Ohne Mütter geht gar nichts

Von Dörte Welti ‒ 9. Mai 2025

Es waren Mütter, die 1974 die Initiative ergriffen, eine Möglichkeit für junge Mütter zum Austausch und gemeinsamen Aktivitäten zu schaffen. Sie tauften die Idee «Club für junge Familien». Am 18. Mai feiert der «Familienclub Zollikon», wie er heute heisst, seinen 50. Geburtstag.

Räume kunterbunt: Im «Headquarter» des Familienclubs Zollikon ­befindet sich die Spielgruppe im Zollikerberg. (Bild: dwe)
Räume kunterbunt: Im «Headquarter» des Familienclubs Zollikon ­befindet sich die Spielgruppe im Zollikerberg. (Bild: dwe)

Der allererste Aufruf, formuliert in einem Brief vom 1. März 1974 auf Briefpapier der Evangelisch-Reformierten Kirchgemeinde Zollikon, war an Eltern im Dorf gerichtet und las sich wie folgt: «Liebe Eltern, immer wieder begegnet man an Nachmittagen in unserem Dorf jungen Frauen, die allein mit ihren kleinen Kindern durch die Gegend spazieren. Manche ­dieser Mütter – das wissen wir aus eigener Erfahrung – würden manchmal gerne mit anderen jungen Frauen Kontakt aufnehmen, um damit sich selbst und den Kindern die oft etwas einsamen Nachmittage zu bereichern. Aber je nach Wohnlage ergeben sich solche ­Beziehungen nicht immer ohne weiteres.»

Die unterzeichnenden Frau H. Gassmann, Frau M. Glur und Frau U. Ehinger bezeichneten sich als ­Initiativgruppe, die mit dem Brief herausfinden wollte, «ob auch in unserer Gemeinde junge Mütter und Väter bereit wären zu einer Kontaktnahme, die etwas weiter ginge als bis in die unmittelbare Nachbarschaft.» Mit dem Vokabular von heute gesprochen, war das ein Aufruf zum Networking, zig Jahre vor Mobiltelefonen und sozialen Medien.

Die Club-Idee

Die Resonanz auf die Initiative der drei Mütter war gross, sodass schon im April desselben Jahres eine Gründungsversammlung für den «Club junger Familien» stattfinden konnte und ein vorläufiges Programm erstellt wurde. Viel schwebte dem jungen Club vor: regelmässige Treffen, Turnen für Mutter und Kind, Spielgruppen, Bastelkurse und – ein Thema, das nie seine ­Aktualität verliert – Schaffung von Spielplätzen.

Der Club nahm Fahrt auf und war oft Gegenstand von Berichterstattungen, der damalige «Zolliker Bote» schrieb gern und regelmässig über die Aktivitäten der agilen Mütter. Über eine Umfrage 1978 zum Beispiel, in deren Rahmen Kinder und Eltern gefragt wurden, ob es einen Abenteuerspielplatz braucht, und wenn ja, was alles darauf zu finden sein soll. Oder über die vielen Veranstaltungen, die der Club in der Gemeinde durchführte: Malkurse für Eltern konnte man belegen, Väter und ihre Kinder konnten Drachen bauen (lernen), auch Austausch über «Soziale Umgebung und Drogenkonsum» war ein Thema im Sommer 1978.

Viele Herausforderungen

Am Puls der Zeit zu sein, ist bis heute ein erklärtes Anliegen des Familienclubs. Wir treffen die ­Präsidentin Martina Märki in der Spielgruppe des Vereins am Zollikerberg, direkt unterhalb des Friedhofs an der Langwattstrasse. Es ist still hier, in den Ferien findet keine Spielgruppe statt. Martina Märki ist seit 2023 Präsidentin im Co-Präsidium mit Moni Leu, die beiden Mütter übernahmen das Amt von Daniela Wolf, die nach 13 Jahren Einsatz zurücktrat.
Es ging doch sicher nicht immer alles glatt und unproblematisch im Familienclub? Auf Anfrage schreibt Daniela Wolf, die Ex-Präsidentin, es habe Herausforderungen gegeben, benannte aber keine wirklichen Probleme. Zu den grössten Herausforderungen der letzten Jahre gehörten laut Daniela Wolf: die ­Digitalisierung des Clubs, Corona – und damit verbunden die Frage, wie lange der Lockdown für die Spielgruppe dauern würde und welche der Angebote man trotz Einschränkungen würde durchführen können –, der Umzug der Spielgruppe vom Kindergarten Hohfuren in den Kindergarten Neuackerstrasse und kurz darauf an den jetzigen Standort, die Renovation des Clubraums im Dorf an der Gustav-­Maurer-Strasse und die Suche nach einer neuen Spielgruppenleiterin. Langweilig kling definitiv anders.

