz, es ist einer der vier Dorfmarktsamstage, die es pro Jahr in Zumikon (noch) gibt. Sechs Marktstände und ein Grill sind aufgebaut, neben den Betreibenden und zwei Vertretenden der Marktkommission sind noch nicht viele Menschen unterwegs. Es ist kühl, der Himmel verhangen mit ein paar blauen Störungen, es sind Frühlingsferien, und ausserdem wird der Papst heute beerdigt, vielleicht schauen die Menschen ja gebannt die Liveübertragung.
Als Nicht-Zumikerin will ich wissen, ob es am Dorfmarkt immer so ruhig ist, und setze mich zu Jürg Bruhin, Musiker und Elektroniker, er wohnt direkt neben dem Dorfplatz, kennt den Markt, hat hier auch schon musiziert, mit eigener Band oder mit den vielen jungen Leuten, die er auf Musikkarrierekurs gebracht hat. «Früher war mehr Markt», könnte man die Konversation mit Jürg Bruhin Loriot-mässig auf den Punkt bringen.

Auch eine Dame, die seit 40 Jahren unermüdlich und regelmässig ihren Balsamico feilbietet, bestätigt das. Das Interesse am Markt sei ­zurückgegangen. Es könne daran liegen, überlegt die Standhafte, dass anfangs der Markt einmal im Monat abgehalten wurde und jetzt die ­Periodizität reduziert worden sei, und das sei schade. Zwei der Standbetreibenden sind zum ersten Mal hier, hätten sie gewusst, dass hier Ferien seien, hätten sie sich nicht angemeldet, lautet ihre Aussage.

Einsatz ist gefragt

Ein klassischer Wochenmarkt ist mehr als nur eine Verkaufsveranstaltung unter freiem Himmel. Ein Markt ist seit Urzeiten ein Ort, wo man sich trifft, einen Schwatz hält, Dinge des Alltags bespricht, Gemeinsamkeit verspürt. «Das Dorfzentrum als zentraler Ort des Dorflebens ist gestärkt», den Satz findet man in den aktuellen Legislaturzielen. Dass Märkte für so etwas heute grundsätzlich noch funktionieren, zeigen die gut besuchten in der Stadt Zürich. Aber eben genau dorthin zieht es auch eher die Bewohnenden der umliegenden Gemeinden wie Zumikon. «Es ist ein bisschen wie das Vereinssterben», sinniert Gemeinderat ­Mirco Sennhauser auf Anfrage. Neben seiner Funktion als Vorsteher Gesellschaft ist er auch Vorsteher der vierköpfigen Marktkommission in der Gemeinde Zumikon. «Ein Wochenmarkt ist hier nicht mehr so gefragt.» Die Kommission habe bereits viele Konzepte erarbeitet, wie man den Dorfplatz beleben könnte, bisher habe nichts gefruchtet: «Es gibt 1000 Ideen, aber die Umsetzung ist schwierig.» Sennhauser spricht auch an, dass man mit dem Gewerbeverein nach Möglichkeiten sucht.

Hürden überwinden

Derzeit gibt es wieder ein Konzept und man würde sehr gerne Anlauf nehmen. Im Weg steht, dass sich in Sachen Dorfplatz die sprichwörtliche Katze in den Schwanz beisst. Die Fakten sind bekannt, der ZoZuBo berichtete: Die Tiefgarage unter dem Dorfplatz muss saniert werden, der Platz selbst natürlich auch, es gibt bauliche Veränderungen, und es ist mit einem Jahr zu rechnen, in dem rein gar nichts auf dem Dorfplatz stattfinden kann. Der Beginn der Bauarbeiten verzögert sich, also kann man auch die Projekte, die man plant, nicht angehen.

Es braucht ein Dorf

Was also ist der Status quo? «Wir können nur einfache Ideen umsetzen», erklärt Mirco Sennhauser. Man möchte anfangen, nach und nach kleinere Projekte zum Laufen zu bringen. Aber weil man jederzeit damit rechnen muss, dass der Dorfplatz eine Baustelle wird, hält man den Ball flach. Visionen gebe es genug, es ist die Rede von festen Vorrichtungen wie auf dem Sechseläutenplatz, davon, dass eine Infrastruktur installiert wird, die ein flexibles Bespielen der dann neu konstruierten Fläche ermöglicht.

Und man schafft jetzt schon Synergien, indem zum Beispiel die Gemeindeversammlung Ende November an dem Samstagvormittag abgehalten wird, an dem der Adventsmarkt stattfindet, wodurch sich ein natürlicher Besucherstrom auf den Adventsmarkt ergeben soll. Aber auch für die Zeit nach Sanierung und Bau macht man sich in der Marktkommission keine Illusionen: «Einen Dorfplatz zu beleben, dauert drei bis vier Jahre.» Es braucht eben ein Dorf, um gute Ideen zum Fliegen zu bringen. Und alle Vorschläge für die Dorfplatznutzung aus der Bevölkerung sind willkommen. Die Marktkommission freut sich über jede und jeden, der sich mit Enthusiasmus einbringen will.

Werbung

Neuste Artikel

Newsletter

Dieses Feld wird benötigt.

ANMELDEN

Herzlich willkommen! Melden Sie sich mit Ihrem Konto an.