Vom Kleinkind bis zum Jugendlichen

Das Angebot des Familienclubs sei unverändert, beschreibt Martina Märki die heutigen Aktivitäten, es werde nach wie vor geboten, was zu einem Gemeindeleben dazugehört: Räbeliechtli-Umzug, Fasnacht und Samichlaus als Veranstaltungen für alle, das Spielgruppenangebot jeden Vormittag für Mitglieder des Familienclubs und diverse Termine wie die Kinderartikelbörse jeweils im Herbst und im Frühjahr und die Mittelstufendisco. Zudem wird eine Babysitterliste geführt.

Wie finanziert sich der Familienclub? «Zum einen über die Beiträge der momentan rund 300 Mitglieder», erklärt Martina Märki. «Die Jahresmitgliedschaft für Familien beträgt immer noch nur 40 Franken.» Zum anderen spült die Kinderartikelbörse jeweils einen schönen Betrag ins Kässeli, ein Drittel des Erlöses geht traditionell an den Familienclub. Spenden sind sowieso immer willkommen, und die ­regelmässigen Veranstaltungen – Clubmitglieder erhalten Rabatt – tragen ebenfalls zum Budget bei.

Co-Präsidium in Vorfreude: ­Martina Märki (l.) und Moni Leu wünschen sich viele Besucher am Jubiläumsanlass. (Bild: zvg)
Co-Präsidium in Vorfreude: ­Martina Märki (l.) und Moni Leu wünschen sich viele Besucher am Jubiläumsanlass. (Bild: zvg)

Die Kraft der Freiwilligen

Es waren und sind immer noch ­Mütter, die die Geschicke und Aktivitäten des Familienclubs leiten. Martina Märki zog nach Zollikerberg, als der Sohn eineinhalb Jahre alt war, inzwischen komplettiert eine zehn Monate junge Tochter die Familie. Martina Märki kann sich derzeit gut neben dem Familien­management um den Familienclub kümmern, sie übt ihren Beruf als Marketingfachfrau im Bereich Tourismus wegen der Kinder gerade nicht aus.
Grundsätzlich ist immer Bedarf an neuen und engagierten Mitgliedern und Helfern, egal, ob ganze Familien, Frauen und Männer mit oder ohne Kinder, Grosseltern, Menschen egal welcher Religion und Herkunft. Man ist komplett offen im Familienclub, was zählt, ist die Gemeinschaft. Nach Ideen und Plänen gefragt, strahlt Martina Märki: Es gebe vieles, was man im Familien­club gerne umsetzen wolle. Der Bereich Erwachsenenbildung, der sich an Eltern richtet, sei beispielsweise ausbaufähig, es gebe zwar die Elternräte der Schulen, die viel machen, aber es gebe in dem Bereich noch viele spannende Themen. Für solches brauche es aber Ressourcen, Man- und Woman­power, weiss Martina Märki.

Und wenn es eines gibt, was sie sich von Herzen wünscht, dann das: «Nicht allen, die unsere Veranstaltungen besuchen, ist bewusst, dass dahinter Freiwilligenarbeit steckt. Es sind jeweils keine von der Gemeinde organisierte oder vom ­Steuerzahler finanzierte Anlässe.» Die Organisatorinnen investieren ihre Freizeit, weil sie es wollen und weil der eingangs erwähnte Grund damals wie heute Gültigkeit hat, trotz sozialer Medien: Manche Mütter fühlen sich isoliert und wissen nicht – oder haben Hemmungen – Kontakt zu anderen Müttern aufzunehmen. Genau dafür ist der Familienclub da.

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